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Kino - Michael Hermann
Dick und Doof
In „21 Jump Street“ erleben zwei verdeckt ermittelnde Jung-Cops die Schulzeit noch einmal und stolpern durch die Fettnäpfchen der nächsten Teenager-Generation. High-School-Komödie mit stark schwankender Gag-Qualität.
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Die frischgebackenen Polizisten Jenko (Channing Tatum, l.) und Schmidt (Jonah Hill, r.) in ihrem ersten Einsatz. (Bild: © 2012 Sony Pictures Releasing)
Ein Muster von einem Vorgesetzten: Captain Dickson (Ice Cube). (Bild: © 2012 Sony Pictures Releasing)
Hat Eric (Dave Franco, r.) etwas mit dem Drogenring zu tun? Seine „Mitschüler“ Jenko (Channing Tatum, l.) und Schmidt (Jonah Hill, m.) ermitteln. (Bild: © 2012 Sony Pictures Releasing)
Theater-AG: Der gänzlich unbegabte Undercover-Cop Schmidt (Jonah Hill) hat ein Auge auf Molly (Brie Larson) geworfen. (Bild: © 2012 Sony Pictures Releasing)
Auf dem Weg zum Abschlussball: Schmidt (Jonah Hill, l.) und Jenko (Channing Tatum, r.). (Bild: © 2012 Sony Pictures Releasing)
An der Machart von 21 Jump Street erinnert manches an Starsky & Hutch (2004), inklusive Mitwirkung der früheren Serienstars: Wie seinerzeit David Soul und Paul Michael Glaser haben hier Johnny Depp und Peter DeLuise, die in der Original-Fernsehserie 21 Jump Street (1987-1991) zwei Undercover-Polizisten spielten, einen Gastauftritt. Im Unterschied zum 2004er Starsky & Hutch, der sich als Prequel zur populären 70er-Jahre-Serie versteht, ist die Story von 21 Jump Street allerdings in die Gegenwart verpflanzt worden. Was Drehbuch und Regie nicht daran hindert, mit zahlreichen (selbst-)ironischen Anspielungen auf das Original zu verweisen.
Hommage und Parodie
Das fängt schon bei der Verpflichtung der beiden Undercover-Spezis durch ihren neuen Vorgesetzten (Ice Cube) an. Wenn dieser von einem „Programm“ spricht, das aus den 80er-Jahren stamme und ein ziemlicher Murks gewesen sei, nun aber neu aufgelegt werde – man hoffe bloß, dass es niemand merke! – , dann sind damit selbstredend auch Film und Original-TV-Serie gemeint. Dieser Vorgesetzte hört im Übrigen auf den Namen „Captain Dickson“ und wird für jeden sichtbar nicht wie üblich Dixon, sondern eben „Dickson“ geschrieben. Womit sich nebenbei eine Verwandtschaft zu einer anderen Komödie ähnlicher Bauweise feststellen ließe, nämlich Kalkofes Neues vom Wixxer, in dem passenderweise ein gewisser Lord Dickham nebst Tochter Victoria zum Figurenarsenal gehören.
Um die komödiantische Tonlage von 21 Jump Street weiter zu bestimmen, könnte man auch Parallelen zur Scream!-Parodie Scary Movie ziehen. Dort findet sich eine Szene, in der die fünf Hauptfiguren sich darüber lustig machen, dass in Teenager-Filmen wie Scream! die Darsteller der Jugendlichen immer schon Ende Zwanzig seien – was für sämtliche Hauptdarsteller von Scary Movie selbstredend genauso gilt. In der Herangehensweise, der Vorlage einerseits Reverenz zu erweisen und sie andererseits zu ironisieren, ähnelt 21 Jump Street Scary Movie. Und die Jump-Street-Macher legen dabei ebenfalls ein hohes Tempo an den Tag. Offensichtlich waren sie von dem Ehrgeiz gepackt, in jeder Filmminute mindestens einen Gag zu landen.
Im Bemühen um den schnellen Brüller wird erwartbar oft mit losem Mundwerk und explicit language die Witzzone unterhalb der Gürtellinie angesteuert (siehe „Dickson“). Und wenig überraschend wechseln dabei Treffer regelmäßig mit Nieten. Neben Drogen-, Pubertäts-, Schwulen- und Genitalwitzen finden sich auch eine Reihe von Slapstick-Einlagen und Beispiele jener Sorte von Humor, die darauf basiert, dass eine Figur nicht weiß, ob ihr Gegenüber etwas ernst gemeint hat oder nicht.
Von „cool“ bis „uncool“ und wieder zurück
Streckenweise gelingt es dem Film so recht gut, komödiantische Standards zu unterlaufen beziehungsweise Erwartungen nicht – also anders – zu erfüllen. Etwas fragwürdig scheint indes die Prämisse, dass schon zwischen dem High-School-Abschlussjahrgang 2005 der beiden Jung-Cops und demjenigen von 2012 ein regelrechter Generationenunterschied klafft und alles, was seinerzeit als „cool“ galt, heute „uncool“ sei – und umgekehrt. Nur geht es dem Film ohnehin nicht darum, eine von A bis Z stringente und glaubwürdige Geschichte zu erzählen. Er möchte in erster Linie eine Pointenmaschine mit Action-Szenen sein.
Darin unterstützen ihn seine Darsteller nach Kräften, die allesamt durchaus über funny bones verfügen, mitunter aber in munteres Chargieren verfallen. Channing Tatum müht sich redlich, gegen sein Image des hölzernen Stenz anzuspielen, und macht dabei weiter Fortschritte. Seinem schauspielerisch versierteren Partner in Crime Jonah Hill lag offensichtlich viel an diesem Film, denn er war auch an der Entwicklung von Story und Drehbuch beteiligt.
Kenntnisse der Originalserie sind in jedem Fall von Vorteil. Eingeweihten dürften sich manche Anspielungen erschließen, die dem Rest der Zuschauer verborgen bleiben. Für die gilt, was George Kennedy Leslie Nielsen zu O.J. Simpsons Genesungschancen in Die nackte Kanone mitteilt: „Es ist eine fifty-fifty-Chance. Vielleicht auch nur fünfzig Prozent.“ Ungefähr in diesem Bereich bewegt sich die Gag-Trefferquote von 21 Jump Street.
21 Jump Street - Regie: Chris Miller, Phil Lord, mit: Johnny Depp, Channing Tatum, Jonah Hill, Ice Cube, Dave Franco, Ellie Kemper, Brie Larson u. a., USA 2012, 109 Min., FSK 12, Kinostart: 10. Mai 2012.
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