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Bonn passé
Der Stichtag der WocheGeschichte und Geschichten aus Bonn
Wolfgang Guting
Sex and Crime
vor 549 Jahren: 1. November 1459
Der Barbier Hans Folz (ca. 1435-1513) wird in Nürnberg eingebürgert
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Es gibt nicht viele verlässliche Daten aus dem Leben des Hans Folz, so dass an dieser Stelle die auf den 1. November datierte Einbürgerung herhalten darf. In besagter Einbürgerungsurkunde des "hans von wurmß barwirer", also des Barbiers Hans aus Worms, wird ihm das Mindestvermögen von 100 Gulden bestätigt, das zur Erlangung des Nürnberger Bürgerrechts von Nöten war. Vermutlich wirkte er aber bereits länger in der Stadt und hatte sich sein Vermögen dort erarbeitet. Neben seinem Beruf als Friseur und Bartscheerer übte er auch noch die Tätigkeit eines Wundarztes aus, d. h. er verfügte über die handwerklichen Fähigkeiten, offene Wunden und Knochenbrüche zu versorgen.
Seine überregionale Bekanntheit verdankt er allerdings zwei weiteren Tätigkeiten: denen als Dichter und Drucker. Folz verfasste etwa 100 Meisterlieder, mindestens 12 Fastnachtspiele, 48 Reimpaarsprüche und zwei Prosawerke. Mit Ausnahme der Meisterlieder erschienen fast alle seine Werke zu seinen Lebzeiten in seiner eigenen Druckerei. Folz hatte sich nur wenige Jahrzehnte nach der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern eine Druckerpresse angeschafft und nutzte somit die seinerzeit fortschrittlichste Technik zur Verbreitung seiner Schriften.
In seinen Lehr- und Wanderjahren ist Folz viel herumgekommen. Ob ihn sein Weg auch nach Bonn geführt hat, ist nicht überliefert, aber eher unwahrscheinlich, da er meist in Süddeutschland und im südeuropäischen Raum umherstreifte. Eine seiner Geschichten, "Die drei Studenten", handelt aber in Bonn. Sie ist eine der ältesten "belletristischen" Erwähnungen Bonns. Eine gewisse Frivolität, die auch im übrigen Werk Folzens, wie auch ein gewisser Humor, vorkommt, ist auch in dieser kleinen Geschichte nicht abwesend.
Besagte drei Studenten landen auf ihrer Suche nach einer Herberge in Bonn (= Pun) und quartieren sich bei einer schönen Wirtin ein.
"Eine stat heist Pun und leyt am Rhein;
darin die schönsti wirtin sas."
Die drei finden schnell heraus, dass, wie es der Zufall oder die Dramaturgie so will, der Wirt abwesend ist. Jeder der drei fasst nun für sich den Entschluss, das Nachtlager mit der Dame des Hauses zu teilen. Sie komplimentieren die Wirtin aufs Heftigste und scheinen auch Erfolg zu haben, denn die Dame geht auf die Angebote scheinbar ein. Sie macht aber ihre Zustimmung davon abhängig, dass jeder der drei eine Bedingung erfüllen muss, von der die beiden Anderen nichts wissen.
Den ersten schickt sie mit einem Leinentuch bedeckt, sich in ein frisch ausgehobenes Grab zu legen und eine Leiche zu mimen. Den zweiten, der nicht weiß, wer denn da im Grabe liegt, schickt sie zum Grabe, wo er die Totenwache übernehmen soll. Als Clou des Ganzen verlangt sie dann von dem dritten, dass er, mit einem alten Fell bekleidet und mit einem Gürtel voller Schellen versehen, des Nachts zu dem Grabe eilt.
Als letzterer nun in dieser Aufmachung an der dunklen Grabesstelle erscheint, führt er unter "grausamlichen" Geräuschen einen wilden Tanz auf. Der erste, der das Weite sucht, ist der Totenwächter, der glaubt, der Teufel wolle ihn holen. Aber auch die "Leiche" ist zutiefst erschreckt. Sie springt aus der Grabesgruft und eilt von dannen. Das ist dann auch für den wilden Tänzer zu viel, der, in dem Glauben, der Tote sei wieder zum Leben erweckt, ebenfalls fluchtartig den Ort verlässt. Als alle drei nacheinander in der Wirtschaft eintreffen, ist ihnen jedes Interesse an dem geplanten amourösen Abenteuer vergangen.
Tags darauf setzen sie ihre Reise fort. Als sie sich ihre nächtlichen Erlebnisse erzählen, erkennen sie schnell, dass die Wirtin sie ganz schön genarrt hat. Sie verabreden sich schließlich, es der schönen Wirtin heimzuzahlen.
Als sie nach einem Jahr wieder an der Gaststätte eintreffen, ist der Wirt natürlich wieder unterwegs. Als reicher Kaufmann verkleidet kehrt nun der erste Student in die Gaststätte ein und gibt der Wirtin 20 Gulden zur langfristigen Verwahrung. Nach der Abreise des vorgeblichen Kaufmannes benutzt die schöne Frau das Geld für Investitionen und ist daher ziemlich ratlos, als nur zwei Tage später der Geldgeber wieder auftaucht. Er gibt vor, von Räubern ausgeplündert worden zu sein und dass er, nun völlig mittellos, die 20 Gulden dringend benötige. Sollte die Dame ihm aber sein Geld nicht zurückerstatten können, sei die Schuld getilgt, wenn sie die Nacht mit ihm verbrächte. Da die Wirtin ihrem Wirt nichts von dem Geld erzählt hatte, willigt sie nach anfänglichem Zögern schließlich aus Angst, dass ihr Mann von der Leihgabe erfahren könne, auf den Vorschlag ein.
Doch der hinterhältige Plan der drei Studenten hat damit gerade die erste Phase der Ausführung hinter sich. Denn am nächsten Morgen mischt der "Kaufmann" der Wirtin ein Kraut ins Getränk, das am Körper starke Schwellungen hervorruft, und zieht seiner Wege. Es dauert nicht lange, bis der zweite Student erscheint. Dieser gibt sich nun als Arzt aus. Als die Wirtin ihn wegen ihrer Schwellungen konsultiert, hat er die Diagnose bald parat: Sie habe mit einem kranken Mann genächtigt und dabei sei Gift in ihren Körper geflossen. Und auch das Rezept zur Heilung hat er schnell zur Hand: Die Wirtin müsse nun mit einem gesunden Mann wie ihm das Nachtlager teilen. Dadurch würde die "Vergiftung" umgekehrt. Gesagt, getan. Doch damit nicht genug, mischt er ihr noch einen heilenden Trank zusammen, den der "Arzt" seiner Patientin für 20 Gulden überlässt.
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