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Der Stichtag der Woche
Geschichte und Geschichten aus Bonn
Wolfgang Guting

Rettung der Wale?

vor 17 Jahren: 13. September 1991
Im September 1991 wird im Rahmen der "Bonner Konvention" das "Übereinkommen zur Erhaltung von Kleinwalen in der Ostsee, dem Nordost-Atlantik, der Irischen See und der Nordsee" (ASCOBANS) beschlossen.


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Walfang auf den Schweinswal 1883

Deutschland ist nicht gerade für seine Wale bekannt, doch, was außer den Küstenanrainern nicht viele wissen, es gibt auch in den deutschen Gewässern Wale. Hiermit sind nicht die eventuell durch deutsche Gewässer streifenden Tiere gemeint, der Belugawal "Moby Dick" schaffte es ja 1966 sogar bis nach Bonn, sondern der durchaus "einheimische" Schweinswal (Phocoena phocoena). Schweinswale sind die bei weitem häufigsten Wale in der Nord- und Ostsee. Der Name soll angeblich auf den altgriechischen Philosophen Aristoteles zurückgehen, der vor etwa 2.500 Jahren erkannte, dass es sich bei dem Wal nicht um einen Fisch, sondern um ein Säugetier handelt. Bei einer Sektion soll er festgestellt haben, dass die inneren Organe des Tieres denen eines Schweins ähnlich sind.

Der Schweinswal ist ein Zahnwal, d. h. er verfügt im Gegensatz zu den Bartenwalen, die mit ihren "Barten" Krill aus dem Wasser filtern, über Zähne. Die gewöhnliche Nahrung des Fleischfressers sind Fische, Krebstiere und Tintenfische. Das an der Oberseite schwarz und an der Unterseite weiß gefärbte Tier wird durchschnittlich neun, manchmal bis zu 20 Jahre alt, bis zu 1,85 Meter lang und wiegt ca. 50 Kilogramm. Alternativ wird er auch "Kleiner Tümmler", "Braunfisch" oder "Meerschwein" genannt. Die Tiere vermehren sich im Juni. Dabei kommen die Mütter mit ihren Jungtieren bis ins Flachwasser unmittelbar an der Küste.

Die Jagd auf das Tier ist bereits seit dem Mittelalter belegt. Auch in der Ostsee gehörte der Schweinswal zu den Opfern des Fischfangs. So lässt sich nachweisen, dass es in Königsberg um 1379 einen festgelegten Marktpreis gab, den die "Delfinfischer" für ihren Fang verlangen durften.

Die Population der Kleinen Tümmler ist stark rückläufig. In deutschen Gewässern schätzt man ihre Zahl noch auf ca. 600. Konnte man früher noch größere Walschulen beobachten, die um die Schiffe tummelten, werden sie heute nur noch vereinzelt gesichtet. Ihre Bedrohung in unseren Gewässern ist nicht ein auf sie gezielter Fischfang, sondern dass sie sich als "Kolateralschaden" in den Netzen der Fischer verfangen, nicht mehr zum Atmen auftauchen können und elendig ertrinken. Auch die Munitionsaltlastenbeseitigung in der Nord- und Ostsee, der Lebensraumverlust, die Meeresverschmutzung und der zunehmende Lärmpegel stellen für die Wale eine Bedrohung dar.

Das im September 1991 geschlossene "Abkommen zur Erhaltung der Kleinwale in Nord- und Ostsee" (ASCOBANS) fußt auf der "Bonner Konvention", einem seit 1983 geltendem Übereinkommen zur Erhaltung wandernder wild lebender Tierarten (engl.: CMS). ASCOBANS trat 1994 in Kraft. 1994 wurde der Geltungsbereich um den Nordatlantik und die Irische See erweitert.

ASCOBANS deckt mit Ausnahme des Pottwals alle in dem Gebiet vorkommenden Zahnwalarten ab. Hinter dem Abkommen steckt die Erkenntnis, dass die sich nur langsam fortpflanzenden Wale eines besonderen Schutzes bedürfen, will man ihre Ausrottung verhindern. Die Unterzeichner des Abkommens sind Belgien, Deutschland, Dänemark, Finnland, Frankreich, Litauen, die Niederlande, Polen, Schweden und das Vereinigtes Königreich. Weitere Staaten des Einzugsgebietes haben das Abkommen nicht unterzeichnet, so etwa Estland, Irland, Lettland, Norwegen, Portugal, Russland und Spanien. Das allein zeigt schon, wie schwierig der Schutz der Kleinwale durchzusetzen ist.

Auf der 2. Vertragsstaatenkonferenz von ASCOBANS im Jahre 2002 wurde ein Rettungsplan entwickelt, der den Fortbestand der Schweins- und anderer Kleinwale sichern soll. Zu den empfohlenen Maßnahmen gehören die Senkung des Fischereiaufwandes in bestimmten Fischereiarten, die Beschränkung von Fischfangmethoden mit Fanggeräten, die einen hohen Beifang verursachen, und die Ausrüstung von größeren Booten mit Pingern. Pinger sind Geräte, die akustische Signale aussenden und die Wale von den zur Befischung vorgesehenen Gebieten vertreiben.

Das ASCOBANS-Projekt ist allerdings auch selbst vom Aussterben bedroht. Es gibt Bestrebungen der Bundesregierung in Berlin, das Bonner Sekretariat ganz aufzulösen und es in das ebenfalls in Bonn angesiedelte Umweltprogramm CMS der Vereinten Nationen anzusiedeln. Ab dem 1. Januar 2007 wird dies für einen Zeitraum von drei Jahren zur Probe mit ASCOBANS durchgeführt.

Kritik daran übt der Dipl. Biologe Ansgar Diederichs von der Schutzstation Wattenmeer: "Wir sehen in den Plänen der Bundesregierung eine deutliche Schwächung des Schutzes unseres einzigen heimischen Wales, des Schweinswales. Das CMS kümmert sich weltweit um wandernde Tierarten und wird sich kaum speziell mit den regionalen Belangen der Schweinswale in Nord- und Ostsee befassen können. Der Umweltminister der Bundesrepublik Deutschland sollte seine ablehnende Haltung überdenken und sich für das Sekretariat einsetzen. Ohne eine sachgerechte Umsetzung ist das ASCOBANS-Abkommen das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben ist."

Seit 1999 ist vor Sylt ein spezielles Schweinswalschutzgebiet eingerichtet worden, nicht zuletzt durch die intensiven Bemühungen der Schutzstation Wattenmeer.

Das jetzige gemeinsame UNEP/CMS/ASCOBANS-Sekretariat befindet sich auf dem ehemaligen Regierungsgelände, dem heutigen UN-Campus in der Hermann-Ehlers-Straße.



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