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Theater - Carine Eberle

Himmel, dieses Arschloch

Bittersüße Premiere: Jan Stephan Schmieding inszeniert HEAVEN (zu tristan) von Fritz Kater in Zusammenarbeit mit dem Fringe Ensemble an der Werkstattbühne des Theaters Bonn.


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(Foto: Thilo Beu)

(Foto: Thilo Beu)

(Foto: Thilo Beu)

(Foto: Thilo Beu)

(Foto: Thilo Beu)

Isolde liebt Tristan. Tristan liebt Isolde. So weit, so gut. Nun ist die Sache nur leider nicht so einfach. Denn Tristan liebt nicht nur Isolde, sondern auch seinen Traum von einem besseren Leben. Was er mehr liebt?

Architekturstudent Anders (Tristan) verlässt Simone (Isolde). Er will weg, nach Amerika, egal wohin. Hauptsache, es lässt sich dort besser leben, wirklich leben, frei und glücklich.

Denn das Versprechen von Freiheit ist seit dem Mauerfall in Deutschland real geworden: Anders fühlt sich frei, wegzugehen. Ist er doch umgeben von Menschen, die nur von den Erinnerungen an eine Vergangenheit zehren, in der sie sich glücklich glaubten. Und Anders will eine  Zukunft!

Mit Simone? Sie liebt anders. Und muss deswegen zurückbleiben unter Menschen, denen wie ihr nichts Weiteres geblieben ist als die Fotos von früher. Unter Menschen, die, hin und hergerissen zwischen Erinnerung und Gegenwart, kein Zuhause mehr finden können. Wie geht man damit um?

Philine Bührer erschüttert als Simone. Wenn Anders (Manuel Klein) anruft, legt sie das Handy an die Brust und schweigt durchdringend. Ist ihr Spiel im Schweigen schon sehr eindringlich, wird es das erst recht, wenn sie laut wird, gegen die Wände schlägt und schreit, in den Himmel, nach Anders, diesem Arschloch.  

Mindestens ebenso ergreifend Nico Link als Robert, der es schafft, in allen seinen Handlungen gleichsam dialektisch seine Liebe zu Simone und das Wissen um die Vergeblichkeit seiner Hoffnungen mitschwingen zu lassen.

Verzweiflung und Ausweglosigkeit sind durchgehend unterschwellig im Spiel aller Figuren präsent und spürbar. Trotzdem oder gerade deshalb entsteht eine erstaunlich poetische Spannung sowohl in den Monologen als auch im Zusammenspiel der Schauspieler.

Umzugskartons werden hin und hergeschleppt, von einer Ecke zur anderen und wieder zurück. Erinnerungsfotos erfüllen den Raum, überdimensional auf die Bühne projiziert. Das Bühnenbild (Ausstattung: Marlene Baldauf) bietet den passenden Raum: viel Weiß, Kartons in Fülle, einige niedrige Mäuerchen. Auch die Erinnerungsfotos haben nichts, woran sie sich festhalten könnten, alles bleibt flüchtig.

Auch für den Zuschauer. Entsteht doch teilweise das Gefühl, dass bei der Vielzahl an Bewegungen, Effekten, Symbolen und Worten einige geradezu als Fremdkörper über den Handlungsbogen hinausragen. Ob man das als Risse in der Einheit des Stücks oder als dem Thema eigen empfindet, bleibt jedem selbst überlassen.

Bitter und süß zugleich ist die Suche nach einer Möglichkeit zur Flucht, ob in Affären, Träumen oder Erinnerungen. Anders als Einziger ist physisch geflohen. Ob seine Flucht damit wirklich wird? Am Ende scheint es keinen Unterschied zu machen. Denn auch Tristan kehrt mit schwarzen Segeln zurück…

HEAVEN (zu tristan), von Fritz Kater. Regie: Jan Stephan Schmieding, mit: Wolfgang Rüter, Tatjana Pasztor, Nico Link, Philine Bührer, Manuel Klein, u. a., weitere Vorstellungen: 22.12., 29.12., 3. 1., 5. 1. jeweils um 20.00 Uhr in der Werkstattbühne

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