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Bonn passé

Der Stichtag der Woche
Geschichte und Geschichten aus Bonn
Wolfgang Guting

Isegrims Umtrieb

vor 192 Jahren: 17. März 1817
Die Aussetzung von Kopfprämien soll der Wolfsplage beikommen.


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Mutter schützt Kind
vor angreifendem Wolf

Der Grauwolf (Canis Lupus) ist schon seit ältesten Zeiten in unserer Region heimisch. Seit dem Mittelalter ist er in der Eifel auch literarisch nachgewiesen und es ist kaum anzunehmen, dass sich nicht auch im nahen Kottenforst Wolfsrudel aufhielten. Den Schaden, den die wilden Tiere unter den domestizierten anrichteten, kann man in entsprechenden lokalen Dokumenten nachlesen. Nicht nur das Stall- und Weidevieh wurde zum Opfer der wilden Verwandten des Hundes, auch der Kettenhund, an einer Flucht gehindert, musste der Übermacht der Wölfe oft mit seinem Leben Tribut zahlen.

Doch alles in allem handelt es sich bei der noch bis vor hundertfünfzig Jahren oft zitierten „Wolfsplage“ wohl eher um eine Mär. Die Existenz nachprüfbare Berichte, dass der Wolf eine permanente Bedrohung der Bürger unserer Region gewesen sei, wird von vielen Historikern angezweifelt. Es ist eher davon auszugehen, dass sich der Wolf lieber im Schutz der Wälder aufhielt. Wenn ihm dort auf Grund eines besonders schneereichen Winters die Nahrung knapp wurde, hat er den Schutz der Wälder verlassen und ist bis in die Dörfer gestreunt. Auch der Bonner Dichter Ernst Moritz Arndt berichtete von starken Wolfsvorkommen in der Eifel. Doch auch für Notzeiten sind Angriffe des Wolfes auf den Menschen nicht gesichert belegt.

Das hinderte den Menschen seinerseits allerdings nicht daran, immer wieder regelrechte Hetzjagden auf das Tier zu machen, wovon auch die Stadt Bonn und Umland nicht verschont blieben. Ziel der Wolfsverfolgungen war die systematische Ausrottung, wobei der Ertrag, der durch die gesuchten Wolfspelze erzielt wurde, eine nicht unwillkommene Begleiterscheinung war. Neben der Verwendung für Mäntel und Umhänge, wurde das Wolfsleder bei der Herstellung von Handschuhen und Trommelfellen verwendet. Heute ist die Nutzung der Wolfshaut für wirtschaftliche Zwecke verboten.

Noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Landbevölkerung immer wieder zu organisierten Wolfsjagden mit Hunden, Knüppeln und Äxten zwangsverpflichtet. Eine weitere Methode der Tötung war die Vergiftung des Tieres mittels eines mit Strychnin versetzten Köders, meisten eines Schafes, das man auf die Wechsel des Rudels legte. Der für das Rheinland zuständige französische Präfekt erließ am 15. Januar 1814 die Verordnung, dass allgemeine Treibjagden auf Wölfe zu organisieren seien, für deren Durchführung die jeweiligen Bürgermeister zuständig waren und am 15. Januar 1814 folgte „Friedrich Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen“, mit der Anordnung: „Es sollen alle ackerbautreibende Einsassen, sowohl in den Dörfern als in den Städten, desgleichen diejenigen, welche gar keinen Acker besitzen, jedoch Pferde, Rindvieh oder Schaafe halten, zu den Wolfsjagden Hülfe leisten ...“

Die Anzahl der Berichte über Überfälle von „mordgierigen“ Wolfsrudeln oder Einzeltieren nimmt interessanterweise mit der Systematisierung der Ausrottung des Tieres zu. In dem „preußischen Amtsblatt des Rhein-Mosel-Departements (Bezirk Coblenz)“ vom 24. Juli 1815 wird z. B. aus dem Kreis Bonn berichtet: „Am gestrigen Tage wurde eine Wölfin bei den Orten Nettelhoven und Dernau im Kreise Bonn gesehen, die 8 Landleute anfiel, die teilweise 20 und mehr Wunden trugen. Schon selbst mit Sensenhieben verwundet und von der aufgebotenen Mannschaft der Bürgermiliz lebhaft verfolgt, durchschwamm dieses Untier noch bei Walporzheim die Ahr und ward auf dem jenseitigen Ufer von einem jungen Menschen namens Raatz aus besagter Gemeinde vermittelst einer Heugabel getötet." Über die Heugabel als Waffe darf man in diesem Zusammenhang nicht verwundert sein, wurde doch jedem Bürger, der außerhalb gewohnter Pfade und Zeiten unterwegs war, empfohlen, sich mit einer solchen zu bewaffnen.

In Bonn erinnern heute noch einige Stra0ennamen an den Isegrim. Z. B. die Wolfstraße, früher Wolfsgäßchen, zwischen Breite Straße und Heerstraße und die Wolfsgasse, in Schwarzrheindorf/Vilich-Rheindorf zwischen Rheinaustraße und dem Hochwasserschutzdeich.

Die Bedrohung wurde in der Stadt offenbar so gewaltig empfunden, dass auch hier am 17. März 1817 ein Kopfgeld für die Erlegung eines Wolfes ausgesetzt wurde Je nach Größe, Geschlecht und Alter/Gewicht des Tieres, konnte der erfolgreiche Jäger zwischen einem und zwölf Talern preußisch Courant einstreichen. Da man den Wert eines Talers preußisch Courant auf ungefähr 30 Euro ansetzen kann, – ich bitte, diese Umrechnung unter keinen Umständen als exakt anzusehen – konnte ein entsprechendes Tier die Haushaltskasse eines wenig begüterten Ackerers schon beträchtlich aufbessern.

Der letzte Wolf in der hiesigen Region wurde 1883 bei Blankenheim durch einen gezielten Schuss niedergestreckt. Seit 1904 galt der Wolf in Deutschland als ausgerottet. In den letzten zwanzig Jahren gibt es jedoch so etwas wie eine kleine Renaissance der Wölfe auf deutschem Boden. Es werden vorwiegend im Osten wieder vereinzelte Tiere und auch Rudel gesichtet, die vermutlich aus Polen stammen.


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