Anzeige
Literatur, Medien, Sonstiges - Lea Böttger
Afrika für Affen, Europa für die Weißen!
„Schwarz auf Weiß“ - Günter Wallraff als Somalier Kwami Ogono in Beuel.
Anzeige
Das Finish mit der Sprühpistole verwandelt den Kölner Journalisten Günter Wallraff in den Somalier Kwami Ogono - dunkle Haut und krauses Haar. Für manchen Zeitgenossen Gründe genug für Beleidigungen, Abweisung, Ausgrenzung, Lügenmärchen und schlichtweg dämliches Verhalten. Als etwas Anderes lässt sich der Kommentar „Sarotti-Mohr“ beim Anblick eines Schwarzen nicht bezeichnen. Die kontrovers diskutierte Dokumentation „Schwarz auf Weiß“ zeigt die mit versteckter Kamera aufgenommenen Begegnungen in Deutschland. Wallraffs Selbstversuch macht erschreckend deutlich, wie es teilweise in Deutschland um Gleichheit und Toleranz oder simpel um Menschenverstand steht.
Die lange Schlange vor der Neuen Filmbühne und die Tatsache, dass nur Vorbesteller einen Platz ergatterten, dokumentieren das Interesse an der Thematik und an den Erlebnissen von Wallraff alias Ogono. Diese reichen von aggressiven Rempeleien hinter plumper Ideologie in einem Fanzug nach Dresden bis zu nicht offen ausgesprochenem, dafür aber umso wirkungsvollerem Rassismus in Amtsstuben, bei der Wohnungssuche und dem Hundeausbildungsverein.
Oft folgt eine weiße „Vergleichsgruppe“ auf Kwami Ogono: Der eine oder andere vertraut ihr seine Bedenken bezüglich „der anderen Kultur“ und „ganz anderen Mentalität“ an. Auch positive Erlebnisse brachte die verdeckte Recherche ein, allerdings machen diese den kleinsten Teil des Films aus. Es macht wütend und erschüttert, wie sehr allein die Hautfarbe das alltägliche Leben vieler Mitmenschen prägt.
An die Filmvorführung schloss sich eine bestens frequentierte Diskussionsrunde im Beueler Rathaus an, in der Günter Wallraff zur Zivilcourage aufforderte und aus seinem Buch „Aus der schönen neuen Welt-Expeditionen ins Landesinnere“ las.
Der Film und Wallraffs Selbstversuch werden durchaus kritisch betrachtet. Einer fragt, nach welchem Prinzip er die besuchten Orte ausgewählt habe. Merkt an, dass er doch nicht 100-prozentig afrikanisch ausgesehen habe und sich mehr hätte zurückhalten können, um keine Reaktionen zu provozieren. Diese Einwände scheinen angesichts des Filmes banal. Womit soll ein 100-prozentiger Afrikaner rechnen, wenn schon ein Scheinafrikaner derart diskriminiert wird? Und natürlich habe er auch provozieren wollen, erläutert Wallraff. Man kann sich denken warum. Es geht nicht um eine wissenschaftliche Studie, sondern um Sensibilisierung. Und laut Wallraff gibt es „durch das erkennende Lachen ja auch manchmal Erkenntnisse“.
Die Betroffenen selbst melden sich auch zu Wort. Ausgrenzung und Diskriminierung betreffen natürlich nicht nur Schwarze, sondern auch etliche andere Gruppen. Vertreter von Anti-Rassismus-Organisationen, so berichtet Wallraff, kritisierten, dass er nicht das Recht habe, für schwarze Bürger zu sprechen, und stellten die Frage, warum er keine Betroffenen zu Wort kommen lasse. Doch der Journalist sieht sich nicht als Sprecher oder Repräsentant der Schwarzen. Abgesehen davon wollte Wallraff niemanden, der nicht er selbst ist, den Risiken einer solchen Deutschlandreise aussetzen.
Günter Wallraff hat sich auch im reifen Alter von 68 noch nicht von seiner Spezialität, der Rollenreportage, verabschiedet und wird uns wohl noch den einen oder anderen Augenöffner oder Aha-Effekt liefern. Dafür kann man ihm nur Hochachtung aussprechen.
Das Buch: Günter Wallraff: Aus der schönen neuen Welt-Expeditionen ins Landesinnere. Kiepenheuer und Witsch, 2009, 13,95 Euro.
Dieses Buch bei Libri.de kaufen
Dieses Buch bei Amazon.de kaufen
Zur Homepage von Günter Wallraff
Diesen Artikel bookmarken:
Artikel per eMail weiterempfehlen
Artikel per eMail weiterempfehlen
Anzeige
Anzeige
Musik - 08.02.12
"bonn hoeren" ein Ort im "Land der Ideen"
Theater - 07.02.12
Offenes Werkstattgespräch zum Londoner Erdbeben
Ausstellung, Sonstiges - 06.02.12
Karneval ins MuseumViele Museen in der Bundesstadt haben auch an Karneval geöffnet. Eine Übersicht der Öffnungszeiten von Ausstellungshäusern und Bonner Bädern.
Musik, Sonstiges - 03.02.12
Orchestercampus ist eine der besten Ideen
Anzeige
Kritik: Kino
Der BesesseneWäre „positiv verrückt“ nicht eine durch inflationären Gebrauch im Sportsprech verbrannte Phrase, könnte man sie auf den Baseball-Manager und sportlichen Revolutionär anwenden, den Brad Pitt in „Moneyball – Die Kunst zu gewinnen“ spielt.
Kritik: Kino
Vampire WeekendKate Beckinsale geht als lacklederne Actionheldin in „Underworld: Awakening“ erneut auf Werwolfjagd. Eher etwas für Fans der Underworld-Streifen.
Thema: Sonstiges
Karneval auf der StraßeBereits am 5. Februar beginnt der Bonner Straßenkarneval. Neuer Zugweg in Kessenich und Beuel. Eine Übersicht der Züge im Stadtgebiet.
Kritik: Literatur
Rückkehr nach 1Q84
Kritik: Kino
Zeit zum InnehaltenIn Alexander Paynes Drama „Familie und andere Angelegenheiten (The Descendants)“ muss ein gegen sein Rollenklischee besetzter George Clooney familiäre Verantwortung übernehmen und wichtige Entscheidungen treffen.
Anzeige
Häufige Schlagworte:
Beethoven
Bibliothek
Buch
Festival
Film
Jugend
Köln
Konzert
Landesmuseum
Museum
Musikschule
Nimptsch
NRW
Oper
Pantheon
Preis
Theater
Universität
Wettbewerb
Workshop
Anzeige


Kultur-in-Bonn.de auf Facebook
Kultur-in-Bonn.de auf Twitter
Kultur-in-Bonn.de als RSS-Feed
