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Bonn passé

Der Stichtag der Woche
Geschichte und Geschichten aus Bonn
Wolfgang Guting

Von der Gouvernante zur Frau Gräfin

Vor 206 Jahren: 9. Juni 1802
Die Bonnerin Babette Koch heiratet Anton Maria Karl von Belderbusch.


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Zur Zeit der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert gab es am Bonner Marktplatz das Wirtshaus "Zehrgarten", das, nebst einer kleinen Buchhandlung, von der Witwe Koch geführt wurde. Das Wirtshaus war für die Professoren und Studenten der frischen Bonner Universität ein beliebter Treffpunkt. Hier konnte man sich mit Menschen treffen und unterhalten, deren Stand, Erziehung und Bildung dem universitären Publikum adäquat erschien. Witwe Koch hatte für eine ausgesuchte Zahl von Kostgängern eine Tafel eingerichtet und vermietete darüber hinaus einige Wohnungen im Haus an dauerhaft dort wohnende Gäste.

Von ihren drei Kindern, zwei Töchtern und einem Sohn, galt Anna Barbara (28. Juni 1771 - 25. November 1807), genannt Babette, als die Schönheit der Stadt. Babette wurde neben den zahlreichen Aktivitäten der Wirtin Koch zu einem weiteren Aktivposten des Hauses, denn auch die dort verkehrenden Künstler und Intellektuellen erfreuten sich gerne an dem Wesen der jungen Dame. Die Liste der bekannten Gäste ist, wenn auch die Namen heute vergessen sind, durchaus illuster: Professor Velten, der spätere Staatsrat Fischenich, Professor Thaddäus Dereser, der Domkapitular werden sollte, der spätere Bischof Wrede oder der Hofrath von Bourscheidt. Einer der Gäste, dessen Name allerdings nicht vergessen, sondern heute bekannter als dazumal ist, war der junge Ludwig van Beethoven (1770-1827).

Seit wann sich Beethoven und die schöne Wirtshaustochter kannten, ist nicht gesichert. Ihre Wohnungen lagen jedenfalls nicht weit von einander entfernt und wenn man bedenkt, dass Ludwig nur knapp ein halbes Jahr älter als Babettchen war, kann man sich vorstellen, dass beide sich auch zum Spiele trafen. Bevor Beethoven 1792 Bonn für immer verließ, war er Stammgast im "Zehrgarten" um die Ecke, wo er häufig seine Mahlzeiten einzunehmen pflegte. Dort traf er auf jeden Fall auf Babette und gehörte vielleicht auch zu ihren Bewunderern. Vergessen hatte er sie jedenfalls nach seinem Abschied aus Bonn nicht, denn er schrieb 1793 in einem Brief an Eleonore von Breuning: "Sollten sie die B. Koch sehen, so bitte ich Sie, ihr zu sagen, daß es nicht schön sei von ihr, mir gar nicht einmal zu schreiben. Ich habe doch zwei Mal geschrieben."

Zu den illustren Gästen des Wirtshauses gehörte eventuell auch Graf Anton Maria Karl von Belderbusch (1758-1820), zumindest wäre dies die naheliegende Erklärung, wie der Graf in den Bann der schönen Babette geriet. Belderbusch war der Neffe des ehemaligen kurkölnischen Ministers Caspar Anton von Belderbusch, dessen Vermögen er erbte und kurz darauf auch noch das seiner Tante Caroline, der Äbtissin von Vilich. Der Graf hatte auch eine Gräfin, die es aber vorzog, mit einem Freiherrn Lichtenstein zu verschwinden und Mann und Kinder zurückzulassen. So kam es, dass der Graf Anna Barbara als Gouvernante und Erzieherin der Kinder ins Haus holte. Denn an eine Heirat war nicht zu denken. Im katholischen Rheinland war eine Scheidung nicht vorgesehen.

Das änderte sich entscheidend mit der Besatzung des Rheinlands durch die französischen Truppen. Konnten Ehen bislang nur in der Kirche geschlossen werden, so wurde nun das Standesamt dafür zuständig. Und - was noch revolutionärer war: Sie konnten dort auch geschieden werden. Das Bonner Standesamt verfügt über die entsprechende Scheidungsurkunde des Grafen Belderbusch, eine der ersten im Rheinland überhaupt. Diese glückliche politische Fügung kommentierte der Graf: "Bei meiner ersten Eheschließung hatte der Priester gesagt, 'Bis dass der Tod euch scheidet'. Wie gut, dass er damit nicht Recht behalten sollte." Am 9. August 1802 ehelichte Belderbusch die Gouvernante Barbara und lebte mit ihr auf Schloss Miel.

Bei seinem ersten Besuch in Bonn sorgte Napoleon (1769-1821) dafür, dass der Graf zum "Maire" von Bonn ernannt wurde. Das Amt des Bürgermeisters von Bonn übte Belderbusch auch noch nach dem Ende der französischen Herrschaft (1814/1815) aus. Napoleons Gattin Josephine wurde Patin und Namensgeberin der ersten Tochter der Belderbuschs. Barbara verstarb 1907 bei der Geburt ihres vierten Kindes.




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