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Kino - Michael Hermann

British Comedy at its best

"Submarine" erzählt aus der Perspektive seines 15-jährigen Helden eine Pubertätsgeschichte und reizt deren komisches Potenzial bis zum Anschlag aus.


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Der jugendliche „Held“ Oliver und seine pyromanische Freundin Jordana. (Bild: Kool Film)

Olivers Eltern Jill und Lloyd hatten schon mal mehr Spaß. (Bild: Kool Film)

Auch Oliver schaut so drein, als ob er nicht immer Spaß hätte. (Bild: Kool Film)

New-Age-Guru Graham bändelt mit seiner früheren Freundin Jill an. (Bild: Kool Film)

Regisseur Richard Ayoade. (Bild: Kool Film)

Briten wird im Allgemeinen ein charakteristischer Humor nachgesagt, der abwechselnd oder zugleich skurril, lakonisch, schwarz und trocken ist. Und das Klischee stimmt: Submarine hat all das, was man von einer britischen Komödie erwartet. Ein einfallsreicher Film mit überraschenden Wendungen und treffsicheren Pointen, dem erst gegen Ende ein bisschen die Luft ausgeht. Was kaum ins Gewicht fällt, zumal es sich um den ersten Langfilm des bisher vor allem als Stand-up-Komiker und Regisseur von Musikvideos hervorgetretenen Richard Ayoade handelt.

Submarine taucht ein in die Welt des pubertierenden 15-jährigen Einzelkinds Oliver (Craig Roberts), der mit seinen Eltern in der walisischen Küstenstadt Swansea lebt. Joe Dunthornes Romanvorlage und das Drehbuch von Ayoade siedeln die Geschichte in keiner bestimmten Epoche an, indes könnte man ausweislich Musik-Kassetten, mechanischen Schreibmaschinen und gelegentlichen New-Age-Referenzen die Filmhandlung irgendwann Mitte bis Ende der achtziger Jahre verorten. Um möglichen falschen Erwartungen aber gleich vorzubeugen: Submarine ist  k e i n e  80er-Reminiszenz, sondern eine frei von fixen Zeit- und Raumbezügen flottierende Komödie mit melancholischen Untertönen – weshalb man sie auch unter der Rubrik dramedy einordnen könnte, wie dieser Genre-Zwitter ja inzwischen häufig genannt wird.


Skurrile jugendliche Egozentrik

Konsequent aus der Sicht des jugendlichen Außenseiter-Helden erzählt und von seinen Off-Kommentaren flankiert, breitet Submarine die eher überschaubaren Freuden ebenso wie die zahlreichen Schrecken und Tücken des Erwachsenwerdens aus. So wie die Selbstbezogenheit und das Selbstmitleid, in dem es sich angesichts fieser Mitschüler gut suhlen lässt. Gleich zu Beginn des Films malt Oliver sich in einer sehr komischen Passage die Lobreden der vielen Trauernden aus, die nach seinem Ableben auf ihn gehalten würden.

Ein recht skurriles Paar geben Olivers Eltern ab: Vater Lloyd (Noah Taylor), ein Meeresbiologe mit Vollbart und langen Haaren, und Mutter Jill (Sally Hawkins), eine Verwaltungsangestellte, die mal Schauspielerin werden wollte. Oliver führt Buch über das (ausbleibende) Sexualleben seiner Eltern und versucht gleichzeitig, sein eigenes in Gang zu bringen.

Zu diesem Zweck macht er sich an Jordana (Yasmin Paige) aus seiner Klasse heran, die, wie er kühl einschätzt, als eher durchschnittlich attraktives Mädchen mit einigen schrägen Eigenschaften innerhalb seiner Reichweite liegen könnte. Nachdem Graham (Paddy Considine), der inzwischen Shows mit New-Age-Firlefanz veranstaltende frühere Freund seiner Mutter, in der Nachbarschaft eingezogen ist, wittert Oliver akute Gefahr für die Ehe seiner Eltern und versucht, die scheinbar erneut aufkeimende Leidenschaft zwischen Graham und Jill zu hintertreiben. Mit Mitteln, die unfehlbar zu weiteren komischen Höhepunkten führen.


Wenn Eltern gute Tipps geben

Davon hat der Film reichlich. So erzählt Oliver in einer weiteren vergnüglichen Szene im Off-Kommentar, wie die Kamera ebendiese Szene am besten einfangen und welche Wechsel in der Einstellung sie vornehmen sollte – was sie auch exakt entlang der Regieanweisungen des jugendlichen „Helden“ tut, der da gerade sein eigenes Leben inszenieren möchte.

Und selbst dem Klassiker „Eltern geben gute Ratschläge für den Umgang mit der ersten Freundin“ gewinnt Submarine noch eine lustige Variante ab. Vater Lloyd erklärt Oliver im beiläufigen, sachlichen Tonfall des Wissenschaftlers, das sein eigener erster Verkehr etwas „Atavistisches“ gewesen sei, worauf Oliver, der ohnehin ein Faible für Wörter hat, erst einmal das Lexikon konsultiert, um die Bedeutung nachzuschlagen. Darüber hinaus schenkt der Vater Oliver noch eine Kassette mit seinen eigenen Lieblings-Lovesongs – und da, wie er doziert, die Leidenschaft erfahrungsgemäß nicht lange halte, gibt er ihm vorsorglich auch gleich eine Compilation der besten „Trennungssongs“ mit auf den Weg.    

Bei alledem darf man sich Oliver nicht als leicht tollpatschigen jugendlichen Sympathieträger vorstellen, dem man in netten, harmlosen Mainstream-Komödien häufig begegnen kann. Er ist schon ein kleiner Egozentriker mit Hang zum juvenilen Größen- und Geniewahn und einigen weiteren nicht unbedingt einnehmenden Eigenschaften. Einmal überlegt Oliver ganz ernsthaft, Jordanas Hund zu vergiften, um sie von der Sorge um ihre schwer erkrankte Mutter abzulenken. Damit Oliver nicht zum Tiermörder werden muss, löst das Drehbuch das „Problem“ auf schwarzhumorig-britische Weise und lässt den Hund von einem Zug überfahren.

Es passt alles in diesem Film. Die Schauspieler sind exzellent, und man merkt Submarine die Lehrzeit, die sein Regisseur beim Drehen von Musikvideos durchlaufen hat, ebenso an wie die Erfahrung als Comedian. Timing, Rhythmus und Tempo stimmen: Ein äußerst viel versprechendes Kinodebüt.


Submarine, Regie: Richard Ayoade, mit: Sally Hawkins, Paddy Considine, Craig Roberts und Yasmin Paige, UK 2010, 94 Min., FSK 0, Kinostart: 17. November 2011.


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