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Bonn passé

Der Stichtag der Woche
Geschichte und Geschichten aus Bonn
Wolfgang Guting

Wasser gegen die Revolution

vor 85 Jahren: 24. Oktober 1923
Bei dem Versuch Rheinischer Separatisten, das Bonner Rathaus zu erstürmen, verteidigen Beamte das Gebäude erfolgreich mit Wasser aus Feuerwehrschläuchen.


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Flagge der Rheinischen Republik

Es waren turbulente Zeiten. Und Bonn hinkte ein wenig hinterher, denn schon seit dem 21. Oktober waren einige Städte und Gemeinden des unter französischer und belgischer Besatzung stehenden Rheinlandes von den Separatisten unter ihre Kontrolle gebracht worden. Das ging letztlich nur, weil zumindest die französische Besatzungsmacht den Separatisten eine recht große Sympathie entgegenbrachte und ihnen hier und da sogar militärische Hilfe gewährte.

Seit dem Wiener Kongress (1815) gehörten das Rheinland und Westfalen zum preußischen Herrschaftsbereich. Das traf nicht immer und überall auf Gegenliebe. Viele lokale Parlamente hielten an den Gemeindeverfassungen und an dem Handelsrecht fest, das von den Franzosen unter Napoleon eingeführt worden war. Mit der französischen und teilweise belgischen Besatzung des Rheinlandes nach dem Ersten Weltkrieg (1918) wurde sowohl in Paris als auch in Berlin offen über einen Anschluss des Rheinlandes an Frankreich diskutiert. Die hier mehrheitlich katholische Bevölkerung empfand die preußische Zeit auch nach einhundert Jahren noch als "Fremdherrschaft".

Zu den Führern der Separatisten gehörten auch ein Bonner und ein beinahe Bonner: Hans Adam Dorten, im Februar 1810 in Endenich geboren, und der damalige Kölner Bürgermeister Konrad Adenauer. Adenauer hatte bereits 1919 zu einem Treffen von Oberbürgermeistern und Abgeordneten der Nationalversammlung und der preußischen Landesversammlung nach Köln geladen. In seiner Rede geißelte er Berlin als "von einer kriegslüsternen, gewissenlosen militärischen Kaste und dem Junkertum beherrscht". Er wollte eine eigene "Westdeutsche Republik", die allerdings im Staatenverband des Deutschen Reiches verbleiben sollte. Dorten wollte dagegen eine "Rheinische Republik", die, losgelöst von Preußen, an Frankreich angegliedert werden sollte.

Frankreich stand den separatistischen Plänen wohlwollend gegenüber. Der Gedanke, mit dem Rheinland über eine Pufferzone zwischen Paris und Berlin zu verfügen, war durchaus attraktiv. Wer weiß, wie es ausgegangen wäre, hätten die Franzosen die Besatzung nach dem Ersten Weltkrieg etwas menschenfreundlicher gestaltet. Doch in der Bevölkerung kam die autoritäre Herrschaft der Militärs gar nicht gut an. Aus Bonn wird z. B. berichtet, dass die Bürger einen dreieckigen Wimpel grüßen mussten, den einer der Soldaten am Gewehr trug, wenn sie durch die Stadt marschierten. Dazu musste ein eventuell getragener Hut oder eine eventuell getragene Mütze abgezogen werden. Zur Kontrolle patrouillierte ein Unteroffizier neben den auf der Straße marschierenden Soldaten. Mit der Hundepeitsche in der Hand schlug er den Männern ihre Kopfbedeckung herunter, wobei er auch schon mal das Gesicht traf. Kein Wunder also, dass nicht alle Bonner von dem Gedanken, fortan Frankreich anzugehören, begeistert waren.

Immerhin 2.000 Bürger trafen sich aber dennoch im Gasthaus "Deutsches Haus" in Poppelsdorf bei einer Versammlung der Partei "Freies Rheinland" unter Hans Adam Dorten. Am 21. Oktober 1923 schließlich schlugen die Separatisten in Aachen los. Sie besetzten das Rathaus und riefen im Kaisersaal die "Freie und unabhängige Republik Rheinland" aus. In der Nacht vom 23. auf den 24. Oktober, ca. gegen ein Uhr,  erfolgte dann unter der Führung Dortens der Sturm auf das Bonner Rathaus. Doch die preußischen Beamten waren gewarnt und gewappnet. Sie stellten sich den Revoluzzern mit Wasserschläuchen der Feuerwehr entgegen und vertrieben sie. Ein paar Tage später aber konnten sie schließlich mit Unterstützung der französischen Besatzung das Rathaus einnehmen und die grün-weiß-rote Rheinische Flagge, die Farben des heutigen Nordrhein-Westfalens, hissen. Dort wehte sie ganze zwei Tage.


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