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Kino - Michael Hermann

Als die Affen siegen lernten

„Planet der Affen: Prevolution“ hält, was sein Titel verspricht, und liefert eine packende Vorgeschichte zu den klassischen Filmen der 60er- und 70er-Jahre.


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Der Stoff, aus dem Intelligenzbestien gemacht werden. (Bild: Twentieth Century Fox)

Abschied im Affenhaus. (Bild: Twentieth Century Fox)

"Caesar" fängt an sich zu wehren. (Bild: Twentieth Century Fox)

„Motion Capture“ ist eine feine Sache. Die Technik ersetzt keine Darsteller, wohl aber Masken und Kostüme. Bewegungen und Mienenspiel der Affen-Hauptfiguren in Rise of the Planet of the Apes (Originaltitel) sind von Schauspielern ausgeführt, von Kameras aufgenommen und dann im Computer „umgerechnet“ worden.

Das Ergebnis sind äußerst eindrucksvoll animierte Affen, die verblüffend  natürlich und wie ein organischer Bestandteil der Bilder wirken. Es sieht schon verdammt echt aus, wie die Computeranimationen sich durch die Wälder schwingen und an der Golden Gate Bridge von San Francisco entlanghangeln.

Nicht zuletzt aufgrund des geglückten Einsatzes der CGI-Technik dürfte Prevolution ein besseres Schicksal beschieden sein als Tim Burtons weder von Publikum noch Kritik sonderlich geschätztem Planet of the Apes-Remake aus dem Jahr 2001. Die Macher von Prevolution haben im Übrigen offen zugegeben, dass ihr Film auf weitere „Prequels“ hin konzipiert wurde – die allerdings nur im Falle eines entsprechenden Kassenerfolgs gedreht würden.

Das könnte hinhauen. Der Film liefert eine runde, in sich geschlossene Story ab, deren Ende gleichwohl schon den Boden bereitet für die angepeilte Fortsetzung der Affen-Saga und den  weiteren Untergang der Menschheit. In Prevolution geht es darum, wie die Tiere sich unter Führung des nach medizinischen Experimenten zur Intelligenzbestie mutierten Schimpansen „Caesar“ gegen die Menschen auflehnen. Ihm leiht Motion-Capture-Spezialist Andy Serkis seine Bewegungen, der inzwischen nach seiner berühmtesten Rolle auf den Spitznamen „Gollum“ hört und bereits bei Peter Jacksons King Kong-Remake 2005 als Primat am Start war.


Schwer zu toppendes Affentheater

Gegen ihn und seine Affenbande anzuspielen, fällt den Hauptdarstellern nicht leicht. Fast scheint es, als ob die alte Schauspieler-Regel, wonach nur verlieren kann, wer mit Tieren und Kindern vor der Kamera steht, auch bei Prevolution greifen würde. Doch James Franco ist ein versierter Darsteller für Figuren, die eine gewisse Zerrissenheit in sich tragen (siehe die drei Spiderman-Filme), und John Lithgow gehört ohnehin seit langem zu den besten Charakterdarstellern Hollywoods. Für Freida Pinto hatte das Drehbuch indes nicht mehr als die dekorative Tierärztin und „Frau an seiner [Francos] Seite“ vorgesehen.

Die übrigen Menschenfiguren haben es noch schwerer, denn sie sind nicht gerade als Sympathieträger gezeichnet. Als Zuschauer gerät man so beim finalen Showdown auf der Golden Gate Bridge in die merkwürdige Situation, sich hin- und hergerissen zu fühlen zwischen dem Verständnis für die Affen, die schlecht behandelt wurden und ihre Ketten abgestreift haben, und einer Art natürlichen Restsolidarität mit der eigenen Spezies.


Nach Affekthandlung ins Affenhaus

Die allerdings hat ihren eigenen Untergang maßgeblich mit verursacht. Quelle des Übels sind Versuche mit Viren, die Forscher Will Rodman (Franco) an Affen ausführt. Natürlich nur in bester Absicht, denn er will ein Mittel gegen Alzheimer finden und seinem daran erkrankten Vater Charles (Lithgow) helfen. Als er das Schimpansen-Baby „Caesar“ bei sich aufnehmen muss, stellt er fest, dass die Substanz, die bei dessen Mutter schon zu unglaublichen Intelligenzsprüngen geführt hatte, auch beim Junior erhebliche Spuren hinterlassen hat. Bald schlägt Caesar ihn beim Schachspiel.

Nachdem der ausgewachsene Caesar einen Menschen angegriffen hat, der Vater Charles auf der Straße beschimpft hatte, wird vom Gericht seine Zwangsumsiedlung in ein Affenhaus verordnet. Dort herrschen Zustände, die Caesar schließlich dazu bringen, seine mit wenigen Ausnahmen im Vergleich zu ihm „primitiven“ Artgenossen „aufzuklären“ und mit ihnen den Ausbruch zu wagen. Und zu allem Überfluss zeigt sich, dass jene genmanipulierte Substanz fatale Nebenwirkungen auf Menschen hat …

Prevolution ist ein straff und gradlinig inszenierter Spannungsfilm mit emotionalen Höhepunkten (wie etwa einer King Kong-Referenz auf der Brücke), der über seine rund 100 Minuten Laufzeit kein einziges Affengähnen hervorruft. Regisseur Rupert Wyatt liefert damit einen würdigen späten Vorläufer zu Franklin J. Schaffners Meilenstein aus dem Jahr 1968. Und wenn der Rest-Sommer weiter so schlechtes und damit kinotaugliches Wetter produziert, wird das Kalkül aufgehen, aus Prevolution den Ausgangspunkt für eine Fortsetzungsgeschichte zu machen. Die verspricht interessant zu werden.


Planet der Affen: Prevolution - USA 2011, Regie: Rupert Wyatt, mit James Franco, Freida Pinto, John Lithgow u. a., 105 Min., FSK ab 12 freigegeben, Kinostart: 11. August 2011, in Bonn im Kinopolis.


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