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Literatur - Jürgen Hermann
Der große Charmeur
Anfangs vor allem als Schönling betrachtet, hat sich Robert Redford längst zu einem renommierten Filmschauspieler und Regisseur entwickelt.
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Michael Feeney Callan widmet dem einstigen „Hollywood-Beau“ – der in wenigen Wochen 75 Jahre alt wird – eine umfangreiche Biografie und zeichnet auf mehr als 650 Textseiten das Leben und Wirken des Amerikaners nach, schildert Höhen und Tiefen, Erfolge und Niederlagen. 14 Jahre lang arbeitete Callan an dem Buchprojekt über den vergleichsweise öffentlichkeitsscheuen Künstler, dieses jugendlich wirkende männliche Sexsymbol früherer Jahre. Es kam schon mal vor, dass ein weiblicher Fan sich Redford näherte, gerade noch ein „Hello“ hauchen konnte und direkt darauf in Ohnmacht fiel.
Die starke und lebenslange Bindung zum Film entwickelte sich bei dem Künstler mit irischen und englischen Wurzeln praktisch schon in der Kindheit, denn er wuchs in einfachen Verhältnissen nahe dem glamourösen Sunset Boulevard in Los Angeles auf, wo er schon einmal einem Hollywood-Star aus längst vergangener Zeit begegnete. Ehe er sich aber ganz dem Bereich „Performing Arts“ widmet, durchläuft der adoleszente Robert eine Phase jugendlichen Rebellentums, entwickelt er einen Teil seiner Persönlichkeit, den er zeitlebens nicht ablegen wird, und muss der junge Mann erst einmal zu sich selbst finden.
Vom Globetrotter zum Weltstar
In den 1950er-Jahren ist Redford nämlich weitgehend orientierungslos. Der Heranwachsende malt und studiert, verbringt aber auch längere Zeit in Europa, wo er kreuz und quer umherreist und sich beinahe mittellos durchschlägt. Erst 1958 verfestigt sich sein Leben, als er seine Ehefrau Lola heiratet und sich ein Familienleben entwickelt. Redford macht sich nach und nach einen Namen im Filmbusiness, erhält Bühnen- und Fernsehrollen und später auch Filmangebote. Da seine Ehefrau Mormonin ist, pendelt er regelmäßig zwischen Kalifornien und Utah. Er möchte ohnehin nicht, dass seine Familie in Los Angeles lebt.
Es ist der Film „Zwei Banditen“, in dem er 1969 an der Seite von Paul Newman spielt und der für ihn den großen Durchbruch zum Filmstar bedeutet. Es folgen weitere Erfolge wie „Jeremiah Johnson“ und „Bill McKay – Der Kandidat“. Als um den Jahreswechsel 1973/74 innerhalb weniger Monate drei Filme, in denen er spielt, zu großen Erfolgen werden („Der Clou“, „So wie wir waren“ und „Der große Gatsby“), zögert niemand mehr, Robert Redford das Attribut Weltstar zuzuerkennen.
Parallel hierzu baut der umtriebige Mime in Utah sein Sundance Institute auf. Ursprünglich ein Skiresort, entwickelt es sich zu einer Mischung aus Filmwerkstatt und Künstlerkolonie. Der Schauspieler engagiert sich außerdem immer intensiver im Umwelt- und Naturschutz und wird zum politischen Aktivisten. Eines steht für Buchautor Callan und für die Menschen in Redfords Umfeld fest: „Seine große Liebe ist Amerika.“
Redford verfolgt mit großem Interesse die Entwicklung der Watergate-Affäre und nimmt gerne das Angebot des Regisseurs Alan J. Pakula an, an der Seite von Dustin Hoffman in „Die Unbestechlichen“ den Journalisten Bob Woodward zu spielen. Bei dem Streifen wirkt er auch als Produzent, und der sehr politische Film wird ein Welterfolg. Dustin Hoffman hatte Jahre zuvor in dem Film „Die Reifeprüfung“ die Hauptrolle des jungen Benjamin Braddock erhalten – nach erfolglosen Probeaufnahmen mit Robert Redford. „Sei ehrlich zu dir selbst“, hatte der Regisseur gesagt. „Kannst du dir allen Ernstes vorstellen, dass ein Typ wie du Probleme hätte, eine Frau zu verführen?“ Ein Mann, der aussehe wie Dustin Hoffman, könne die Rolle spielen, aber ein Mann, der aussehe wie Redford, wäre eine Lachnummer.
Der Oscar für Redfords erste Regiearbeit
Als angesichts des enormen Medieninteresses an seiner Person zunehmend öffentlichkeitsscheuen Mann beschreibt Callan den amerikanischen Filmstar. Außerdem muss man ihn wohl als Workaholic einstufen. Über seinen zahlreichen Aktivitäten scheitert die Ehe mit Lola. Redford kämpft mit dieser persönlichen Niederlage ebenso wie mit dem Zerbrechen langjähriger Freundschaften, Misserfolgen bei einzelnen Filmprojekten, enormen finanziellen Problemen und dem ausbleibenden kommerziellen Erfolg des Sundance Instituts, das ihn ums Haar in den Bankrott führt. Er sei eben kein erfolgreicher Manager, wird er später bekennen.
Als Redford 1980 erstmals Regie führt, erhält er für seinen Film „Eine ganz normale Familie“ auf Anhieb einen Oscar, ebenso wie sein jugendlicher Darsteller Timothy Hutton. Redford hat seinen Platz hinter der Kamera gefunden. Es folgen weitere Erfolge als Schauspieler bzw. Regisseur wie „Jenseits von Afrika“, „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“, „Sneakers“ und „Der Pferdeflüsterer“. Sein aus kommerzieller Sicht bei weitem erfolgreichster Streifen wird „Ein unmoralisches Angebot“, die Geschichte um einen Milliardär, der einer fremden Frau für eine Liebesnacht eine Million Dollar bezahlt. Der Film ist, wie man in Amerika sagt, ein „Box Office Success“ und verzeichnet Gesamteinnahmen von mehr als 260 Millionen Dollar.
Callan erzählt Redfords Leben anekdotenreich und vor allem aus cineastischer Sicht; seine Filme, ihre Inhalte und ihre Entstehungsgeschichte bilden den thematischen Schwerpunkt. Doch steht hinter dem erfolgreichen Künstler, wie der Leser erfährt, ein Mensch, der bei allem Glamour immer wieder unter Identitätskrisen und Selbstzweifeln leidet und durchaus schwierig und starrköpfig sein kann. „Redfords Erfolg war immer von Skepsis überschattet“, so Callan, der Einblick in die Tagebücher und in die Korrespondenz des Schauspielers erhielt. Seine Unabhängigkeit war und ist dem Filmstar außerordentlich wichtig. Heute, im reifen Alter, lebt Robert Redford mit seiner zweiten, aus Deutschland stammenden Ehefrau in Utah – fernab vom Trubel Hollywoods.
Michael Feeney Callan: Robert Redford. Die Biographie. 720 Seiten. Mit Bildteil, Bibliographie und Filmographie. Aus dem Englischen von Charlotte Breuer und Norbert Möllemann. Droemer Verlag, München 2011. 22,99 Euro.
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