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Kino - Michael Hermann

Große Augen, große Ohren, große Hände …

In „Red Riding Hood“ variiert „Twilight“-Regisseurin Catherine Hardwicke Werwolf- und Rotkäppchen-Motive – mit eher geringem Spannungs- und Gruselfaktor.


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Auf dem Weg zu Oma ihr klein Häuschen. (Bild: Warner Bros.
Ent.)

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Auf dem Weg zum Wolf? (Bild: Kimberly French)

Ein Wolf geht um und bedroht eine mittelalterliche Dorfgemeinschaft. Doch ein grimmiger Pater und Werwolf-Experte klärt die Dörfler darüber auf, dass die Bestie gar nicht in den umliegenden Wäldern haust.

Vielmehr nimmt das Viech tagsüber menschliche Gestalt an, so dass es sich um eine/n der Dorfbewohner/innen handeln muss. Die zentrale Frage des Films lautet also: Whodunit?

Das hätte eine tragfähige Vorlage für eine Geschichte über gegenseitige Verdächtigungen und Klimavergiftungen innerhalb einer kleinen, überschaubaren Gemeinschaft abgeben können.

Allerdings nicht mit derart uninteressanten Charakteren, papiernen Dialogen und einer hölzernen Inszenierung, die mehrfach die Grenze zur unfreiwilligen Komik überschreitet (wie an den Reaktionen des Vorpremierenpublikums während der Vorführung zu erkennen war).

Da kann auch die Liebesgeschichte der Dorfschönheit mit rotem Kapuzenumhang, die zwischen zwei Männern steht (von denen einer ja der böse Wolf sein könnte), nichts herausreißen. Der Versuch, hier an die derzeit im jüngeren Teil des Kinopublikums grassierende Twilight-Mania anzudocken, gerät ebenso offensichtlich wie halbherzig.


„Twilight“ light

Es reicht eben nicht aus, einen respektablen Altstar (Julie Christie), eine versierte Charakterdarstellerin (Virginia Madsen), eine hübsche junge Schauspielerin mit langen blonden Haaren und großen Augen (Amanda Seyfried) sowie einen in diversen Filmen als Düstermann mit dämonischem Gesichtsausdruck erprobten Star (Gary Oldman) zusammenzubringen und zu hoffen, dass das Ganze schon irgendwie funktionieren wird.

Gerade Oldman chargiert bisweilen heftigst in seiner Rolle als unbarmherziger Mann Gottes und Werwolfjäger. Die anderen männlichen Charaktere bleiben indes so blass und konturlos, dass sich weitere Ausführungen zu ihnen erübrigen. 

Der Genre-Mix aus Fantasy, Mystery und dem Rotkäppchen-Stoff, den Twilight-Regisseurin Catherine Hardwicke hier angerührt hat, geht zu keinem Zeitpunkt auf. Weder erzeugt Red Riding Hood Spannung oder Grusel, noch erweckt er Anteilnahme für das Schicksal der Figuren.

Auch wenn der Vergleich zu Pakt der Wölfe hinkt, der vor zehn Jahren das Böse-Mysteriöse-Bestie-Feld an anderer Stelle bespielte: Dieser auf einer historischen Begebenheit beruhende Film war immerhin einigermaßen spannend und glänzte mit ebenso virtuosen wie naturalistischen Kampfszenen. Wo bei Red Riding Hood Glanzpunkte liegen könnten, ist schwer zu sagen. Vielleicht hülfe ja ein Schluck Rotkäppchen-Sekt weiter.

Red Riding Hood, USA 2011, Regie: Catherine Hardwicke, Kinostart: 21. April 2011.


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