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Bonn passé
Der Stichtag der WocheGeschichte und Geschichten aus Bonn
Wolfgang Guting
... und der Haifisch, der hat Zähne
vor 80 Jahren: 31. August 1928
Die in Bonn verstorbene Schauspielerin Roma Bahn (1896-1975) spielt bei der Uraufführung der "Dreigroschenoper" die Polly.
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Im Cafe Schlichter in Berlin Charlottenburg sitzen Ernst Josef Aufricht und Bertolt Brecht. Aufricht erzählt Brecht, dass er als Intendant des Theaters am Schiffbauerdamm nach einem Stück sucht, das er als Premiere bei der Wiedereröffnung des Theaters aufführen kann. Brecht erzählt ihm von einem "Nebenprodukt" seiner Arbeit. Er erzählt von einem vergessenen Stück aus dem 18. Jahrhundert, der "Beggar's Opera" von John Gay, das er gerade überarbeitet.
Aufricht liest die Skizzen von Brecht und ist "von der Frechheit und dem trockenen Witz" begeistert. Sofort macht er sich an die Planung und entwirft eine Besetzung von hochkarätigen Schauspielerinnen und Schauspielern. Die bis dahin unbekannte Lotte Lenya, Frau des Komponisten Kurt Weill, der die Musik zu der "Dreigroschenoper" schrieb, sollte die Rolle der Hure Jenny übernehmen. Ernst Busch war für die Rolle des Moritatensängers vorgesehen; der Operettenstar Harald Paulsen sollte den Macheath übernehmen und Carola Neher die Polly. Des weiteren wurden noch Peter Lorre, Rosa Valetti, Kurt Gerron, Kate Kühl und Naphtali Lehrmann verpflichtet.
Doch die Vorbereitungen der Premiere standen unter keinem guten Stern. Bei der ersten Probe am 1. August fehlte ein großer Teil der Darsteller, weil sie noch im Urlaub weilten. Auch sonst waren die Proben von einer Kette unglücklicher Zufälle begleitet, was nicht zuletzt daran lag, dass Brecht und Weill die Oper erst während der Probe zu Ende schrieben und immer wieder veränderten.
Peter Lorre, der die Rolle des Jonathan Peachum spielen sollte, stieg aus. Für ihn sprang Erich Ponto ein. Regisseur Erich Engel strich völlig entnervt die Segel, für ihn übernahm Brecht selbst die Rolle des Regisseurs. Carola Neher musste nach Davos abreisen, wo ihr Mann, der Dichter Klabund, im Sterben lag. Sie kehrte zwar nach der Beerdigung ihres Gatten wieder nach Berlin zurück, wurde jedoch mehrmals während der Proben ohnmächtig, so dass ihre Rolle neu besetzt werden musste. Damit schlug die Stunde von Roma Helena Bahn, die nun die Rolle der Polly übernahm.
Roma Bahn war mit dem Regisseur Karlheinz Martin verheiratet. Sie gehörte zwar nicht zur ersten Riege der deutschen Schauspielerinnen wie etwa die Dietrich, doch hatte sie bereits seit den Stummfilmtagen in zahlreichen Filmen mitgewirkt. Schon mit 16 Jahren erhielt sie Unterricht an Max Reinhardts Schauspielschule des Deutschen Theaters. Später erteilte sie auch selbst Unterricht - zu ihren Schülern gehörte auch der Chef der "Schwarzwaldklinik", Klausjürgen Wussow.
Die Uraufführung der "Dreigroschenoper" schien zunächst ein Reinfall zu werden. Das Publikum schaute der Aufführung fast regungslos zu. Das änderte sich erst mit der Intonierung des Kanonensong, wie sich Intendant Aufricht erinnerte: "Der Zuschauerraum taute nicht langsam auf, er geriet in Siedehitze." Frenetischer Applaus setzte ein und die Songs mussten wiederholt werden.
Am Tag nach der Premiere waren innerhalb von Stunden die Karten für die Aufführungen der nächsten drei Wochen ausverkauft. Die Dreigroschenoper wurde zu einem der erfolgreichsten Stücke der Theatergeschichte. Die Songs wurden zu Hits und jede Plattenfirma kümmerte sich um eine eigene Produktion der Oper.
Von diesem Erfolg fiel für Roma Bahn nicht viel ab. Carola Neher übernahm nach ihrer Genesung wieder die Rolle der Polly am Theater und war in dieser Rolle auch in der 1930/31 erfolgten Verfilmung zu sehen. Roma Bahn spielte weiterhin kleinere und größere Rollen am Theater und im Film.
Nach dem Krieg verlagerte sie ihre Haupttätigkeit auf die Arbeit als Synchronsprecherin. U. a. ist sie als deutsche Stimme der Mrs. Higgins in "My Fair Lady" zu hören, oder als Königin Elisabeth, gespielt von Bette Davis, in dem Streifen "Günstling einer Königin". Auch in etlichen deutschen TV-Produktionen mischte sie mit. 1950 heiratete sie in zweiter Ehe den Architekten Hugo Häring.
Literarischen Ruhm erntete Roma Bahn durch den Schriftsteller Walter Hasenclever. Das Vorbild für seine Oktavia war Roma Bahn, die zwar mit Karlheinz Martin verheiratet, aber eine Affäre mit dem Schauspieler Ernst Deutsch hatte. In Bonn verstarb Roma Bahn am 11. Januar 1975 im Alter von 78 Jahren.
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