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Vernissage, Ausstellung - Almut Stärk

Die Welt durch bunte Schaumstoffaugen

Vernissage zur Ausstellung des Künstlers Rudolf Hürth im MIGRApolis Haus der Vielfalt.


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"Das Boot ist voll" im MIGRApolis
Haus der Vielfalt. (Foto: Almut Stärk)

Rote Menschen aus Schaumstoff stehen auf einem Boot, ihre Augen sind weit aufgerissen, wach, erwartungsvoll. Vor dem Boot liegen auf dem Boden verteilt große, bunt gemusterte Schaumstoffaugen, die abstrakter und vielgestaltiger sind als die der roten Menschen. Sie sehen in unterschiedliche Richtungen, überlagern sich zum Teil gegenseitig, und wie oder ob sie die roten Menschen überhaupt sehen, weiß man nicht.

Die bunten Augen repräsentieren die Weltöffentlichkeit, wie der Künstler Rudolf Hürth, der die Skulptur geschaffen hat, bei der Ausstellungseröffnung erklärt. Die roten Menschen auf dem Boot seien Flüchtlinge. Unter dem Titel „Das Boot ist voll“ thematisiert das Werk die schwierige Situation der Flüchtlinge, die sich gezwungen sehen, ihre Heimat zu verlassen, und sich in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft auf den ungewissen Weg nach Europa machen.

1954 in Bonn geboren, studierte Rudolf Hürth Architektur in Köln und Aachen und wandte sich dann der Kunst zu. Er betätigt sich seitdem als Maler, Bildhauer und Konzeptkünstler. Seine Exponate wurden immer wieder ausgestellt, schwerpunktmäßig im Bonner Raum, aber auch im Ausland.

Die Ausstellung im MIGRApolis Haus der Vielfalt zeigt weitere Arbeiten des Künstlers, doch handelt es sich bei der eindrucksvollen Skulptur um das zentrale Werk. Sie stand bereits im Mittelpunkt einer Performance in der Postbankzentrale im September dieses Jahres, von der im Rahmen der Eröffnung ein Video zu sehen war. Ihre Wirkung verdankte sie auch der Musik von Modest Mussorgski, von der sie begleitet wurde.

Anlässlich der Vernissage kommentierten auch Pfarrer Wolfgang Wallrich und Dr. Leon Tsvasman in ihren Kurzvorträgen die Skulptur. Beide hoben besonders deren gesellschaftskritische Aussage hervor. Doch beschränkt sich diese für den Betrachter auf einen bloßen Hinweis auf das Problem. Flüchtlinge und Weltöffentlichkeit werden einander zwar gegenübergestellt, doch zwingt die Skulptur den Betrachter nicht durch eine konkrete Botschaft zu einer tatsächlichen Auseinandersetzung damit.

Letztendlich muss der Betrachter die kritische Reflektion über Gründe für und Auswirkungen von Flüchtlingsströmen mit dem Ziel Europa, über Ängste und Vorurteile in unserer eigenen Gesellschaft doch allein leisten. Als Teil der Weltöffentlichkeit sieht er die Flüchtlinge durch seine bunten Schaumstoffaugen entweder, oder eben auch nicht.

Die Ausstellung ist in dem neu eröffneten MIGRApolis Haus der Vielfalt zu sehen. Das Haus wurde Ende März eröffnet und vereint unter anderem die Evangelische Migrations- und Flüchtlingsarbeit/Integrationsagentur und das Bonner Institut für Migrationsforschung und interkulturelles Lernen.


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