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Musik - Martin Linder

Alice Coopers Theater des Todes

Alice Cooper spielte am 21.06. auf dem Bonner Museumsplatz.


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ALice Cooper (Foto: Almut Rademacher)

Akustische Kerkeratmosphäre klingt von der dunkel daliegenden Bühne der  recht gut besuchten Museumsmeile zum Publikum herüber. Die Gruselatmosphäre wird plötzlich von Gitarrenklängen zerschnitten, während kapuzentragende Skelettmänner den Vorhang eilig herablassen und den Blick auf Alice Coopers „Theater des Todes“ freigeben. Die Musiker fügen sich optisch perfekt in düstere Atmosphäre ein, und zu den Klängen von „School`s out“ betritt der Meister selbst die Szenerie. Stilecht in schwarz, auf dem Kopf sitzt eine Uniformmütze, schwingt er einen Stock wie ein Zepter, stößt seine gesichtslosen Kapuzenmänner wie auch seine Musiker herum und dirigiert seine begeisterten Fans. Mit „No more Mr. Nice Guy“ und „I`m 18“ feiert der Finsterling zwei weitere Hits, der Stock fliegt ins Publikum und wird durch eine Krücke aus Menschenknochen ersetzt, zwischen den Zähnen klemmt eine Reitgerte, wenn er mit ihr nicht gerade seine Diener oder Musiker züchtigt. Als ihm ein Diener zunahekommt, wird der arme Kerl kurzerhand auf einem Mikrophonständer aufgespießt. Kurz darauf überwältigen seine Kameraden das schwarze Biest und bändigen es mit einer Zwangsjacke, um es dann auf einem Schafott zu richten.
Wenig später erscheint Cooper als Voodoopriester und hält den guillotinierten Kopf in die Runde.

Eine Krankenschwester im Zombielook betritt die Bühne, wird zunächst herumgestoßen, sediert dann aber ihren gestrengen Meister zu den Klängen von „Poison“ mit einer überdimensionalen Kanüle, um ihn dann als hospitalisierendes Wrack wieder hereinzurollen. Bei einem Strip hinter einem Wandschirm entledigt sie sich zunächst ihrer Strümpfe. Den ersten trägt der wieder zu Form aufgelaufene Cooper als Maske, den zweiten benutzt er, um sie zu erdrosseln. Mit dem leblosen Körper auf dem Schoß singt er ihr im Rollstuhl sitzend noch eine Abschiedsballade, während er sich Ihre rote Perücke aufzieht. Das erblondete Opfer erwacht zu neuem Leben und führt den debilen Finsterling zu einem Galgen, wo er aufgeknüpft wird.

Als schwarzer Spinnenkönig erscheint Alice Cooper auf einem Podest und setzt seine gruselige Rock`n`Roll-Messe fort. Zu „Feed my Frankenstein“ wird er in eine Kiste gesteckt und von Schwertern durchbohrt, und - nur um ganz sicher zu gehen - noch von einem plüschtierartigen Zyklopen zermalmt.

Zur Zugabe ist`s nun genug gestorben, das Finale der schwarzen Messe zelebriert Alice Cooper im glitzernden Spiegelanzug, um den Abend mit Deutschlandtrikot und –flagge zu beschließen.

Im Alter von mittlerweile 62 Jahren scheint der dunkle Paradiesvogel noch lange nicht an Ruhestand zu denken. Böse Zungen mögen behaupten, dass vier Jahrzehnte im Rock`n`Roll-Zirkus ihre Spuren im Gesicht Coopers hinterlassen haben und einen Großteil des Makeups obsolet erscheinen lassen. Zumindest passen die gegerbten Gesichtszüge zum Image des bösen Buben und gestrengen Finsterlings.

Alice Cooper bot einen Rückblick auf zahlreiche internationale Erfolge seit 1972, jedoch war, ist und bleibt seine Musik nicht mehr (aber auch nicht weniger) als schnörkelloser und schnurgerader Hardrock konservativer Machart, der jedoch durch Coopers finster-raue Stimme durchaus an Profil gewinnt. Die Musiker leisteten solide Arbeit ohne sich dabei zu weit aus dem Fenster zu lehnen, mitunter wirkte das Zusammenspiel etwas undifferenziert, was dem Gesamtkunstwerk jedoch keinen Abbruch tat.

Egal! Alice Coopers „Theatre of death“ bot 90 Minuten Unterhaltung vom Feinsten, mithin war Coopers Show bereits in den frühen 70ern wegweisend für nachfolgende Bühnenkonzepte und Rocktheater. Der Meister besitzt Bühnenpräsenz und weiß sein Publikum zu unterhalten, nicht eine Minute des Programms möchte man missen.

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