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Bonn passé
Der Stichtag der WocheGeschichte und Geschichten aus Bonn
Wolfgang Guting
Letzte Station eines Workaholic
vor 148 Jahren: 28. Oktober 1860
"Ohne Haß gegen irgend jemand", ohne Schrecken vor dem Tod, scheidet Christian Karl Josias von Bunsen (1791-1860) um fünf Uhr Morgens in Bonn aus dem Leben.
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Er war, wie der Biograph R. Pauli berichtet, ein "in seiner Erscheinung ungemein anziehender Mann", so attraktiv, dass er auf der Reise durch Südfrankreich nach Rom, wo er zu seiner Hochzeit erwartet wurde, für Napoleon gehalten wurde. So viel zum äußeren Erscheinungsbild.
Was den eigentlichen Herrn Bunsen ausmacht, lässt sich allerdings nur schwerlich in wenige Zeilen fassen. Denn Bunsen war ein Senkrechtstarter und ein Tausendsassa, den man mit Fug und Recht mit verschiedenen Tätigkeiten assoziieren kann. Ob man ihn als Diplomat, als Wissenschaftler oder als Theologe bezeichnet, alles hat seine Berechtigung.
Er war offensichtlich sehr sprachbegabt. Schon mit sieben Jahren soll er erste Fremdsprachen erlernt haben. Zu seinem Repertoire gehörten neben geläufigen Sprachen wir Englisch, Italienisch, Arabisch und Französisch auch "Exoten" wie Persisch, Sanskrit oder das Isländische.
Schon mit 17 Jahren studierte er zunächst in Marburg Theologie und Philologie. Mit 21 Jahren erhielt er für eine Arbeit über antikes griechisches Recht einen Fakultätspreis und die Doktorwürde.
Seinen Lebensunterhalt verdiente er hauptsächlich als Privatlehrer für den begüterten New Yorker Zögling W. B. Astor, dessen Vermögen einmal auf damals sagenhafte 5 Millionen Dollar geschätzt wurde. Mit 22 Jahren entwickelte er einen Arbeitsplan zu einer großen Geschichte der Menschheit, die fußend auf seinen Studien "die Idee der Philosophie in ihrem Verhältniß zum Glauben, zur Philologie und Historie" zum Inhalt haben sollte.
In Berlin traf Bunsen auf den deutschen Althistoriker Barthold Georg Niebuhr (1776-1831), der fortan sein Freund und Förderer wurde. Als Niebuhr als preußischer Botschafter an den Vatikan in Rom geschickt wurde, folgte ihm Bunsen als Assistent. Als Niebuhr als Professor an die Universität Bonn berufen wurde, übernahm Bunsen den Posten des Botschafters am Vatikan.
Da sich Bunsen vehement für die Anerkennung evangelisch-katholischer Mischehen beim Vatikan einsetzte und die Glaubensfreiheit propagierte, geriet er dort bald in Misskredit und musste demissionieren. Bunsen empfand seine Entlassung als persönliche Schmach und er übte eine kleine Vergeltung, indem er in seinen ägyptologischen Studien, die er in Rom intensiv betrieb, nachzuweisen versuchte, dass die alte ägyptische Religion dem Evangelischen näher sei als dem Katholischen, d. h. dass die evangelische Religion auf eine größere historische Tiefe zurückblicken kann. Ganz nebenbei regte Bunsen noch die Errichtung eines Bistums in Jerusalem an, das von Protestanten und Anglikanern verwaltet werden sollte.
Darüber hinaus beteiligte er sich auch maßgeblich an dem Aufbau des Deutschen Archäologischen Instituts und des protestantischen Hospitals in Rom. Auch sein privates Glück fand Bunsen in der italienischen Hauptstadt. Die Ehe mit Fanny Waddington aus dem walisischen Monmouthshire sollte ein Leben lang halten.
Nach einem kurzen Aufenthalt in der Schweiz wurde Bunsen 1841 preußischer Botschafter in London. Auch dort arbeitete er weiter an seinen ägyptologischen Studien, die unter dem Titel "Ägyptens Stellung in der Weltgeschichte" von 1844 bis 1857 in sechs Bänden veröffentlicht wurde. Als Politiker setzte er sich für eine engere Beziehung von London und Berlin ein, unterstützte 1848/49 die deutsche Verfassung, sprach sich gegen einen Anschluss Österreichs an das sich gründende deutsche Reich aus, versuchte schlichtend in dem Konflikt zwischen Dänemark und Deutschland über Schleswig-Holstein einzugreifen und bemühte sich nach dem Ausbruch des Krim-Krieges um eine Anbindung Preußens an die westliche Allianz.
Hatte noch Ministerpräsident Manteuffel wegen Bunsens Stellung gegen Österreich vergeblich seine Entlassung als Botschafter in London gefordert, so wurde der Krim-Krieg zu seinem politischen Schwanengesang. Konservative Berliner Kräfte sorgten für seine Abberufung am 5. März 1854, nachdem Bunsen Lord Clarendon ohne Rücksprache in der Heimat zugesichert hatte, dass sich Preußen um die Sicherheit an seiner Nordostgrenze kümmere und "für Rußlands Erniedrigung in der Ostsee" (Pauli) Sorge tragen werde.
Schweren Herzens verließ Bunsen am 17. Juni 1854 England, wo er inzwischen Wurzeln geschlagen hatte und mehrere seiner Kinder verheiratet waren. Nominell wurde er zum Bürger Bonns, doch sollte es noch eine Weile dauern, bis er tatsächlich hier seinen Wohnsitz nahm. Zunächst nutzte er die Chance, bei Heidelberg, außerhalb Preußens, in der Villa Charlottenburg seinen wissenschaftlichen Studien nachzugehen.
In dieser Zeit entstand auch sein wohl wichtigstes Werk, "Die Zeichen der Zeit", wo er die "gesetzliche und religiöse Freiheit" der Menschen zum Maß der Dinge machte. Heftige Erwiderungen beschleunigten letztlich nur den Verkauf des Buches, das in kürzester Zeit drei Auflagen erlebte.
Sein Publikationsdrang wurde durch immer häufiger auftretende asthmatische Beschwerden behindert, die im Winter 1858/59 zu einem Aufenthalt im milden Klima von Cannes führten. Sah es zunächst so aus, als ob eine Besserung eintreten würde, zog er im Mai 1860 nach Bonn, wo er sich einen alten Wunsch erfüllt und eine eigene Wohnung erworben hatte.
Seiner Absicht, als Lehrer der akademischen Jugend zu wirken, konnte er jedoch nicht mehr nachkommen. Am Nachmittag des 1. Dezember 1860 wurde er in der Dämmerung auf dem Alten Friedhof beigesetzt.
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