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Theater, Ausstellung - Almut Stärk

Borsten für eine bessere Welt

Karel Vanek und fanni fraktal präsentieren Tanz-Performances im Rahmen der „Doppelgänger“-Ausstellung im Künstlerforum.


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Mit Borsten: fanni fraktal ... (Fotos: Promo)

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... und Karel Vanek.

Schon vor Beginn der Veranstaltung wippen die Zuschauer erwartungsvoll auf ihren großen, grauen Gymnastikbällen, die an diesem Abend im Künstlerforum die Stühle ersetzen. Das Programm beginnt mit der Performance „adaahani“ von Karel Vanek. Während eine Sprecherin vom Band englischsprachige Gedichte vorliest, erwacht der Tänzer langsam zum Leben. Beunruhigende Klänge untermalen das Gesprochene, die Intensität steigt.

Karel Vanek, der als „Artist in Residence“ in der Brotfabrik arbeitet, bezieht sich mit seiner Performance direkt auf das Thema der aktuellen Ausstellung im Künstlerforum: DOPPELGÄNGER. Innere Wirklichkeit und Außenwirkung des Menschen werden als nicht deckungsgleich empfunden, sondern spalten das Ich: Der Mensch wird zu seinem eigenen Doppelgänger. Beide Seiten in Einklang zu bringen, ist die große Sehnsucht, die in Vaneks Performance zum Ausdruck kommt. Und daher auch der Titel „adaahani“, das Wort für ‚Sehnsucht‘ in der Sprache der Navajo-Indianer.

Immer wieder wird das Gesprochene von spiritueller korsischer Musik unterbrochen, die von mehreren Männerstimmen gesungen wird. Die Dynamik der Musik überträgt sich auf den Tanz. Auch das Sprechen wird von Zeit zu Zeit zum rhythmischen Sprechgesang. In einem ständigen Wechsel aus Ruhe und kraftvollen Ausbrüchen macht der Tänzer sich auf die Suche nach Einheit.

Auf Karel Vaneks Performance folgt die von fanni fraktal, einer Berliner Gruppe, die sich aus den drei Tänzerinnen Catalina Fernández, Jasmin İhraç und Juliana Piquero zusammensetzt und 2009 gegründet wurde. Die Tanz-Performance „Vibes for Utopia“ entstand im Rahmen der Tanzrecherche #5 des NRW Kultursekretariats und wurde schon mehrmals aufgeführt. Sie beschäftigt sich mit der Dynamik von Kollektivität – daher auch die Gymnastikbälle für das Publikum.

Alle drei Tänzerinnen tragen ein weißes Ganzkörperkostüm mit einer Reihe langer Borsten auf dem Rücken, die in Büscheln weit vom Körper abstehen. Catalina Fernández regelt am Laptop Licht und Sound für ihre Kolleginnen. Das blaue Licht der Scheinwerfer spielt in das Dämmerlicht, das durch die Oberlichter des Künstlerforums fällt. Diesmal werden Ausschnitte aus bekannten, hauptsächlich englischsprachigen Reden eingespielt.


Bis in die Spitzen der Borsten

Der Name „Vibes for Utopia“ deutet es schon an: Es geht hier um eine Utopie, und zwar um eine gesellschaftliche. Die Reden drehen sich um politische und gesellschaftliche Streitfragen wie Segregation, Sozialismus, Kolonialismus, Rassismus, Homosexualität. Sie kreiden Missstände an und präsentieren Visionen von einer besseren Welt.

Die Bewegungen der Tänzerinnen übertragen sich bis in die Spitzen ihrer Borsten. Von kaum merklichen Wellenbewegungen steigern sie sich stetig bis zu rhythmischem Hüpfen. Lichteffekte unterstreichen die wachsende Lebendigkeit des Tanzes. Die Tänzerinnen bewegen sich nebeneinander, synchron, schließlich aufeinander zu, miteinander. In der Annäherung der Tänzerinnen spiegelt sich die Hoffnung der Sprecher auf ein gesellschaftliches Miteinander.

Geschickt nutzt die Performance die feierliche Stimmung der visionären politischen Reden, doch verlieren diese durch die Kürze der Ausschnitte, durch häufige Überschneidungen und die Vielzahl der Themen ihre differenzierte politische Aussage. Was bleibt, ist ein allgemeiner Ruf nach Verbesserung, der im Tanz seinen Ausdruck findet.

In der Ausstellung im Künstlerforum wird der Begriff des Doppelgängers als die Beziehung zwischen Literatur und bildender Kunst verstanden. Die Performance-Beiträge erweitern ihn auf interessante Weise: Nicht nur Text und Bild stehen sich mehr gegenüber, sondern auch Wort und Tanz und nicht zuletzt der Mensch sich selbst.


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