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Bonn passé
Der Stichtag der WocheGeschichte und Geschichten aus Bonn
Wolfgang Guting
In Lyon wird der Prozess gegen Klaus Barbie eröffnet
Vor 21 Jahren: 11. Mai 1987
Klaus Barbie, bekannt als "Schlächter von Lyon", wird in Lyon wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor Gericht gestellt.
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Nicht an jeden ihrer Söhne erinnert sich eine Stadt gerne und wenn man eine Rangfolge der am liebsten Vergessenen der Stadt Bonn aufstellen würde, wäre Barbie verdientermaßen unter den ersten drei.
Barbie wurde am 25. Oktober 1913 in Bad Godesberg als unehelicher Sohn des Lehrers Nikolaus Barbie und der Lehrerin Anna Hees geboren. Kindheit und Jugend, die er in der Eifel verbrachte, verliefen eher unauffällig. Die Wende erfolgte 1934, als er in einem Arbeitslager in Schleswig-Holstein zu einem fanatischen Anhänger des Nationalsozialismus wurde. 1935 begegnete er Himmler und wird Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes (SD) in Berlin, wo die Verfolgung von Juden und Homosexuellen zu seiner Aufgabe und Passion wurde. Sein Eintritt in die NSDAP erfolgte aber erst 1937. 1940 wurde er dem SD in Amsterdam zugewiesen und 1942 übernimmt er in Lyon die Leitung der IV. Sektion der Sipo (Sicherheitspolizei) und des SD.
In Lyon hatte er die Suite 68 im zweiten Stock des Hotels Terminus gemietet, von wo aus er seine unmenschlichen Greueltaten koordinierte. Sein Biograph Tom Bower spricht von "Orgien unsäglich scheußlicher Gemeinheiten". Spiegel-Autor Heinz Höhne beschreibt "schauerliche Szenen": "Nackte Frauen, die bis zur Bewusstlosigkeit geprügelt und dann von Hunden sexuell missbraucht wurden, katholische Pfarrer, die Barbie mit Elektroschocks quälte und an den Füßen aufhängen ließ, bis ihnen das Blut aus Mund, Nase und Ohren schoss, Kinder, die er Tag für Tag prügelte und hungern ließ." Während der 21 Monate seiner Schreckensherrschaft in Lyon gab es 14.311 Verhaftungen, 7.591 Deportationen und 4.342 Hinrichtungen. So berichtet der Spiegel: "Tausende Männer, Frauen und Kinder soll Barbie gefoltert, in Vernichtungslager verschickt oder gleich selbst getötet haben."
Kurz vor Kriegsende kehrte Barbie nach Deutschland zurück. 1947 wurde er Agent des US-amerikanischen Geheimdienstes CIC, mit dessen Hilfe ihm schließlich die Flucht nach Bolivien gelang, wo er fortan unter dem Namen Klaus Altmann lebte. Dort wirkte er für das bolivianische Innenministerium u. a. bei der Bekämpfung des argentinischen Guerrilleros Che Guevara. Als 1982 die Militärdiktatur in Bolivien durch den demokratisch gewählten Präsidenten Hernán Siles Zuazo abgelöst wurde, wurde Barbie 1983 nach Frankreich ausgeliefert.
Dort war er inzwischen in Abwesenheit mehrfach zum Tode verurteilt worden. Ein weiterer Prozess, der weltweit für Aufsehen sorgte, diesmal in Anwesenheit des Angeklagten, begann am 11. Mai 1987 in Lyon. Am 4. Juli 1987 wurde er wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit zu lebenslanger Haft verurteilt. Ohne jemals ein Wort der Reue geäußert zu haben starb er am 25. September 1991 im Gefängnis in Lyon an Krebs.
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