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Kino - Michael Hermann
Ende im Gelände
Christopher Nolan hat mit „The Dark Knight Rises“ ein mit zunehmender Länge immer hektischer und wirrer werdendes Spektakel inszeniert, das die Qualität seines exzellenten Vorgängers „The Dark Knight“ nicht erreicht.
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Butler Alfred (Michael Caine) und der zurückgezogen lebende Bruce Wayne (Christian Bale) informieren sich über den Zustand der Welt. (Bild: (C) 2012 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. AND LEGENDARY PICTURES FUNDING, LLC)
Der Mann und sein Alter Ego: Bruce Wayne (Christian Bale). (Bild: Ron Phillips, (C) 2012 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. AND LEGENDARY PICTURES FUNDING, LLC)
Bruce Wayne (Christian Bale) kommt die Perlenkette am Hals von Selina Kyle (Anne Hathaway) bekannt vor. (Bild: Ron Phillips, (C) 2012 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. AND LEGENDARY PICTURES FUNDING, LLC)
Vorstandsmitglieder von Wayne Enterprises: Lucius Fox (Morgan Freeman) und Miranda Tate (Marion Cotillard). (Bild: Ron Phillips, (C) 2012 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. AND LEGENDARY PICTURES FUNDING, LLC)
The Wild One: Catwoman Selina Kyle (Anne Hathaway). (Bild: Ron Phillips, (C) 2012 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. AND LEGENDARY PICTURES FUNDING, LLC)
Es ist kein Mensch, es ist kein Tier … Bane (Tom Hardy) versus Wayne/Batman (Christian Bale). (Bild: Ron Phillips, (C) 2012 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. AND LEGENDARY PICTURES FUNDING, LLC)
So geht das zwecks gründlicher Figurenzeichnung zunächst eher verhaltene Tempo im Grunde in Ordnung. Nolan nimmt sich Zeit für die Dialoge zwischen Butler-Mentor Alfred (Michael Caine) und Bruce Wayne (Christian Bale), in denen Alfred versucht Wayne davon zu überzeugen, Batman, Gotham, die Vergangenheit und die Erinnerung an seine große Liebe Rachel Dawes hinter sich zu lassen und ein neues Leben zu beginnen. Doch schließlich muss er passen und den Kampf um die Seele seines „Master Wayne“ aufgeben. Der gebrochene, mit sich ringende und latent todessehnsüchtige Held, der sich sowohl als Batman als auch als Bruce Wayne acht Jahre von der Welt zurückgezogen hatte, entscheidet, dass er noch einmal ran muss.
Eine Bombe für Gotham City
Denn Gotham befindet sich in der Hand des maskierten Kriminellen Bane (Tom Hardy), der die Stadt mit einer Atombombe erpresst und ihre Bürger zum Umsturz aller Verhältnisse aufruft. Woraus bereits diverse symbolische und politische Lesarten abgeleitet worden sind, die die Bedeutung dieses Films auf eine Weise überhöhen würden, die ihm nicht zukommt. The Dark Knight Rises bleibt letztendlich ein Action-Fantasy-Thriller und dessen Regeln verhaftet. Sicher düsterer und kälter als vergleichbare Superheldencomic-Verfilmungen, aber keine revolutionäre Erneuerung des Genres.
Dafür wird es mit zunehmender Dauer immer verworrener. Die Nolan Bros. (Christophers Bruder Jonathan wirkte als Koautor am Drehbuch mit) haben es offenbar nicht mehr nötig – oder nicht mehr für nötig befunden –, die ganzen losen Enden ihrer Geschichte in einen stimmigen Zusammenhang zu bringen. So wird in der letzten, action-betonten Stunde des mit 165 Minuten deutlich zu langen Films hektisch zwischen den diversen Figuren und Schauplätzen im umkämpften Gotham hin- und hergesprungen.
Legende am Ende?
Und spätestens dann verflüchtigt sich das Interesse an Story und Figuren, am Kriminellen Bane, der in grauer Vorzeit ein nicht gar so übler Kerl war, an der trickreichen Betrügerin Selina alias Catwoman (Anne Hathaway) und der an Bruce Wayne sehr interessierten Miranda Tate (Marion Cotillard), an Commissioner Gordon (Gary Oldman), der schwer daran trägt, den Bürgern von Gotham nicht die wahre Geschichte über den zu Unrecht gefeierten Staatsanwalt Harvey Dent (aus The Dark Knight) und den zu Unrecht geächteten Batman erzählt zu haben, und am jungen Polizisten John Blake (Joseph Gordon-Levitt), der bereit ist, in die Fußstapfen des idealistischen Rächers zu treten. Blake ist der freshman, aus dem Robin werden könnte, denn mindestens ein Hintertürchen für weitere Geschichten aus dem Batman-Universum haben die Filmemacher sich offen gelassen.
Selbst die illustre Besetzung, zu der auch noch Morgan Freeman und Matthew Modine gehören, ändert nichts daran, dass The Dark Knight Rises nicht nur kalt und düster, sondern streckenweise wie ein uninspirierter Zweitaufguss all dessen wirkt, was Nolan in The Dark Knight noch richtig gemacht hatte. Und auch die Auflösung, wer hier falsch gespielt und den bösen Bane die ganze Zeit unterstützt hat, kommt dann schon nicht mehr besonders überraschend.
2012 war auf Blockbuster-Ebene bisher das Jahr der Superhelden. Der Bedarf daran sollte nun nach The Dark Knight Rises, Marvel’s Avengers und The Amazing Spiderman – der im direkten Vergleich überraschenderweise am besten wegkommt – erst einmal gedeckt sein. Macht mal Pause, Superhelden.
The Dark Knight Rises - Regie: Christopher Nolan, mit: Christian Bale, Gary Oldman, Tom Hardy u. a., USA 2012, 165 Min., FSK 12, Kinostart: 26. Juli 2012.
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