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Ausstellung - Christiane Wiegand
Auf der Suche nach dem Menschen Beethoven
Das Beethoven-Haus widmet seine neue Sonderausstellung dem Beethoven-Biographen Alexander Wheelock Thayer. Seine umfassende Biographie des Komponisten ist auch heute noch ein Standardwerk der Beethovenforschung.
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„Beethoven der Componist scheint mir durch seine Werke hinlänglich bekannt zu sein; in dieser Voraussetzung wurde von mir die lange und ermüdende Arbeit so mancher Jahre Beethoven dem Menschen gewidmet“, so schreibt der amerikanische Schriftsteller und Diplomat Alexander Wheelock Thayer Mitte des 19. Jahrhunderts an seinen deutschen Übersetzer, den Bonner Hermann Deiters. Das Ergebnis dieser „langen und ermüdenden Arbeit“ war eine etwa 3000 Seiten umfassende, mehrbändige Biographie Ludwig van Beethovens, die auch heute noch zu den Standardwerken der Beethovenforschung gehört.
Im Zentrum von Thayers Interesse stand dabei nicht die Erforschung und Interpretation der Musik Beethovens, sondern der genaue Nachvollzug des Lebenswegs des Komponisten, über den zu diesem Zeitpunkt zahlreiche widersprüchliche und teils mutwillig verfälschte Darstellungen, wie beispielsweise die von Beethovens Sekretär Anton Schindler verfasste Biographie, existierten.
Im Zuge seiner Recherchen befragte Thayer zahlreiche noch lebende Zeitgenossen des Komponisten und forschte mit akribischer Genauigkeit in Archiven und Bibliotheken, um ein möglichst genaues Bild des in Bonn geborenen Komponisten zu zeichnen. So konnte er unter anderem nachweisen, dass das Geburtshaus Beethovens das heutige Beethoven-Haus in der Bonngasse und nicht, wie bis dahin vermutet, ein Haus in der Rheingasse war. Als Ehrenmitglied des Vereins Beethoven-Haus steuerte Thayer zudem diverse Exponate aus seinem Privatbesitz zur großen Bonner Beethovenausstellung im Jahr 1890 bei
Gründe genug für das Bonner Beethoven-Haus, Alexander W. Thayer seine nun eröffnete neue Sonderausstellung zu widmen. Ein Pionierprojekt, denn obwohl Thayer zu Lebzeiten eine bekannte Persönlichkeit des öffentlichen Lebens war, trat er mit der Zeit immer mehr hinter sein Werk zurück und verschwand für lange Zeit völlig im Schatten des großen Komponisten, dem er sein Lebenswerk gewidmet hatte. Während sein Werk einen dauerhaften Platz in der Beethovenforschung einnahm, geriet der Autor zusehends in Vergessenheit.
Dies zu ändern, hat sich der italienische Ingenieur und Beethovenliebhaber Dr. Luigi Bellofatto zur Aufgabe gemacht, der das Leben Thayers in den vergangenen Jahren intensiv erforscht und seine Ergebnisse dem Beethoven-Haus zusammen mit zahlreichen Exponaten zur Verfügung gestellt hat. Basierend auf Bellofattos Recherchen porträtiert die aktuelle Ausstellung Thayer nicht nur als einen der ersten und wichtigsten Beethovenforscher, sondern als facettenreiche Persönlichkeit auch abseits seines Interesses an Ludwig van Beethoven.
Neben zahlreichen Briefen und Dokumenten, die seine Arbeit an der Biographie dokumentieren, zeigen Exponate wie ein von Thayer vertonter Psalm, sein Dienstsiegel und ein Faksimile der von Abraham Lincoln unterzeichneten Ernennungsurkunde zum Konsul in Triest oder eine umfangreiche Publikation zum Auszug der Israeliten aus Ägypten den Amerikaner als hoch intelligenten und vielseitig begabten Mann. Vor allem aber beeindruckt die Tatsache, dass Thayer diesen vielfältigen Aktivitäten sowie seinen Recherchen zu Beethoven keineswegs als Beruf, sondern ausschließlich in seiner Freizeit nachging.
Die neue Sonderausstellung tritt eindrucksvoll den Beweis an, wie lohnenswert ein Blick vorbei am großen Genie auf die Persönlichkeiten in der zweiten Reihe sein kann. Sie macht außerdem deutlich, wie essentiell die Arbeit von Menschen wie Alexander Wheelock Thayer für das Verständnis wichtiger Künstlerpersönlichkeiten ist, denn ohne seinen Einsatz stände das Beethoven-Haus heute vielleicht noch immer an der falschen Stelle.
Die Ausstellung ist noch bis zum 5. September in den Räumen des Beethoven-Hauses zu sehen.
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