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Musik - Julia-Rebecca Riedel

Die andere Seite des Spiegels

Premiere des Films "Hommage an Robert Schumann". Auf der gefühlvollen Suche nach den Schwierigkeiten der Existenz.


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Szenen aus „A la rencontre de Robert Schumann" ...

... mit der 23-jährigen Marie Versini, ...

... hier mit Regisseur und späterem Ehemann Pierre Viallet.

Pierre Viallet heute.

Marie Versini heute.

Timur Sergeyenia. (Stills u. Fotos: Promo)

Pierre Viallet, Regisseur des Filmes „Hommage an Robert Schumann – Ein Blick auf die andere Seite des Spiegels“, hat Bilder geschaffen, die in erster Linie Klangkörper sind. Die kontrastreiche Montage aus dokumentarischen Elementen, Konzertfilm und Schwarz-Weiß-Hommage an den Romantiker Robert Schumann versucht, Leben filmisch zu zeichnen und ist die einzige internationale Produktion anlässlich des Schumann-Jahres 2010. Es geht um den Eindruck von Schönheit, aber auch von Unruhe und sich entwickelnder Angst. „Hinter jeder Biographie gibt es immer eine eigene Welt. Und dieser versuchen wir uns zu nähern“, so Viallet.

Pierre Viallet, 1918 geboren, gibt sein Regiedebüt 1953 mit Jean Anouilhs „L´invitation au chateau“. Seit 1959 dreht Pierre Viallet Filme – Komponistenporträts – für das französische Fernsehen, setzt Musik vielfältig in Szene. Viallets wohl berühmtester Film ist ein Filmporträt über Maurice Ravel, das auf Anregung Robert Favre le Bret, dem langjährigen Präsidenten der Internationalen Filmfestspiele Cannes, entstand. Ein Film, in dessen Verlauf Viallet Kronleuchter zu Ravels berühmten „Walzer“ zum Tanzen bringt, Kronleuchter, die einige Jahre später auch bei seiner filmischen Hommage an den Großen der deutschen Romantik, Robert Schumann, eine nicht unwesentliche Rolle spielen werden, versammeln sie sich doch um die Klavier spielende Clara wie enthusiastische Zuhörer, wie Liebhaber.

1963 begeistert Pierre Viallet mit einem Robert-Schumann-Porträt ohne Robert Schumann, für den er die damals 23-jährige Marie Versini – in Deutschland eher bekannt als Winnetous Schwester Nscho-tschi, denn als ernsthafte Schauspielerin – als Clara Schumann verpflichten kann. „A la rencontre de Robert Schumann“, 35 Millimeter, zeigt rund 25 Minuten lang das schwarz-weiße Leben hinter dem Spiegel. Die Musik Robert Schumanns durchdringt die langsamen, schlichten Bilder, es scheint, als tanzten sie, berauscht von der zugleich tiefen Unruhe und klaren Absolutheit der Töne. 2010 erscheint die „Hommage an Robert Schumann“, die den Film von 1963, wie Viallet erklärt, in gewisser Weise vollenden soll.

Die traurige Wahrheit ist: „A la rencontre de Robert Schumann“ ist ein phantastischer, längst vollendeter Film, dem nichts hinzugefügt werden muss, dem nichts hinzugefügt werden darf. Es ist eine zauberhafte Liebeserklärung an die Romantik, an die Schumanns und ihre Musik. Träumerischer Abgrund und Realität sind hier zugleich angelegt. „A la rencontre de Robert Schumann“ ist Pierre Viallets vielleicht poetischstes Werk und erfährt durch die Produktion 2010 gewalttätige Erweiterung, derer es nicht bedarf. Allein um der Musik willen ist die „Hommage an Robert Schumann“ ein Gewinn.

Die Musik Schumanns, hingebungsvoll ins Bild gesetzt durch Timur Sergeyenia (Professor für Klavier-Kammermusik an der königlichen Musikhochschule Gent), lässt die Hommage zum Konzertfilm avancieren und führt weg vom Gedanken des Dokumentarischen, lässt auch über die Schwächen Marie Versinis hinwegsehen. Sergeyenia macht die Produktion ungewöhnlich, erzeugt poetische Spannung und nutzt die Klaviatur als Diaprojektor für den Geist des Kinobesuchers. In Timur Sergeyenias Musik tritt man wahrhaft auf die andere Seite des Spiegels und ist bereit, Liebe und Wahnsinn Robert Schumanns zu erkennen, vielleicht sogar zu verstehen.

Gestört wird diese gefühlvolle Suche nach den Schwierigkeiten der Existenz durch Marie Versini. Mit 17 Jahren wurde sie das jüngste Mitglied der Comédie Francaise und spielte unter anderem an der Seite von Paul Newman, Jean Paul Belmondo und Alain Delon. Französisch-charmant näselt sie sich durch die versammelten Leiden Schumanns und versetzt dem Totgesagten damit den Todesstoß. Alles ist Leiden, alles ist Wahnsinn. Beides wird fast hysterisch überbetont der Kamera angetragen, der sie vor 47 Jahren ebenso authentisch, wie elegant zu begegnen wusste. Pierre Viallet und Marie Versini führen ein Leben mit Robert und Clara Schumann und müssen am Ende eingestehen, der Film, den sie gemacht haben, ist im Grunde ein Film über die eigene Existenz.

Er habe verstanden, dass Robert und Clara Schumann phantastische, romanhafte Figuren seien, so Pierre Viallet, die allein für sich und die Musik existierten und sich durch die Musik begegneten, und sei mit entsprechend klaren Vorstellungen an den Film herangegangen. Marie Versini ergänzt, man müsse auf die andere Seite des Spiegels treten, wie Jean Cocteau sagte, um zu begreifen, um zu fühlen, was Leben und Werk der Schumanns ausmachen, und fügt hinzu: „Was ist denn überhaupt Wahnsinn?“

Begreifen und Fühlen. Gerne würde man begreifen oder zumindest nachempfinden, wozu diese filmische Montage eines phantastischen alten Filmes, eines cineastischen Tanzes, einer atemraubend-virtuosen Interpretation Timur Sergeyenias und das erneut durch Marie Versini gezeichnete Lebensbild notwendig waren. Auf der Suche nach Antworten findet man nur den selbstverliebten Dialog mit der Kamera und nicht zuletzt den mit der Musik.

Im Dialog mit Timur Sergeynia macht Marie Versini den Versuch, Leben und Werk Schumanns zu begegnen und greifbar zu machen, Schumanns verzweifelter Existenz Ausdruck zu verleihen und mit der Clara Schumanns zu verbinden. Dies jedoch gelingt monologisch allein der Musik. Versini, die immer wieder auch in Sequenzen aus dem Film von 1963 als Clara zu sehen ist, ist zu sehr Teil von Poesie und Musik der Bilder, als dass sie bloß mitfühlende Dokumentarin sein könnte. Man glaubt eine, den Gatten um mehr als vierzig Jahre überlebt habende Clara zu sehen, erkennt jedoch nur eine Frau, die eine wunderbare junge Clara und sich selbst um 47 Jahre überlebt hat.


Premiere feierte die „Hommage an Robert Schumann“ am 28. Februar 2010 im Rex-Lichtspieltheater in Anwesenheit des Bonner Oberbürgermeisters Jürgen Nimptsch und Marie Versini. Weitere Aufführungstermine in Bonn: 06. November 2010, 19.30 Uhr, Rex-Lichtspieltheater im Rahmen des Bonner Schumannfestes „Endenicher Herbst“.



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