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Kino - Michael Hermann

Blutauffrischung für den Horrorfilm

„Let Me In“ setzt auf subtilen Vampir-Thrill mit gezielten Schockeffekten. Die jugendlichen Hauptdarsteller tragen ihren Teil dazu bei, dass die Rechnung aufgeht.


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Owen (Kodi Smit-McPhee) und Abby (Chloë Grace Moretz) schließen Freundschaft. (Bild: Central Film Verleih)

„Lässt du mich rein?“: Die geheimnisvolle Abby (Chloë Grace Moretz). (Bild: Central Film Verleih)

Die Kleinstadt Los Alamos wird von einer Mordserie erschüttert. (Bild: Central Film Verleih)

Abby (Chloë Grace Moretz) und Owen (Kodi Smit-McPhee) beim allabendlichen Treffen auf dem Spielplatz. (Bild: Central Film Verleih)

Eine Art von Beschaffungskriminalität: Abbys „Vater“ (Richard Jenkins). (Bild: Central Film Verleih)

Der schmächtige Owen wird von den Schulrowdys terrorisiert. (Bild: Central Film Verleih)

Der 12-jährige Owen (Kodi Smit-McPhee) lebt Anfang der 1980er Jahre mit seiner alkoholkranken Mutter in einer wenig anheimelnden Wohngegend der Kleinstadt Los Alamos in New Mexico. Der schmächtige Junge ist ein Außenseiter, in der Schule wird er von einer Bande um seinen Mitschüler Kenny immer wieder eingeschüchtert und angegriffen. Seine Rachefantasien lebt er allein auf dem Spielplatz oder im Kinderzimmer aus.

Als Abby (Chloë Grace Moretz) mit ihrem Vater (Richard Jenkins) in Owens Nachbarschaft einzieht, findet er scheint’s eine Seelenverwandte. Die allerdings einige etwas seltsame Eigenarten hat. Blicken lässt sie sich nur nach Sonnenuntergang, durch den Schnee läuft sie barfuß. Mal wirkt Abby ungepflegt und krank, mal wie aus dem Ei gepellt, und immer so, als ob sie nicht ganz von dieser Welt wäre. Während Owen auf den Tag genau sein Alter angeben kann, zwölf Jahre, acht Monate und neun Tage, ist Abby nach eigener Aussage „mehr oder weniger“ zwölf Jahre alt – beziehungsweise schon „seit langer Zeit“.

Parallel zur langsamen Annäherung der beiden einsamen Kinder ereignet sich eine Serie brutaler Morde in Los Alamos. Nun ist man als Zuschauer in Sachen Horrorfilm hinreichend konditioniert und ahnt, dass es sich gerade bei einer so allerliebst aus- und dreinschauenden Figur wie Abby eher nicht um einen kleinen Engel handeln dürfte. Vielmehr umgibt sie und ihren „Vater“ ein düsteres Geheimnis, denn Abby benötigt regelmäßig eine Art von Blutdoping …


Rache ist Blutwurst

Das US-Remake des unter Kritikern und Filmfans hoch gehandelten schwedischen Fantasy-Dramas So finster die Nacht (2008) ist ein subtiler Horrorfilm, der seine Spannung langsam aufbaut und verdichtet. Umso wirkungsvoller und erschreckender sind dann die kurzen, eruptiven Entladungen heftiger, blutiger Gewalt. Gleichzeitig geht es in Let Me In um eine Kinderliebe und ihre vorsichtige Entstehung, mit ihren Unsicherheiten und Ritualen („Du musst mich einladen in deine Wohnung“). Gestärkt durch Abbys Zuneigung, wird Owen im Laufe des Films lernen, sich gegen Kenny und seine Kumpane zu wehren. Zum Finale erwartet den Zuschauer dann ein  Blutbad – im wahrsten Sinne des Wortes –, das Regisseur Matt Reeves effektvoll inszeniert, indem er es vor allem auf der Tonspur stattfinden lässt und im Bild nur andeutet bzw. in Ansätzen und Ausschnitten zeigt.

Das alles ist mit Bedacht und Behutsamkeit um- und in Szene gesetzt. Die beiden gut geführten jugendlichen Hauptdarsteller schaffen es, die langen, ausgedehnten Spannungsbögen zwischen den wohl dosierten Schockmomenten zu tragen und Einblicke in die Verstörungen Heranwachsender zu geben. Über weite Strecken funktioniert der Film mit diesem Wechselspiel gut, erst gegen Ende der knapp zwei Stunden schleichen sich ein paar Längen ein. Den derzeit grassierenden Teenager-Vampirfilmen wie der Twilight-Serie ist Let Me In gleichwohl um Längen voraus.


Let Me In, Regie: Matt Reeves, mit: Kodi Smit-McPhee, Chloe Moretz, Richard Jenkins u. a., USA 2010, FSK ab 16 Jahre freigegeben, 117 Min., Kinostart: 15. Dezember 2011.


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