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Kabarett - Julia Altenhoff

Ein Kessel Buntes

Kabarett, Klamauk, Satire und Parodie - beim 74. WDR-Kabarettfest im Bonner Pantheon präsentierten die vier Künstler Sebastian Krämer, Jochen Malmsheimer, Cloozy und Severin Groebner ganz unterschiedliche Programmpunkte.


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Moderator Dieter Nuhr führte mit seiner gewohnt leicht bissigen Art über den Sinn des Lebens durch den Abend. Thema seiner Zwischenmoderationen war das immer schneller werdende Leben und der Tod. Dieses Thema parodierte er gut gelaunt und herrlich trocken.

Früher wären diejenigen, die an Typhus erkrankten, doch Glückspilze gewesen, da sie immerhin wussten, worauf sie sich einließen. Dagegen wäre die heutige Schweinegrippe rosig und borstig zugleich, da niemand wisse, was es damit eigentlich wirklich auf sich hätte.
Mit solchem Sarkasmus hatte er die Lacher deutlich auf seiner Seite und man merkte, dass die Zuschauer im Saal wohl vor allem seinetwegen das Kabarettfest besuchten.
Leider fehlte es ihm oft an Spontaneität. Dieser Eindruck wurde dadurch verstärkt, dass er seinen Text vor sich hatte und sich teilweise zu sehr an ihm festhielt – im wahrsten Sinne des Wortes.

Jochen Malmsheimer, der sehr schnell sprechende Kabarettist, bei dem man sich teilweise anstrengen muss, um ihn zu verstehen, kam als erster Künstler auf die Bühne. Passenderweise dazu, dass WDR 5 das Programm mitschnitt, parodierte er mit Telefonhörer am Mikrofon und aufgeregter Stimme eindrucksvoll überspitzt das Medium Radio und stellte ein Studioexpertengespräch mit dem sehr amüsanten Thema „Hebe- und Kippfenster und dessen Funktionsweise“ nach.
Das Thema Älterwerden parodierte er ebenfalls mit gewohnt markanter Stimme und schrie entsprechend heraus, dass man mit dem Alter beige würde und man in keiner anderen Farbe mehr wahrgenommen werden würde. Im Luftbild vermittle es den Eindruck, der Kölner Dom sei von einer Wanderdüne umspült. Es entpuppe sich aber bei näherem Hinsehen als eine Gruppe Senioren, die in allen Beige-Schattierungen bejackt, beschuht, popelinegewandet, rollatorgestützt und mit grauem Kopfpudel unter durchsichtiger Frischhaltefolie zu sehen ist.
Diese Vergleiche und seine sehr forsche und trotzdem sehr schnelle Art des Sprechens machten Jochen Malmsheimer neben Dieter Nuhr zum Publikumsliebling des Abends.

Bei den anderen Künstlern sprang der berühmte Funke nicht so ganz auf das Publikum über und man konnte den Eindruck gewinnen, dass das auch am manchmal unterschiedlichen regionalen Humor lag.

Cloozy, als erste Frau auf New Yorks Comedybühnen angekündigt und zugleich Prix Pantheon Gewinnerin 2009, kam als Berliner Emanze mit Geige daher, die ihren Tagesablauf präsentierte: E-Mails löschen und Spam beantworten. Wie es heutzutage üblich ist, hat auch sie ihr Leben komplett auf das Internet ausgerichtet und ersteigerte gerade mal bei Hebay einen Mann, den sie sonst früher bei fickipedia suchte. Allerdings entpuppte der sich als Niete, da er einen Prozessorschaden und nur 3 MB Arbeitsspeicher hatte.
Sehr tough, aber auch sehr monoton und ausdruckslos präsentierte sie ihr Programm, das thematisch nichts Neues bot.
Zum Spielen auf ihrer Geige kam sie leider nur am Ende, wo dann auch nur ein paar Staccatotöne ertönten. Davon hätte man mehr erwartet.

Auch Sebastian Krämer enttäuschte. Der Klavierspieler, der mit jungenhaftem Charme und Spielfreude punktete, trug musikalisch perfekt beherrschte Liedchen vor, die allerdings teilweise inhaltslos waren und in denen Sätze ohne Zusammenhang aneinandergereiht wurden.
Im Stück "Darmstadt" umschreibt er seinen Freund Jens eingehend, nicht wirklich poetisch, aber makaber ("ein Alkoholiker mit Hepatitis C, doch diese Information ist veraltet, denn Kati ist längst passe“). Dies witzige und kuriose Stück wurde vom Publikum begeistert aufgenommen, wohl auch, weil es dort mal so richtig schunkeln konnte.

Der Österreicher Severin Groebner, zeigte anhand seines "Burka-Songs", wie er mit der derzeitigen "Volksverblödung", die vor allem im Fernsehen stattfinde, umgeht. Er versteckt sich einfach unter seiner Burka und kann darunter machen, was er will und wird nicht von außen gesehen. Eine gute Idee mit viel Körpereinsatz, die das Publikum mit viel Applaus würdigte.

Ein Abend mit vielen Facetten des Kabaretts ging zu Ende, bei dem man sich stellenweise etwas mehr Inhalt gewünscht hätte.

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