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Kino, Kinder - Klaus Torsy
Erziehung im Wald
Der Bonner Kameramann und Filmemacher Kai von Westerman hat einen Dokumentarfilm über den Waldkindergarten „Laubfrösche“ gedreht – fernab von bürokratischen Fragen und auf Augenhöhe mit den Kindern.
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„Waldkinder – Nachruf auf einen Kindergarten“ lautet der Titel des Films. Die Aufnahmen zu der Dokumentation entstanden im Bonner Waldkindergarten "Laubfrösche", der im vergangenen Jahr wegen der Pleite des Trägervereins geschlossen wurde. Am Freitag ist der Film um 17 Uhr in der Brotfabrik zu sehen mit Regisseur Kai von Westerman als Gast.
Der Film interessiert sich nicht für Zahlen und Insolvenzrecht. Zu Beginn sind Eltern und Kinder auf den Stufen des städtischen Jugendamts am Bottlerplatz zu sehen. Sie wollen den Leiter treffen. Dazu ein paar kryptische Angaben zur Schließung des Kindergartens, zum Verlust für Eltern und Kinder, zum Verlust von Arbeitsplätzen.
Und zur Abgrenzung von einer „investigativen Reportage“, so die Stimme des Regisseurs aus dem Off. Denn der Film will das Problem von anderer Seite packen, fernab aller Zahlen und betriebswirtschaftlichen Kosten-Nutzen-Rechnungen: "Wie ist es eigentlich, als Kind in einem Waldkindergarten zu sein?"
Der Sohn des Filmemachers war selbst ein „Waldkind“. Über dreieinhalb Jahre hat von Westerman immer wieder ihn und die übrigen Kinder durch Kottenforst und Waldau begleitet. Als Freiberufler konnte er verhältnismäßig häufig im Wald drehen. So wurden die Kinder der Waldgruppe mit ihm und der Kamera vertraut.
Unmittelbarer Blick ohne Distanz
Die Kamera schaut und bewegt sich wie ein Kind. Entsprechend sind die Bilder ständig in Bewegung, ihre distanzierte Beobachterfunktion verliert sich.
Der Zuschauer vergisst, dass er zuschaut. Er ist mittendrin, wenn die Kinder im Morgenkreis singen, spielen, essen, die Natur erkunden, in ihr leben. Beim St.-Martin-Spiel oder beim Lauschen von Fröschen und Grillen. In allen Jahreszeiten, bei Regen, Sonne, Matsch und Schnee.
Im Auftrag einer Fernsehanstalt wäre dieser Film laut von Westerman nicht möglich gewesen: Aus finanziellen Gründen hätte es nur wenige, festgelegte Drehtage mit vorhersehbarem Ablauf gegeben. Zudem hätten inhaltliche Vorgaben Grenzen bei der Gestaltung gesetzt.
So verzichtet der Regisseur auf Interviews, um den Fluss der filmischen Erzählung zu erhalten. Lediglich einige Kapitelüberschriften sorgen für Struktur, ansonsten herrscht der Originalton von Kindern und Erzieherinnen, dazu die Geräusche des Waldes.
Herausgekommen ist ein eindrucksvoller Film, dessen Unmittelbarkeit die Idee vom Waldkindergarten intensiver spüren lässt, als es Beschreibungen und Erklärungen tun könnten. Ein Plädoyer für ein Konzept, fernab aller Zahlen.
Waldkinder – Nachruf auf einen Kindergarten, Dokumentarfilm, D 2012, HDV, Farbe, 77 Min., Freitag, 4. April 2012, 17 Uhr, Brotfabrik.
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