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Kino - Michael Hermann
Eine Überdosis Süßlichkeit
Nicht alle in England gedrehten Filme, auf denen das Etikett Komödie prangt, sind auch richtig komisch. „Der Weihnachtsmuffel“ liefert ein Beispiel dafür.
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Das Krippenspiel-Ensemble und seine beiden Regisseure Mr Poppy (Marc Wootton, l.) und Mr Maddens (Martin Freeman). (Bild: Pandastorm Pictures)
Mr Maddens (Martin Freeman) ist „Der Weihnachtsmuffel“, die Kinder haben trotzdem ihren Spaß. (Bild: Pandastorm Pictures)
Als da wären die beiden ersten Stirb langsam (Die Hard) mit Bruce Willis, Tödliche Weihnachten (The Long Kiss Goodnight) mit Geena Davis als unverschämt cooler Action-Heldin und Samuel L. Jackson als unverschämt coolem Privatdetektiv (mit unsäglich uncoolen karierten Klamotten) oder auch John Frankenheimers unterbewerteter Wild Christmas (Reindeer Games). Alles bestens geeignete Unterhaltung für den nach der weihnachtlichen Schlemmerei eher trägen Geist, der auch haarsträubend unlogische Handlungssprünge und unglaubwürdige Action-Szenen durchgehen zu lassen bereit ist.
Was es hingegen weder vor, während noch nach Weihnachten unbedingt braucht, sind Filme wie Der Weihnachtsmuffel (Nativity!). Die Geschichte um einen griesgrämigen Grundschulpauker, den seine Schulleiterin mit der Inszenierung des alljährlichen Krippenspiels betraut, ist von A bis Z vorhersehbar. Was gar nicht schlimm wäre, wenn es ihr nicht nahezu durchweg an witzigen, überraschenden Einfällen mangelte. Es sind eben längst nicht alle in England gedrehten Komödien Musterbeispiele für skurrilen, typisch britischen Humor. Um sich mit Der Weihnachtsmuffel anfreunden zu können, braucht man vermutlich viel guten Willen und Kinder im grundschulpflichtigen Alter.
Klischees und erhöhte Kitschdichte
Martin Freeman gibt sich zwar alle Mühe, den etwas steifen und etwas spießigen Lehrer Paul Maddens zu spielen, der fünf Jahre zuvor an Weihnachten von seiner Freundin Jennifer (Ashley Jensen) verlassen wurde und seitdem wie eine Topfpflanze vor sich hinvegetiert, die nicht genug Wasser bekommt – und doch: Man sieht Freeman nach wie vor lieber in einer echten Britcom wie The Office zu. An seiner Seite chargiert Marc Wootton bisweilen heftig als Kinderversteher und Assistenzlehrer Mr Poppy, der den im Krippenspiel-Duell mit der anderen örtlichen Grundschule bislang immer unterlegenen sieben- bis zehnjährigen Underdogs Mut, Spaß und Selbstvertrauen für ihre Gesangs- und Tanzeinlagen vermitteln will. Klar, dass diese Art von Psychomobilisierung auch Spuren bei Kollege Maddens hinterlassen muss.
Natürlich ist man immer geneigt, Kinderdarstellern mehr Kredit zu geben, und tatsächlich haben sie auch in Der Weihnachtsmuffel die eine oder andere niedlich-drollige Szene. Doch gerade die letzten 20 Minuten, in denen das schließlich nach vielen Mühen, Verwirrungen, Abwegen und Beinahe-Aufgaben zur Aufführung gebrachte Krippenspiel der Kinder – welches als eine Art Hightech-Musical-Inszenierung daherkommt – im Mittelpunkt steht, bieten erhöhte Kitschdichte.
Das ist allzu süßlich und versöhnlich, wie zu viel Weihnachtsgebäck und -konfekt auf einmal. Selbst Maddens Pädagogen-Rivale und früherer guter Freund Gordon Shakespeare (Jason Watkins), der eben noch den Erfolg des Krippenspiels sabotieren wollte, gratuliert und macht Faxen auf der Bühne.
Und auch der lokale Theaterkritiker (gespielt von Stand-up-Komiker Alan Carr), der Maddens ersten Krippenspiel-Regieversuch ein paar Jahre zuvor in Grund und Boden verrissen hatte, applaudiert. Im Übrigen wird er als schmieriger Sack mit feisten Fressbäckchen gezeichnet, der sich sogar während der Aufführung Nahrung in den Mund stopfen muss. Huhu, liebe Kinder, nicht alles glauben, was man euch im Kino so zeigt! In Wirklichkeit sind Kritiker gar nicht so … jedenfalls nicht die Mehrzahl.
Der Weihnachtsmuffel - Drehbuch u. Regie: Debbie Isitt, mit: Martin Freeman, Marc Wootton, Jason Watkins, Ashley Jensen, Pam Ferris, Alan Carr, Großbritannien 2009, 102 Min., ohne Altersbeschränkung, Kinostart: 8. Dezember 2011.
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