Logo Kultur-in-Bonn.de
Anzeige
Musik - Melanie Maier

Jazz?!

Die eigentümliche Musikwelt Osteuropas: Diva Reka begeistern auf der Bühne des Landesmuseums.


Anzeige



"Diva Reka" ist nicht einfach nur ein Name - "Diva Reka" ist Programm. Auf Deutsch bedeutet es so viel wie "wilder Fluss", und die sechsköpfige Gruppe aus Bulgarien bewies nun im Landesmuseum, dass sie die Zuhörer, genau wie ein wilder Fluss ein Stück Holz, mit sich reißt. Unmöglich, bei ihrer Musik sitzen zu bleiben.

Diva Reka trat unter dem Motto "Euro Jazz 21" an. Allerdings kann man ihre Musik kaum als "Jazz" definieren, das würde den abwechslungsreichen Stil der Bulgaren zu sehr einengen. Zutreffender sind die Bezeichnungen "Bulgarischer Ethno-Jazz", "Balkan-Musik", "Worldmusic", "Folklore", wobei ein Wort eigentlich nicht ausreicht.

Die Musik stammt von Dimitar Hristov und Kostadin Genchev (an der Kaval), der auch Musiker und Komponist im Orchester für bulgarische Folkmusik des Nationalradios ist. Für das Projekt "Diva Reka" konnten die beiden Musiker die Cellistin Stella Bakalova gewinnen, deren Spiel den Liedern Harmonie verleiht.

Mitunter wechseln die Besetzungen von Lied zu Lied, immer neue Soli stehen im Vordergrund. Orientalische Klänge rufen das Bild eines Marktes in Istanbul hervor, melancholische Klänge erinnern an Eddie Vedders' "Into the Wild" – Diva Reka boten dem Zuhörer Musik, die ein Lächeln aufs Gesicht zaubert, wie Musik, die zum Nachdenken anregt. Ein vielfältiges Programm, bei dem die Lieder - vom Zuhörer fast unbemerkt - zu immer neuen Rhythmen und Melodien wechselten, um wieder in den Refrain überzugleiten.

Allein die Instrumente - die Kaval (eine Hirtenflöte und das Nationalinstrument Bulgariens), die Tamboura (eine Art indischer Ukulele), das Cello und die verschiedenen Instrumente des Schlagzeugers (große Trommel, Kuhglocke, Bongo, Glockenspiel u.v.m.) - schufen ein akustisches Szenario, das die Zuhörer begeisterte.

Besonders eindrucksvoll: die beiden Sängerinnen Gergana Dimitrova und Evelina Cristova. Bei den abschließenden Liedern sangen sie gleichzeitig, wobei ihre unterschiedlichen Tonlagen (Sopran bzw. Alt) einen wunderbaren, den Körper durchdringenden Effekt erzielten. Aber auch Dimitar Hristov, offiziell für die Tamboura zuständig, sang einige wenige Male und verzauberte die Zuhörer mit seiner samtenen Stimme.

In seinem Solo unterstrich Petar Mitov noch einmal den unkonventionellen Charakter der Gruppe, indem er zum Trommeln den gesamten Klangkörper seines Instruments, also auch die Seiten, benutzte, und nicht nur mit Drumsticks, sondern auch mit allem anderen, was er zur Verfügung hatte - wie seine Hände - arbeitete.

Geradezu ansteckend wirkte auch die gute Stimmung der Musiker. Sie tanzten und lachten, kommunizierten via Blickkontakt oder via Instrument miteinander, gaben sich gegenseitig akustische Vorlagen, die der Nächste aufnahm und zu beeindruckenden Improvisationen fortspann. So vermittelte das Konzert einen Einblick in die eigentümliche Musikwelt Osteuropas und begeisterte das Publikum restlos.

Das Konzert fand in Kooperation mit der Außenstelle der bulgarischen Botschaft Bonn statt. In der Reihe "Euro Jazz 21" werden als Nächstes das "Peter Materna Trio" (10. Juni) und "Channel Corssing" (19. Juni) im Landesmuseum auftreten.


Diesen Artikel bookmarken:  
twitter.com  facebook.com  Mister Wong  LinkaARENA  StudiVZ.de  MySpace.com  Technorati  oneview  del.icio.us  google.com  YahooMyWeb  live.com  digg.com  MyLink.de  Webnews  YiggIt  Folkd  stumbleupon.com  Reddit  

Artikel per eMail weiterempfehlen
Anzeige

Tagestipps Sonntag, 05.02.12

Alle Termine einer Veranstaltungsreihe:
Kalenderübersicht >>      Ticketshop >>
Anzeige

Nachrichten

Musik, Sonstiges - 03.02.12
Orchestercampus ist eine der besten Ideen
Logo_mit_Wortmarke-kib_17.jpg
Das Projekt von Deutscher Welle und Beethovenfest Bonn gehört zu den Preisträgern im Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“ 2011. Internationale Jugendorchester sind beispielhaft für Kulturaustausch und die Förderung hochtalentierter Musiker.

Theater - 02.02.12
Festival für Theatertalente ausgeschrieben
Theatergemeinde_Bonn_-_Logo-kib_12.jpg
Die Junge Theatergemeinde Bonn organisiert zum 10. Mal „spotlights“. Aufgerufen sind Theatergruppen von Schulen, Jugendeinrichtungen oder Kirchengemeinden. Bewerbungsschluss Ende April.

Ausstellung - 01.02.12
Erfahrung der Endlichkeit
Martin_Trinitiy_I_kib.jpg
Kein Pathos, sondern Vielseitigkeit mit verstecktem Humor. Das Kunstmuseum zeigt eine Ausstellung mit zentralen Arbeiten aus dem Werk von Kris Martin.

Musik - 30.01.12
Lou Reed rockt den Rasen
Lou_Reed-kib.jpg
Von Velvet Underground bis Metallica: Einer der einflussreichsten Rock-Künstler spielt auf Bonns neuer Open-Air-Bühne.

Literatur - 25.01.12
Martin Walser liest Muttersohn
Der Schriftsteller kommt in die Kammerspiele nach Bad Godesberg, um aus seinem Roman zu lesen.

Anzeige

Magazin

Themen, Kritiken & Berichte
Kritik: Kino
Der Besessene
Wäre „positiv verrückt“ nicht eine durch inflationären Gebrauch im Sportsprech verbrannte Phrase, könnte man sie auf den Baseball-Manager und sportlichen Revolutionär anwenden, den Brad Pitt in „Moneyball – Die Kunst zu gewinnen“ spielt.

Kritik: Kino
Vampire Weekend
Kate Beckinsale geht als lacklederne Actionheldin in „Underworld: Awakening“ erneut auf Werwolfjagd. Eher etwas für Fans der Underworld-Streifen.

Thema: Sonstiges
Karneval auf der Straße
Bereits am 5. Februar beginnt der Bonner Straßenkarneval. Neuer Zugweg in Kessenich und Beuel. Eine Übersicht der Züge im Stadtgebiet.

Kritik: Literatur
Rückkehr nach 1Q84
Murakami-Buch3-cover-kib.jpg
Haruki Murakami entführt seine Leser noch einmal in die Parallelwelt 1Q84 und lässt die Hauptfiguren Aomame und Tengo zueinander finden.

Kritik: Kino
Zeit zum Innehalten
In Alexander Paynes Drama „Familie und andere Angelegenheiten (The Descendants)“ muss ein gegen sein Rollenklischee besetzter George Clooney familiäre Verantwortung übernehmen und wichtige Entscheidungen treffen.

Anzeige
Anzeige