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Kino - Michael Hermann
Helden bei der Arbeit
In Joss Whedons Superhelden-Ensemblefilm „Marvel’s The Avengers“ müssen sich recht unterschiedliche Charaktere zusammenraufen, um die Welt zu retten. Streckenweise spektakulär und witzig, aber überlang.
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Zwei Schauwerte in einem Bild. Einer davon: Agentin Natasha Romanoff (Scarlett Johansson). (Bild: © 2012 Marvel & Subs. www.marvel.com)
Retro-Style in jeder Hinsicht: Captain America (Chris Evans). (Bild: © 2012 Marvel & Subs. www.marvel.com; Photo Credit: Zade Rosenthal)
Man muss kein Gott oder Adoptiv-Gott sein, um unter leichtem Größenwahn zu leiden: Das Hauptquartier von "Iron Man" Tony Stark. (Bild: © 2012 Marvel & Subs. www.marvel.com)
"Wir gehen gleich vor die Tür": Die Zankhähne Captain America (Chris Evans) und Iron Man Tony Stark in Zivil (Robert Downey Jr.). (Bild: © 2012 Marvel & Subs. www.marvel.com; Photo Credit: Zade Rosenthal)
Möchte, dass die gesamte Menschheit vor ihm kniet: Odin-Adoptivsohn Loki (Tom Hiddleston). (Bild: © 2012 Marvel & Subs. www.marvel.com; Photo Credit: Zade Rosenthal)
Dieses Ding nennt sich "Helicarrier". Die Army wird begeistert sein. (Bild: © 2012 Marvel & Subs. www.marvel.com)
Muss den undisziplinierten Heldenhaufen zusammenhalten: „S.H.I.E.L.D.“-Chef Nick Fury (Samuel L. Jackson). (Bild: © 2012 Marvel & Subs. www.marvel.com; Photo Credit: Zade Rosenthal)
Gruppenbild mit Dame: Hawkeye (Jeremy Renner), Captain America (Chris Evans) und Black Widow (Scarlett Johansson). (Bild: © 2012 Marvel & Subs. www.marvel.com; Photo Credit: Zade Rosenthal)
Agentin Romanoff alias Black Widow (Scarlett Johansson) geht in Positur bzw. Position. (Bild: © 2012 Marvel & Subs. www.marvel.com)
Nur der 70 Jahre lang im Tiefschlaf gelegene „Captain America“ Steve Rogers (Chris Evans) hat von alledem nichts mitbekommen und ist in jeder Beziehung old-fashioned. Seinerzeit noch nicht ganz in der Moderne angekommen und nun einfach so in die Postmoderne geworfen, spricht er ganz automatisch Agentin „Black Widow“ Natasha Romanoff (Scarlett Johansson) mit „Ma’am“ und seine Vorgesetzten mit „Sir“ an. Den Konflikt mit Kollege „Iron Man“ Tony Stark möchte er auf die altbewährte „Warum gehen wir nicht vor die Tür und regeln das wie Männer?“-Weise lösen.
Diesseits von Gut und Böse: Das Marvel-Universum
Passenderweise spielt Robert Downey Jr. diesen Iron Man, der die interessanteste unter den Helden-Figuren abgibt. Ein nie um einen spöttischen Spruch verlegener Playboy, der mit seinen technischen Erfindungen Milliarden verdient hat und den superpatriotischen Captain America auf die Palme bringt: Ob er denn gar nichts ernst nehme und „Stil“ für ihn über alles gehe? Die Filmdramaturgie wird später auch von Stark verlangen, jenen Helden-Ehrenkodex zu verinnerlichen, der den Verzicht auf Eigennutz beinhaltet. Ehe die disparaten Superhelden jedoch zur Vernunft kommen und zur Kooperation bereit sind, muss sich erst einmal einer der treuen Helfer (Clark Gregg) von „S.H.I.E.L.D.“-Chef Fury im Duell mit Schurke Loki opfern.
Auf die ganz großen Pathos-Nummern verzichtet Drehbuchautor und Regisseur Joss Whedon. Indes lässt sich nicht übersehen, dass hier eine recht konventionelle Gut-Böse-Geschichte mit ihren typischen Ritualen wie dem selbstlosen Opfer erzählt wird. Im Großen und Ganzen folgt die Story von Marvel’s The Avengers bekannten Genre-Mustern. Fans, die auch die Vorgängerfilme Iron Man und Iron Man 2 (2008/2010), The Incredible Hulk (2008), Thor (2011) und Captain America – The First Avenger (2011) kennen, dürften daran gleichwohl ihre Freude haben. Wer hingegen mit dem Marvel-Universum und seinem Superhelden-Ensemble weniger vertraut ist, wird einige Witze und Anspielungen gar nicht erst als solche erkennen können. Weniger Schwierigkeiten bereiten jene Gags, die darauf abheben, dass Captain A. rund 70 Jahre verpasst hat und hin und wieder nur Bahnhof versteht.
Mit Schauwerten ballern
Es ist immer dasselbe: Geht man mit eher geringen Erwartungen ins Kino wie letztes Jahr bei Captain America – The First Avenger, wird man angenehm überrascht. Hat man, nicht zuletzt durch Joss Whedons originellen und spannenden Sci-Fi-Film Serenity (2005) und seine diversen TV-Serienerfolge geweckte, höhere Erwartungen, bleiben Wünsche offen. Es liegt nicht daran, dass Whedons Film der retrofuturistische Charme von Captain America – The First Avenger abgeht. Problematisch ist etwas anderes: The Avengers sieht weniger nach Serenity als nach konventioneller Fantasy-Action aus – und ist damit näher an Michael Bay’s Transformers dran, als dem Film guttut. Zeitweise hat es bei den Kampfszenen rund um die Straßenschluchten und Bürotürme von New York den Anschein, als ob hier die finale Schlacht in 3D-Effekten, Bits und Bytes zwischen Bay und Whedon ausgetragen werden soll. Da kann einem New York schon fast leidtun, so oft wie es als Zielscheibe filmischer Zerstörung herhalten muss.
Zudem ist The Avengers zu lang geraten. 20-30 Minuten weniger wären aus Sicht eines Nicht-Marvellisten kein Verlust gewesen. Sich öffnende Himmelsportale, aus denen die Verderbnis herabregnet, die Hybris des Bösen, der glaubt über den Menschen zu stehen, die Schwierigkeiten der Superhelden, mit sich selbst und ihren Fähigkeiten (sowie dem großen Rest der Normalsterblichen) zurecht zu kommen – das alles gab es schon in zahlreichen Variationen, von Hellboy bis Hulk.
Letzterem gönnt Whedon immerhin einen schönen Gag: Um die Verhältnisse wieder zu erden, darf Wutbürger Hulk dem sich gottgleich wähnenden Loki, der ihn auf die Knie befehlen will, eine ordentliche Abreibung verpassen. Doch trotz der sorgfältigen Charakterzeichnung und mancher witziger und ausgefeilter Rededuelle dominiert letztlich der Eindruck, einer gigantischen Materialschlacht beigewohnt zu haben.
Avengers - Regie: Joss Whedon, mit: Robert Downey Jr., Chris Evans, Mark Ruffalo u. a., USA 2012, 142. Min., FSK 12, Kinostart: 26. April 2012.
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