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Kino - Michael Hermann

Der Fischer und seine Frau

„Lachsfischen im Jemen“ hat eine hübsche Grundidee, lässt allerdings einiges von ihrem komischen Potenzial liegen. Regisseur Lasse Hallström lenkt die Geschichte lieber ins sichere Fahrwasser einer romantic comedy. Die gute Besetzung hilft über Schwachstellen hinweg.


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Multitasking-Mum Patricia Maxwell (Kristin Scott Thomas): Hoch wichtige Telefonate führen und gleichzeitig mit dem Sohn am Computer ein Baller-Match spielen. (Bild: © 2012 Concorde Filmverleih)

Harriet (Emily Blunt), ihr Auftraggeber Scheich Muhammad (Amr Waked) und Fred (Ewan McGregor) in Schottland. (Bild: © 2012 Concorde Filmverleih)

Taxiert schon mal den PR-Wert der Lachs-Story: Regierungssprecherin Patricia Maxwell (Kristin Scott Thomas). (Bild: © 2012 Concorde Filmverleih)

Harriet Chetwode-Talbot (Emily Blunt) in festlicher Abendgarderobe. (Bild: © 2012 Concorde Filmverleih)

Fred (Ewan McGregor) und Harriet (Emiliy Blunt) dinieren beim Scheich. (Bild: © 2012 Concorde Filmverleih)

Fischexperten unter sich: Scheich Muhammad ibn Zaidi bani Tihama (Amr Waked, links) und Dr. Alfred Jones (Ewan McGregor). (Bild: © 2012 Concorde Filmverleih)

Fred (Ewan McGregor) und Harriet (Emiliy Blunt) im Jemen. (Bild: © 2012 Concorde Filmverleih)

Detailplanungen für das Lachsplanschbecken: Scheich Muhammad (Amr Waked), Fred (Ewan McGregor) und Harriet (Emily Blunt). (Bild: © 2012 Concorde Filmverleih)

Harriet (Emily Blunt) und Fred (Ewan McGregor) sind sich bei der Arbeit näher gekommen. (Bild: © 2012 Concorde Filmverleih)

Regierungssprecherin Patricia Maxwell (Kristin Scott Thomas) hat etwas Verbissenes an sich. (Bild: © 2012 Concorde Filmverleih)

Wenn Er und Sie sich zu Beginn eines Films alles andere als grün sind, ahnt man schon, worauf es hinauslaufen soll. Interessant sind dann vor allem die Hindernisse, die auf dem Weg dorthin warten. In Lachsfischen im Jemen (Salmon Fishing in the Yemen) werden die beiden Teile der zukünftigen Paarung durch eine gemeinsame Aufgabe, die er zunächst für völligen Blödsinn hält, nolens volens zusammen geschubst und müssen sich nebenbei noch von bereits vorhandenen Partnern lösen.

Und diese gemeinsame Aufgabe scheint tatsächlich einem Hirngespinst entsprungen zu sein. Ein jemenitischer Scheich und passionierter Angler (Amr Waked) besitzt in Schottland ein ländliches Anwesen mit Flussanbindung. Der Scheich ist eine modernisierte Version des weisen und gütigen Orientalen; ihm geht es um „fish and faith“. So will er seinen Landsleuten in der Wüste nun auch etwas Gutes tun und dort einen künstlichen See anlegen, um Lachse anzusiedeln. Helfen soll ihm dabei der kauzige britische Biologe und Fischerei-Experte Dr. Alfred Jones (Ewan McGregor), der von dem Plan anfangs genauso wenig begeistert ist wie von Scheich-Mitarbeiterin Harriet Chetwode-Talbot (Emily Blunt).

Dann kommt es, wie es kommen muss, also zu einer allmählichen Annäherung von „fish“ und „faith“ sowie Fred und Harriet. Als zwischen letzteren bereits alles klar zu sein scheint, taucht – nicht gänzlich unerwartet – ein neues, altes Problem auf, das gelöst werden muss.


No thanks for all the fish

Neben der Liebesgeschichte befördern die Lachse auch noch einen regelrechten culture clash, da traditionalistisch gesinnte Landsleute des Scheichs die Segnungen der modernen Fischereitechnologie in ihrer Wüstenei nicht dulden wollen und einen Sabotageakt durchführen. Die dramatische Zuspitzung kündigt sich durch unheilvoll dräuende Streicher an. So konventionell wie in dieser Szene geht Regisseur Lasse Hallström öfter zur Sache.

Dabei verschenkt er einiges vom komischen Potenzial der Ausgangssituation und lenkt die Geschichte lieber ins vermeintlich sichere, manchmal auch eher seichte Fahrwasser der romantic comedy. Dank der geglückten Besetzung der Hauptrollen geht die Rechnung unter dem Strich auf. Emily Blunt gibt mit schnörkellosem Spiel ohne großen Aufwand eine gute, einnehmende Figur ab; Ewan McGregor als Wissenschaftler mit gewöhnungsbedürftigen Umgangsformen, der nach eigenem Eingeständnis keinen Sinn für Humor hat, kann einige Lacher für sich verbuchen. Für vernehmbare Heiterkeit sorgten während der Pressevorführung auch die schrägen Titel der im Film genannten Angler-Fachzeitschriften, wie etwa „Bass Mania“ (was sich mit „Barsch-Wahnsinn“ übersetzen ließe).


Zu viele Drehbuch-Zutaten

Einen Bonuspunkt hat in jedem Fall Kristin Scott Thomas verdient, die als gerissene Regierungssprecherin und Multitasking-Mum Patricia Maxwell auf sehr vergnügliche Weise eine überdrehte Powerfrau gibt, die meist in kurzen, knappen Sätzen spricht – und gelegentlich auch mal derb-vulgär wird. Mit ihren Söhnen spielt sie Computer-Ballerspiele und unterstreicht die Aufforderung, gefälligst vor dem Schulbesuch die Kapuze herunterzuziehen, mit dem Hinweis: „I’m your fucking mum!!“

Als Pressefrau Maxwell von der Fischerei-Anfrage aus dem Jemen Wind bekommt, will sie daraus maximale Publicity für ihren Premierminister schlagen, obwohl dieser nicht einmal angeln kann. Einige spaßige elektronische Korrespondenzen und einen großen, fast perfekt inszenierten PR-Auftritt am Wüstensee steht ihr das Drehbuch außerdem zu. Scott Thomas hätte auch ruhig noch ein paar Szenen mehr bekommen dürfen. Dann allerdings wäre die Kluft zum eher betulichen Humor der zentralen Liebesgeschichte noch offensichtlicher geworden.

So ist aus Lachsfischen im Jemen gleichzeitig eine Politsatire, ein Stück abendländisch-orientalischer Kulturkampf und eine romantische Komödie geworden. Wer annimmt, dass sich der Film damit zu viel vorgenommen hat, liegt richtig. Allerdings werden die Handlungsbrüche und losen Enden des Drehbuchs durch das gute Spiel des gesamten Ensembles kaschiert. Nicht zu vergessen die Lachse. Die machen wirklich Appetit.


Lachsfischen im Jemen (Salmon Fishing in the Yemen) - Regie: Lasse Hallström, mit: Ewan McGregor, Kristin Scott Thomas, Emily Blunt, Amr Waked u. a., GB 2011, 108 Min., FSK 6, Kinostart: 17. Mai 2012.


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