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Bonn passé
Der Stichtag der WocheGeschichte und Geschichten aus Bonn
Wolfgang Guting
Mineralien, Moas und Maori
vor 121 Jahren: 16. August 1887
Der Bonner Neuseelandforscher Julius von Haast (1822-1887) stirbt in Christchurch.
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Am 1. Mai 1822 wird Johann Franz Julius als Sohn der Eheleute Mathias Haast und Anna Eva Theodora Ruth in Bonn geboren. Vater Haast war ein recht erfolgreicher Kaufmann in Bonn und konnte seiner Familie einen gewissen Lebensstandard bieten. Julius, auf die beiden anderen Namen verzichtete der Filius meistens, besuchte in Bonn die Schule und das Ambiente seines Elternhauses weckte in ihm das Interesse an allen möglichen Dingen. So war der Schritt auf die Bonner Universität auch folgerichtig, auf der er Geologie und Mineralogie studierte, es allerdings nicht bis zu einem Abschluss brachte. Statt dessen reiste er gerne und viel in Deutschland umher und verdiente sein erstes eigenes Geld als Händler von Mineralien. Er war auch ein guter Bekannter des Dr. August Krantz, der in Freiburg eine Mineralienhandlung besaß und seine Firma 1850 nach Bonn verlegte.
In Frankfurt lernte er Antonia Johanna Caroline Schmitt kennen, die er vermutlich 1846 ehelichte und die ihm den Sohn Robert gebar. In Frankfurt wurde Julius Haast für eine Weile sesshaft und verdiente sein Einkommen im Buchhandel. Hier erreichte ihn auch 1858 die Anfrage der englischen Reederei Willis, Gann and Company, ob er bereit sei, nach Neuseeland zu reisen und dort die Lebensbedingungen für deutsche Einwanderer zu erkunden. Die Firma beabsichtigte nämlich, in großem Stil ausreisewillige Deutsche nach Neuseeland zu transportieren. Haast sagte zu. Seine Frau war inzwischen verstorben und seinen zehnjährigen Sohn ließ er in Frankfurt bei den Großeltern mütterlicherseits zurück.
Am 21. Dezember 1958 erreichte Julius Haast an Bord des Schiffes "Evening Star" Auckland, wo er am folgenden Tage die Bekanntschaft des Geographen, Geologen und Entdeckers Ferdinand von Hochstetter machte. Hochstetter war im Auftrag der Wiener Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften unterwegs und machte in Neuseeland Station, um den noch weitgehend unerforschten Kontinent zu erschließen. Mit Hochstetter zusammen bereiste Haast das Innere des Landes und auf dieser Reise begann er, nicht nur alles akribisch niederzuschreiben, was er fand, sondern auch, es zu sammeln. Sein daraus resultierendes Buch "Geologie von Neuseeland" war das erste, das die geologische Beschaffenheit des Landes beschrieb und interpretierte. Den Bericht für die Reederei Willis, Gann and Company schrieb Haast auch noch. Er hielt das Land für eine deutsche Besiedlung für ungeeignet. Gründe waren die Bedrohung durch die kriegerischen Aktivitäten der eingeborenen Bevölkerung, der Maori, und die "ärmliche finanzielle Ausstattung der Kolonie".
Haasts in kurzer Zeit gewonnenen Kenntnisse über Neuseeland beeindruckten auch die örtliche Verwaltung derart, dass man ihm eine Stellung als angestellter Geologe anbot, was er auch annahm. Er wurde schließlich in Christchurch, der ältesten Stadt Neuseelands, an der Ostküste in der Region Canterbury gelegen, ansässig. 1861 wurde er britischer Staatsbürger und in Christchurch fand er sein neues privates Glück in Gestalt von Mary Dobson, mit der er am 25. Juni 1863 die Ehe in der St Mary's Church einging. Der Ehe entstammten fünf Söhne und eine Tochter. Haast war Teil des gesellschaftlichen Lebens der Stadt. Er war ein guter Violinist, was er gerne zur Schau stellte. Er setzte sich für eine humanistische und realistische Erziehung ein und betonte die moralische Festigung durch Arbeiten in der Landwirtschaft. Er gründete das Canterbury-Museum, das er mit von ihm gefundenen Skeletten der ausgestorbenen Moa-Vögel vollstopfte. 1861 wurde er Professor für Geologie an der Universität Christchurch.
Sein Andenken ist in Neuseeland auch heute noch in vielen Namen und Orten gegenwärtig. So gibt es den Haast-Pass, den Haast-Fluss oder eine Stadt namens Haast. Er war der Erste, der Überreste des ausgestorbenen Haast-Adlers entdeckte und beschrieb. Aber auch eine Schieferart wird in seinem Andenken als "Haast-Schiefer" bezeichnet. Zudem war Haast auch selbst als Namensgeber aktiv. So benannte er einen Gletscher im Westland National Park, der auf Maori "Ka Roimata o Hinehukatere" heißt, was unseren Zungen nicht gerade entgegenkommt, nach dem österreichischen Kaiser "Franz-Josef-Gletscher". Eine Tat, die übrigens nicht ohne Folgen bleiben sollte, denn derselbe Kaiser versah ihn mit einem Adelstitel, weswegen Haast fortan ein "von" in seinem Namen führte. Vorweg kam dazu noch ein Sir, denn die englische Krone schlug ihn 1887 zum "Ritter des Britischen Imperiums". So endete der geborene Julius Haast als Sir Johann Franz Julius von Haast.
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