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Musik - Michael Hermann
Fehlklang
Ein suboptimaler Sound verhindert ein wirklich gutes Konzert der Fehlfarben im Düsseldorfer Zakk.
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Wenn die Fehlfarben an einem Samstagabend in ihrer Heimatstadt Düsseldorf zum Abschlusskonzert ihrer Deutschland-Tour aufspielen, sagt Sänger Peter Hein als erstes mal die Fußballergebnisse durch. Die Niederlage des aufstiegswilligen einheimischen Zweitligisten fällt Fan Hein da um so leichter zu ertragen, weil die benachbarten Reviergrößen aus Schalke und Dortmund ihre Erstligaspiele gerade ebenfalls vergeigt haben (der Kölner Sieg in Hoffenheim bleibt selbstredend unerwähnt). Das war allerdings auch für einige Zeit die letzte akustisch verständliche Ansage – mit Ausnahme einer kleinen, gemeinen Spitze Richtung Hamburg und dortige „Schule“, die ja genauso klänge wie die Fehlfarben vor dreißig Jahren schon geklungen hätten. Es scheint wirklich, als ob Peter Hein mit Tocotronic & Co. nicht allzu viel anzufangen wüsste.
Man hätte gerne mehr von Heins Kommentaren, Mutmaßungen, Erzählungen und vor allem Liedtexten gehört, doch der Sound im Düsseldorfer Zakk war eine mittlere Katastrophe. Ungebremst wummerten die Bässe aus den Verstärkern, sodass man sich als Zuhörer eher wie ein Resonanzkörper vorkam, derweil des Sängers Stimme irgendwo zwischen Keyboards und Gitarre verschwand und Schlagzeugerin Saskia von Klitzing tapfer und druckvoll gegen die Tücke des Objekts (in ihrem Fall kamen noch anfänglich falsch eingestellte Mikrofone hinzu) antrommelte, um dem Sound-Wildwuchs eine solide rhythmische Grundlage zu geben.
Es ist schon ein Kreuz mit dem Live-Klang der Fehlfarben. Der war auch bei ihrem Konzert in der Kölner Live Music Hall 2003 ein Ärgernis erster Güte, drei Jahre später im ebenfalls domstädtischen Bürgerhaus Stollwerck dann immerhin passabel. Am für Düsseldorfer Bands potenziell schlechten Karma Kölner Hallen kann es aber nun dieses Mal beim Heimspiel im Zakk definitiv nicht gelegen haben. Bleibt nur die Hoffnung auf den nächsten Versuch. Es muss sich doch im Großraum Düsseldorf/Köln/Bonn irgendeine Halle finden lassen, die dem speziellen Wall-of-Sound der Band mit ihren regelmäßigen Lärm- und Feedback-Attacken nebst Peter Heins stimmlichen Ausflügen und Extravaganzen gewachsen ist.
Da war mehr drin
So blieben die Fehlfarben an diesem Abend unter ihren Möglichkeiten. Allenfalls äußerst textsichere Fans können das Konzert ohne Abstriche genossen haben; der Rest dürfte wie der Rezensent Mühe gehabt haben, insbesondere bei den Liedern des neuen Albums Glücksmaschinen den Satz- und Wortfetzen zu folgen. Dass Peter Hein immer noch ein begnadeter Entertainer und Frontmann ist, konnte man gleichwohl bei einer Reihe von Stücken erleben beziehungsweise erahnen. Zu diesen Höhepunkten des Sets zählten auch drei Nummern von der aktuellen CD, an erster Stelle zu nennen: Neues Leben, ein Ohrwurm mit zwingendem Beat und schöner Refrainzeile: „Wir haben Angst / aber keine Zeit dafür“, in dem sich Original-Keyboardklänge aus Neue Deutsche Welle-Zeiten mit Elektro- und Postpunk treffen und der Sound einmal so gut ausbalanciert war, dass Strukturen und Instrumental-Linien erkennbar wurden. Außerdem das fast schon hymnische Wir warten („Ihr habt die Uhr / Wir die Zeit“, offensichtlich eine Abwandlung des laut Zeitungen besonders unter afghanischen Taliban beliebten arabischen Sprichworts „Ihr habt Uhren, wir haben Zeit“) und der, wenn ich Heins Geleitworte zum Lied richtig rekonstruiert habe, ganz sicher kommende, weil Mallorca-kompatible Sommerhit Im Sommer. Die Internationale und Schnöselmaschine vom 2002er-Album Knietief im Dispo sind ebenfalls eingängige, treibende und daher für die Live-Darbietung bestens geeignete Stücke, und auch sie schafften es, im Soundbrei nicht unterzugehen.
Zum souverän absolvierten Pflichtprogramm gehörten das Fehlfarben-Satisfaction Paul ist tot („Was ich haben will / das krieg ich nicht / und was ich kriegen kann, das gefällt mir nicht“) und ihr größter Hit (Ein Jahr) Es geht voran, letzteres wieder näher dran am transparenten, Funk-orientierten 1980er-Urklang als beim Konzert 2006, und das wohl speziell „für die „Minderjährigen im Publikum, die uns nur von Youtube kennen“ - da, endlich mal wieder ein komplett verständlicher Satz von Peter Hein! Ich hätte ja gerne mehr davon zitiert und bin auch überzeugt davon, dass er im Laufe des Abends einiges Zitierenswerte von sich gegeben hat – allein, es war akustisch nicht zu verstehen. So ähnlich muss es wohl auch den Jüngern Mystisches vor sich hin murmelnder Gurus ergehen. Das Nicht-Verständliche erhält in jedem Fall die Spannung und ist gut fürs Geschäft – gerade für „abgefeimte Business-Typen“ (noch ein vernehmlicher Hein-O-Ton) wie die Fehlfarben ...
Gleichwohl war es kein schlechtes Konzert. Es hätte allerdings auch ein richtig gutes werden können. Nur eben nicht mit diesem Sound in dieser ansonsten übrigens recht ansprechenden Räumlichkeit.
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