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Theater - Almut Stärk

Jesus in Jeans

Ein dynamisches Klangmonument in der Kreuzkirche. Großer Erfolg der Premiere der Johannespassion.


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Johannespassion 2011, hier eine Szene aus den Proben.
(Foto: Ralf Bauer)

Die Zuschauerreihen sind um eine Rundbühne in der Mitte der Kreuzkirche angeordnet. Jesus kommt in Jeans und ein bisschen zu spät. Dann schreitet der Chor durchs Publikum zur Bühne und stellt sich am Rand auf – direkt vor den Zuschauern. Was die Zuschauer in den folgenden zwei Stunden zu sehen bekommen, ist eine einfallsreiche, frische Inszenierung der Johannespassion von Johann Sebastian Bach.

Von der lässigen Kleidung Jesu darf man sich nicht irreführen lassen: Der majestätische Gesamteindruck des Oratoriums bleibt gewahrt und wird unterstrichen von der beeindruckenden Bühnenkonstruktion, einem Aufbau auf zwei Ebenen, der in seiner Mitte das Orchester beherbergt. Dieses Monument aus Klang wird belebt von der naturgemäß großen Zahl von Mitwirkenden: Chor, Solisten, Orchester. Dieses Ensemble wird noch erweitert von einigen Tänzern.

Denn es handelt sich bei der Inszenierung auch um ein Tanzstück, geleitet von der Choreografin Lina do Carmo. Der Heilige Geist ist eine Tänzerin. Andere Tänzer untermalen gestisch die Handlung. So wird das das Bühnengeschehen für den Zuschauer verständlich und die Aufführung gewinnt an Dynamik.

Auch die Solisten und der Chor haben an der szenischen Umsetzung teil und nehmen immer wieder neue Positionen in der Kirche ein. Dank der Akustik des Sakralraums wird so die gesamte Kirche mit Klang gefüllt. Niemand ist auf Dauer weit vom Geschehen entfernt – die Unmittelbarkeit hält die Zuschauer in Atem.

Durch die Verteilung des Chors im Raum kommt jede Stimme zum Tragen, der Zusammenklang ist anders als gewohnt. Vox Bona, der Chor der Kreuzkirche, setzt diese ungewöhnliche Idee unter der Leitung von Karin Freist-Wissing erfolgreich um. Letzere leitet auch das Sinfonieorchester, welches das Oratorium gemeinsam mit dem Organisten Stefan Horz begleitet.

Die Inszenierung unter der Regie von Christoph G. Amrhein trägt den Titel „Was ist Wahrheit?“. Sie will Fragen aufwerfen, keine Antworten geben. Inhaltlich soll nicht nur die konkrete biblische Handlung im Vordergrund stehen, sondern ganz abstrakt menschliche Verhaltensweisen beleuchtet werden. Mut und Feigheit des Einzelnen stehen der Macht und Grausamkeit der Gruppe gegenüber. So wird das religiöse Stück auch für die Zuschauer zugänglich, für die die Passionsgeschichte an sich keine Bedeutung hat.

Tosenden Applaus erntet die Inszenierung vom Publikum, in dem sich alle Altersklassen wiederfinden. Innovativ, aber nicht zu exzentrisch, lebendig und dynamisch, aber nicht verwirrend, ist die Inszenierung rundum gelungen. Sie schafft es, zu unterhalten, ohne dem feierlichen religiösen Werk den Ernst zu nehmen.


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