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Kino - Michael Hermann
Drei Mann in einem Boot
„Kill the Boss“ spielt mit einer Idee, die vermutlich Millionen von Arbeitnehmern mindestens einmal pro Tag ventilieren. Ihre Umsetzung gerät drei Möchtegern-Killern dilettantisch, aber lustig.
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Nick (Jason Bateman), Dale (Charlie Day) und Kurt (Jason Sudeikis) haben alle das gleiche Problem: eine/n Vorgesetzte/n, der/die ihnen die Hölle heiß macht. Nicks Chef Dave Harken (Kevin Spacey) ist ein sadistischer Management-Tyrann, der ihn ausbeutet und demütigt, wo er nur kann. Beispiel: Nachdem Harken Nick bereits am frühen Morgen nötigt, einen hochprozentigen Drink einzunehmen, erklärt er einige Tage später vor versammelter Mannschaft, Nick habe ein Alkoholproblem. Schließlich verweigert er ihm auch die lange in Aussicht gestellte Beförderung zum Abteilungsleiter – und übernimmt den Posten gleich selbst mit.
Dale wiederum ist Arzthelfer bei der nymphomanischen Zahnärztin und Kieferchirurgin Julia (Jennifer Aniston), die ihm nach Narkotisierung des Patienten schon mal Wasser auf den Schritt spritzt, um die Umrisse seines besten Stücks in der dünnen Medizinerkluft beobachten zu können. Nachdem Dale, der seiner Verlobten treu bleiben will, standhaft alle Avancen abgewehrt hat, droht Julia ihn zu erpressen.
Und Kurt versteht sich zwar prächtig mit dem Seniorchef (Donald Sutherland) der Chemiefabrik, in der er als Chefbuchhalter arbeitet. Doch als der überraschend das Zeitliche segnet, muss er mit dem koksenden Junior (Colin Farrell) klarkommen, der schon immer eifersüchtig auf die Vater-Sohn-Beziehung zwischen Dad & Kurt war.
Einer für alle – alle für einen
Grund genug also für die drei Freunde, die sich jede Woche bei ein paar Bier in der Kneipe gegenseitig ihr Leid klagen, jeder für sich und alle gemeinsam auf sinistre Gedanken zu kommen. Der erste, den sie dann schließlich mit dem Dreifachmord beauftragen wollen, entpuppt sich jedoch als ein Missverständnis, beziehungsweise als Dienstleister ganz anderer Art – beim „wet work“, für das der vermeintliche Killer in seiner Internetanzeige wirbt, fließt weniger Blut als eine andere Flüssigkeit …
Wo findet man sonst noch einen Auftragskiller? Natürlich in einer üblen Kaschemme, in der hauptsächlich Schwarze verkehren. Die drei Gangster-Dilettanten benehmen sich jedoch wie der Elefant im Porzellanladen und werden gleich wieder hinauskomplimentiert.
Doch einer der Kneipengäste, „Motherfucker Jones“ (Jamie Foxx), hat mitbekommen, was die drei wollen, und bietet sich ihnen für eine Handvoll Dollar als Mord-Berater an. Sein heißer Tipp: Sie sollen es so machen wie in Hitchcocks Strangers On a Train (Der Fremde im Zug) und die Morde quasi überkreuz und damit ohne erkennbares Motiv ausführen. Also gehen die drei ans Werk – und natürlich läuft nichts nach Plan.
Der Hitchcock-Verweis ist nicht die einzige Kino-Referenz in Kill the Boss (Originaltitel: Horrible Bosses). Im Verlauf der sehr unterhaltsamen einhundert Minuten fallen noch eine Reihe weiterer Anspielungen und Zitate. So verwechselt Dale den Hitchcock-Klassiker zunächst mit Schmeiß die Mama aus dem Zug (Throw Momma From the Train). Später hat er noch einen großen Auftritt mit einem offensichtlich auswendig gelernten Text aus der Serie Law & Order, mit dessen Hilfe er es schafft, sich und seine Kumpels bei einem Polizei-Verhör freizupauken.
Ebenfalls immer wieder gerne genommen seit Pulp Fiction: Die lebensrettende Spritze in den Brustkorb. Hier sorgt sie für eine ironische Wendung, denn es erhält sie jemand, der eigentlich auf der Abschussliste der drei steht. Auch Nick und Kurt spielen gelegentlich Film-Quiz, vor allem mit Good Will Hunting, und Kurt veralbert das Ratespiel einmal mit einem Fake-Zitat – das jetzt durch Horrible Bosses natürlich ein echtes geworden ist.
Abwechslungsreicher Komik-Mix
Um keinen falschen Eindruck aufkommen zu lassen: Kill the Boss bedient keineswegs ausschließlich den Humor von Film-Nerds. Die Mischung besteht darüber hinaus zu gleichen Teilen aus Situationskomik, Slapstick und Dialogwitz. Da wird schon mal eine Auto-Verfolgungsjagd mit Telefonsex vom Rücksitz gekreuzt und eine Zahnbürste an einer Körperstelle eingesetzt, wo sie eher nicht hingehört.
Als die drei in die Wohnung von Pellit Junior einbrechen, schütten zwei von ihnen aus Versehen eine Tüte mit Stoff aus und führen, nachdem sie den Staub eingeatmet habe, anschließend das hektisch-überdrehte Reden und Gebaren des Koksers vor. Kurt, der Sonnyboy und Womanizer unter den dreien, ist nebenbei auch Experte für Fettnäpfchen jeder Art. Nicht zu vergessen „Gregory“, die indische Stimme des Computerüberwachungssystems im Auto der drei, der bei der Schlussauflösung eine wichtige Rolle spielt.
Kill the Boss holt aus seiner Ausgangsidee eine Menge heraus und funktioniert als schräge Komödie, die ihre aus dem „richtigen Leben“ entlehnten Durchschnittscharaktere und -typen ins Groteske übersteigert und zuspitzt. Der Witz bewegt sich einige Male unter der Gürtellinie – es ist zu hoffen, dass sowohl die explicit language als auch die Sprachspielereien und Anspielungen der Originalversion, die in der Pressevorführung zu sehen war, ihre Übertragung in die deutsche Synchrofassung überlebt haben, ohne allzu plump oder gar unverständlich daherzukommen.
Die Schauspieler scheinen jedenfalls ihren Spaß an der Sache gehabt zu haben. Jennifer Aniston, hier einmal alles andere als das girl next door, gibt lustvoll die böse Schlampe, und Kevin Spacey hat offensichtlich inzwischen ein Faible dafür entwickelt, ausgemachte Unsympathen zu spielen. Den Vogel schießt Colin Farrell ab, mit einer unsäglichen Schmierlappenfrisur und Mut zur Hässlichkeit. Wahrlich eine Ansammlung von Horrible Bosses.
Kill The Boss - Regie: Seth Gordon, mit: Jennifer Aniston, Jason Bateman, Colin Farrell u. a., USA 2011, 100 Min., Kinostart: 1. September.
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