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Kino - Michael Hermann
Action in Windeln
Robert Rodriguez hat sich mit schrägen Action-Thrillern von „El Mariachi“ bis „Planet Terror“ einen Namen gemacht. Die Zielgruppe seines neuen Films „Spy Kids 4D“ sind indes Kinder und Familien.
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Rebecca (Rowan Blanchard) und Cecil (Mason Cook) führen das Familiengewerbe in der nächsten Generation fort. (Bild: Senator Film Verleih)
Tick Tock (Jeremy Piven) und seine Helfer stehlen anderen Leuten gerne ihre Zeit. (Bild: Senator Film Verleih)
„Der Hund kann sprechen.“ Im Original übrigens mit der Stimme von Ricky Gervais. (Bild: Senator Film Verleih)
Eigentlich war Marissa Cortez Wilson (Jessica Alba) ja nach der Heirat mit Wilbur (Joel McHale) und der Geburt des ersten gemeinsamen Kindes bereits in den Spionage-Ruhestand getreten – nachdem sie bei ihrem letzten Auftrag trotz einsetzender Wehen noch eben den Schurken Tick Tock (Jeremy Piven) zur Strecke gebracht hatte, der mit dem so genannten „Armageddon Device“ den Menschen die Zeit stehlen will.
Allerdings gestaltet sich das Familienleben nun alles andere als geruhsam. Während Ehemann Wilbur ständig für seine TV-Reality-Show „Spy Hunter“ unterwegs ist, machen die beiden Stiefkinder Rebecca (Rowan Blanchard) und Cecil (Mason Cook) aus ihrer Abneigung gegen Marissa keinen Hehl und ihr das Leben schwer. Als dann aber Tick Tock wieder auftaucht und die beiden entführen will, muss Agentin Cortez Wilson noch einmal ’ran. Und die Kinder lernen nicht nur das Spionage-Handwerk, sondern auch eine völlig andere Seite ihrer Stiefmutter kennen, die ihre Agententätigkeit gegenüber der Familie stets verschwiegen hatte.
Mehr Mief als Trash
Auch wenn einem Spy Kids 4D nicht gar so furchtbar vorkommt, gerade wenn man die drei ebenfalls von Rodriguez geschriebenen und inszenierten Vorgänger nicht kennt: Es ist Kinder- und Familienunterhaltung, und kein Stoff für Erwachsene ohne Anhang. Eine der wenigen halbwegs positiven Stimmen im imdb-Forum stammt denn auch von einem Vater, der den Film zusammen mit seinen beiden Kindern gesehen und das Kino nach eigenen Angaben mit zufriedenem Nachwuchs wieder verlassen hatte.
Wer bei Robert Rodriguez automatisch an El Mariachi, Desperado, From Dusk Till Dawn, Sin City und Planet Terror denkt und etwas in dieser Art erwartet, ist hier also fehl am Platze. Die einzige Parallele zu Sin City besteht in der Besetzung der weiblichen Hauptrolle mit Jessica Alba. Action, Trash und schräger Humor sind auf kinderverträgliche Dimensionen herunter gedimmt, von Splatter- und Gore-Elementen keine Spur. Jenes Irre, Abgedrehte, neben der Spur Liegende, das zum Rodriguez-Touch gehört, fehlt nahezu völlig – sieht man einmal von der „vierten Dimension“ namens „Aromascope“ ab. Die besteht in einer Plastikkarte mit an markierten Filmszenen frei zu rubbelnden Gerüchen, die jedem Kinobesucher in die Hand gedrückt wird, wie einst bei John Waters’ Trash-Klassiker Polyester.
Didaktische Schlagseite
Problematischer und wesentlich gewöhnungsbedürftiger als ein bisschen Plastik-Mief ist die bei Rodriguez’ Erwachsenen-Filmen vollkommen unübliche moralische und didaktische Schlagseite, die Spy Kids 4D hat. Da werden regelrecht Lebenshilfen erteilt und Botschaften aufgesagt. Die Geschwister mögen sich doch bitte nicht immer zanken und mehr zusammen unternehmen, ihre Zeit sorgsam nutzen und nicht zurückblicken, sondern die Stiefmutter endlich annehmen, damit die ganze Familie zusammensteht wie eine Eins. Man kommt sich streckenweise vor wie in einem Disney-Film, zu dessen Aufgaben die Propagierung von family values gehört.
Vereinzelte recht lustige Momente lassen sich Spy Kids 4D nicht absprechen. So landet der sprechende Roboterhund „Argonaut“, dem im Original Ricky Gervais (The Office) seine Stimme leiht, den einen oder anderen Gag. Das Spiel der beiden Kinderdarsteller hat durchaus Frische und Schwung, auch einige Slapstick- und HighTech-Einlagen funktionieren. Doch die zahlreichen altbackenen Pups-, Brech- und Windelwitze befinden sich in der Mehrheit und sorgen für rasche Ermüdung.
Sei’s drum, wer Kinder im Alter der beiden Spy-Kids-Hauptfiguren und gerade nichts besseres zu tun hat, kann es ja mal mit dem Film versuchen. Wenn die Sprösslinge dann nach dem Kino zuhause eingepennt sind, kann man immer noch den DVD-Player an- und Sin City einwerfen.
Spy Kids 4D - Regie: Robert Rodriguez, mit: Jermy Piven, Danny Trajo, jessica Alba u. a., USA 2011, 89 Min., FSK ohne Beschränkung, Kinostart: 3. Mai 2012.
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