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Musik, Theater - Christiane Wiegand

Good Night, Andy!

Das Theater Bonn präsentiert „Songs for Drella“, eine musikalische Hommage an Andy Warhol von Lou Reed und John Cale.


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Hendrik Richter und Arne Lenk

singen "Songs for Drella"

Fotos: Thilo Beu

Die Bühne liegt im Halbdunkel, zwei Mikrofonständer im Zentrum, ein Keyboard und ein Stuhl mit Gitarre und Verstärker verströmen den kargen, unvermittelten Charme eines Unplugged-Konzerts. Bierflaschen sind an diesem Abend im Zuschauerraum erlaubt, eine Ausnahmeregelung, der man gerne und zahlreich nachkommt.


Die Halle Beuel steht ganz im Zeichen des Rock' n' Roll. Gespielt wird John Cales und Lou Reeds Anfang der 90er als Konzeptalbum erschienener musikalischer Nachruf auf ihren Freund, den Künstler Andy Warhol. Und dass die beiden Männer auf der Bühne eigentlich Schauspieler und keine Sänger sind, wird dabei zur unwesentlichen Randnotiz. Nach „To All Tomorrow's Parties“ lotet das Theater Bonn mit „Songs for Drella“ ein weiteres Mal die Grenzbereiche zwischen Musik und Theater, zwischen Musiktheater und Konzert aus.


Wurde bei den „Parties“ die Geschichte der Warhol-Muse Nico und der Band „The Velvet Underground“ noch hauptsächlich durch Bühnenhandlung mit musikalischer Untermalung erzählt, verzichtet das Team um den musikalischen Leiter Michael Barfuß bei „Songs for Drella“ komplett auf Schauspiel im klassischen Sinne und überlässt es der Musik allein, die Geschichte zu erzählen.


Es ist die Geschichte eines der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts, die Geschichte eines exzentrischen Genies, von seinen Anfängen in der Heimatstadt Pittsburgh, der „small town“, in der sich Warhol eingeengt und fehl am Platz fühlt, bis zu seinem Tod im Februar 1987. Es ist die Geschichte einer Zeit voller Extreme, voller Höhenflüge und Abstürze in Warhols New Yorker „Factory“. Aber vor allem ist es die Geschichte einer Freundschaft mit all ihren Höhen und Tiefen.


Hendrik Richter und Arne Lenk erzählen sie stimmgewaltig, leicht unterkühlt, aber immer ganz nah am Original. Vom Plakat, das dem Albumcover nachempfunden ist, über die Kostüme bis hin zu den Videoprojektionen, die im Hintergrund den Geist der Warholschen Kunst auf beeindruckende Art und Weise einfangen, ist „Songs for Drella“ eine stimmige Zeitreise, ein geschlossenes Ganzes.


Während einige der Songs mit ihrem monotonen Sprechgesang eher narrativen Charakter haben und den Protagonisten eine ungeheure Textsicherheit abverlangen, warten Stücke wie „Nobody but You“, „I believe“, in dem es um das versuchte Attentat auf Warhol durch die radikale Feministin Valerie Solanas geht, oder „Forever Changed“ mit packenden Melodien mit Ohrwurmqualität auf. Marcus Schinkel am Keyboard und Peter Engelhardt an der Gitarre sorgen für stilechte instrumentale Untermalung und das ein oder andere mitreißende Solo.


Trotz der größtenteils sehr stimmigen musikalischen und optischen Seite der Produktion, wird es dem Zuschauer jedoch zeitweise unnötig schwer gemacht, einen Zugang zu der erzählten Geschichte zu finden. So werfen Reed und Cale in ihren Texten ohne jegliche Rücksicht mit Namen und Daten um sich, die nur den wenigsten ein Begriff sein dürften.


Die minimale Inszenierung lässt dies größtenteils unkommentiert, legt den Schwerpunkt weniger auf Information als auf Emotion und wirft den Zuschauer ein wenig zu schonungslos in die verworrene Welt der „Factory“. Und so bleibt beim Verlassen des Theaters neben der ein oder anderen Melodie im Ohr vor allem auch das Bedürfnis, bei nächster Gelegenheit einen Blick in ein Kunstlexikon zu werfen.


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