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Geschichte und Geschichten aus Bonn
Wolfgang Guting

Vater der Alma Mater

vor 229 Jahren: 2. Oktober 1779
Philipp Joseph Rehfues (1779-1843) wird in Tübingen geboren.


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Die Karriere des jungen Philipp begann in Italien, wohin ihn 1801 eine Anstellung als Hauslehrer des Konsuls Stichling führte. Für diese Stelle brach Rehfues sein Theologiestudium ab, das er nach dem Besuch des evangelischen Stiftes in Tübingen begonnen hatte. Rehfues konnte sich damit einen Traum erfüllen. Er war rundum gebildet und wie die meisten seiner bürgerlichen Zeitgenossen in die Antike und Italien geradezu vernarrt Und wo konnte man näher an den Wurzeln der europäischen Kultur weilen, als in Italien.

Er beschäftigte sich mit der bildenden Kunst, der Literatur und der Sprache. Zusammen mit Johann Friedrich von Tscharner, einem ebenfalls italienverliebten jungen Allround-Gebildeten, den er bei Stichlings kennen gelernt hatte, gab er die Zeitschrift "Italien" heraus. Gemeinsam besorgten sie eine metrische Übersetzung der Trauerspiele von Vittorio Alfieri vom Italienischen ins Deutsche. Rehfues schrieb "Über den jüngeren Philostratus und seine Gemäldebeschreibung" (1800), über die "Gemälde von Neapel und seinen Umgebungen" oder übersetzte eine griechische Handschrift ins Italienische. Auch des Spanischen, Französischen und sogar des Baskischen war der Tausendsassa mächtig.

Was Wunder also, dass der junge Mann ausgesucht wurde, als es galt, dem die Stadt Neapel besuchenden bayerischen Thronfolger Ludwig (1786-1868) einen versierten Führer an die Seite zu stellen. Im Umgang mit aktuellen und zukünftigen Königinnen und Königen war Rehfues inzwischen erfahren, hatte er doch für die Regentin Maria Karolina von Neapel-Sizilien (1752-1814), einer Tochter Maria Theresias, bereits diplomatische Missionen erfüllt. Eine Mission allerdings scheiterte. Königin Maria Karolina hatte Rehfues nämlich beauftragt, eine ihrer Töchter dem bayerischen Thronfolger Ludwig als Ehefrau zu vermitteln. Zwar reiste Rehfues auch nach München, doch das Haus Wittelsbach hatte andere Pläne.

Zurück aus Italien nahm Rehfues 1806 eine Stelle als Bibliothekar und Vorleser im Dienste des Kronprinzen Wilhelm an, des späteren Königs Wilhelm I. von Württemberg. Denselben hatte er in seiner Zeit in der Stadt am Fuße des Vesuvs kennen gelernt. Über Koblenz, wo er als Generalgouverneur beschäftigt war, führte ihn der Weg nach Bonn. Hier wurde er 1814 Hofrat und Kreisdirektor. Rehfues hatte sich in seinen "Reden an das deutsche Volk" (1813) gegen die französische Besetzung des Rheinlandes ausgesprochen. Doch die Bonner Bürger waren ihrerseits nicht ungedingt begeistert davon, dass sie auf dem Wiener Kongress zu Preußen gemacht worden waren. So hätte man erwarten können, dass der Stand des Preußenfreundes ein schwerer sein würde.

Mit diplomatischem Geschick verstand es Rehfues aber, einerseits die Politik des fernen Berlin am Rhein zu vertreten und andererseits mit Vehemenz die Bonner Belange an den Ufern der Spree deutlich zu machen, wovon die Schrift "Die Ansprüche und Hoffnungen der Stadt Bonn" (1814) ein Zeugnis ablegt. In dieser Abhandlung setzt sich Rehfues für Bonn als Sitz der zu gründenden rheinischen Universität ein und führt als Argumente neben der langen Geschichte und der reizvollen Lage auch die niedrigen Preise und die durch den Weggang des Kurfürsten vorhandenen Gebäude an.

Die unruhigen Zeiten - Napoleon kehrte von seiner Verbannung auf Elba aufs Festland zurück, was nichts anderes als erneuten Krieg bedeutete - bedingten ein zwischenzeitliches Engagement in der preußischen Armee. Hier wurde er Verpflegungskommissar. Das neu erworbene Wissen um den Umgang mit Massen an Menschen und Lebensmitteln kam Bonn zu Gute, als Rehfues die Stadt nach einer verheerenden Missernte 1816 durch die rechtzeitige Bevorratung mit Getreide vor einer Hungersnot bewahrte. 1817 wurde er durch die Heirat mit der Baronese von Meusebach auf Antrag 1826 in den erblichen Adelstand erhoben und fortan führte er ein "von" in seinem Namen. Die Baronesse brachte mit den Gütern Römlinghoven, Heisterbacherrott und Pfaffenröttchen ausreichenden finanziellen Rückhalt in die Familie. 1818 fiel die Entscheidung, dass Bonn und nicht Köln Sitz der Rheinischen Universität werden sollte. Rehfues wurde 1819 zum preußischen Regierungsbevollmächtigten und Kurator der Universität ernannt.

Seine Liebe zu Italien hatte nicht nachgelassen. Immer noch war er korrespondierendes Mitglied der italienischen Akademie in Florenz. Immer noch arbeitete er als Schriftsteller und Publizist, Übersetzer und Herausgeber. Doch sein Einsatz für die Universität litt darunter nicht.

Im ersten Jahr konnte die Hochschule auf gerade einmal zwölf Professoren und 47 Studenten verweisen. Doch bereits zwei Jahre später unterrichteten 36 Professoren 626 Studenten. Und nicht wenige der Professoren waren Koryphäen. Es seien hier nur Ernst Moritz Arndt, Barthold Georg Niebuhr und August Wilhelm Schlegel erwähnt. Die Räume des kurfürstlichen Schlosses wurden zu Instituten und Hörsälen umfunktioniert. Auch um die Studenten sorgte er sich. Er beschaffte Unterkünfte und unterstützte den Antrag des Theologen und Orientalisten Augustin Scholz, dass "eine Anzahl hebräischer Bibeln unter die dürftigen katholischen Studierenden der Theologie untentgeltlich" zu verteilen seien.

Die Zeiten waren aber weiterhin unruhig. Studenten gingen auf die Straßen und forderten Presse- und Versammlungsfreiheit. Und einige der Professoren standen auf ihrer Seite. Wie nicht anders zu erwarten, schlug die preußische Regierung mit aller Macht zurück. Gegen die aufmüpfigen Bürger wurden nicht weniger als 192 Urteile verhängt, davon 39 Todesurteile, die dann zu 30 Jahren Festungshaft "gemildert" wurden. Von den Aburteilungen blieb Bonn allerdings dank Rehfues verschont, der schon 1831 darauf hinwies, dass sich Akademiker im Kriegsfalle glänzend bewähren würden. Doch auch in Bonn gab es im Zuge der so genannten "Demagogenverfolgung" Verbote von Burschenschaften und Entlassungen von Professoren. Bei dem Altertumsforscher F. G. Welcker wurde eine Hausdurchsuchung vorgenommen und Ernst Moritz Arndt von seinem Lehramt enthoben.

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