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Maria Gräfin von Linden wird Assistentin an der Universität Bonn

Vor 109 Jahren: 01.04.1899
Maria Gräfin von Linden wird zweite Assistentin des "Zoologischen und Vergleichend-Anatomischen Instituts" der Universität Bonn


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Diese auf den ersten Blick nicht ungewöhnlich erscheinende Tatsache erweist sich auf den zweiten Blick als eine Sensation und ist eine der vielen Stufen auf dem beschwerlichen Weg einer Frau in die Welt der Wissenschaft.

Maria Gräfin von Linden wurde am 18. Juli 1869 auf Schloss Burgberg bei Heidenheim im Osten der Schwäbischen Alb geboren. Schon früh fasste sie den Entschluss, sich nicht, wie es der Wille der Eltern war, "in allen, namentlich weiblichen Zweigen der Gutsverwaltung" zu betätigen oder zu heiraten, was einer Frau der Zeit angemessen gewesen wäre. Sie wollte sich der Wissenschaft widmen.

1892 begann sie das Studium der Naturwissenschaften an der Universität Tübingen und war damit die erste Studentin dieser Universität. Allerdings war sie nicht immatrikuliert, sondern durfte an den Vorlesungen und Seminaren nur als Gasthörerin teilnehmen. An der Tübinger Universität erhielt sie 1895 nach nur drei Jahren Studium auch als erste Frau den Doktortitel.

Ihre Schlagfertigkeit, die sie benötigte, um sich in der von Männern dominierten Welt durchzusetzen, demonstriert eine Anekdote aus dem Studium. Ihr Professor Theodor Eimer sprach sie in einer Veranstaltung über die Entstehung menschlichen Lebens mit der Bemerkung an: "Nicht wahr, Gräfle, der Mensch ist aus Dreck geschaffen?", was sie mit "Jawohl, Herr Professor, aber nur der Mann" konterte. Der Titel ihrer Dissertation lautete "Die Entwicklung der Zeichnung und der Sculptur der Gehäuseschnecken des Meeres".

Vom 1. April 1899 an wurde sie auf Vorschlag von Professor Hubert Ludwig als zweite Assistentin am "Zoologischen und Vergleichend-Anatomischen Instituts" der Universität Bonn angestellt. Diese Stelle wurde bis zum 31. März 1906 immer wieder verlängert. Am 5. Mai 1906 wechselte sie von der Philosophischen an die Medizinische Fakultät der Universität Bonn, wo sie zum zweiten Assistenten des Anatomischen Instituts ernannt wurde.

Ebenfalls 1906 reichte die Gräfin ein Gesuch um Habilitation an der Philosophische Fakultät der Bonner Universität ein und bemühte sich um die "Venia legendi", d. h. um das Recht zu unterrichten. Sie war damit die zweite Frau, die sich in Bonn an der Philosophischen Fakultät um die Venia legendi bemühte. Ihr Antrag wurde 1908 vom preußischen Kulturminister abgelehnt, der Frauen allgemein das Recht absprach, sich zu habilitieren. 1910 erhielt Maria Gräfin von Linden zwar dann in Anerkennung ihrer Leistungen doch als erste Frau in Deutschland den Titel "Professor", der aber nicht mit der Lehrbefugnis verbunden war.

Maria Gräfin von Linden wohnte in Bonn im Haus der jüdischen Familie des Physikers Heinrich Hertz. 1933 wurde sie in den Ruhestand versetzt. Sie starb 1936 in Schaan, Liechtenstein.



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