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Bonn passé

Der Stichtag der Woche
Geschichte und Geschichten aus Bonn
Wolfgang Guting

Ich bin dann mal weg

vor 64 Jahren: 6./7. März 1945
Nazi-Bürgermeister Alef verlässt Godesberg.


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Alef und Hitler vor dem Dreesen, 1938

Die große Stunde des am 31. Oktober 1897 in Impekoven geborenen Heinrich Alef schlug am 14. März 1933, als er in Godesberg in Abwesenheit der SPD- und KPD-Abgeordneten zum Bürgermeister gewählt wurde. Zwar hatte seine Partei, die NSDAP, keine Mehrheit, doch die Uhren der Zeit gingen anders. Der rechtmäßige Bürgermeister, Josef Zander, war von den Nazis einfach beurlaubt worden.

Alef war NSDAP-Parteimitglied der ersten Stunde. Schon am 1. August 1930 trat er der Partei bei. Zu diesem Zeitpunkt hatte er nach dem Besuch eines Bonner Gymnasiums als Soldat am 1. Weltkrieg teilgenommen, war in einer Bonner Baustoffhandlung beschäftigt gewesen und verdiente als selbständiger Kaufmann seinen Unterhalt. Er avancierte zum NSDAP-Ortsgruppenleiter in Witterschlick/Duisdorf und in Mehlem sowie zum Kreisamtsleiter der NSDAP für Kommunalpolitik.

Damals phantasierte der lokale Stellvertreter des "größten Führers aller Zeiten" über die Zukunft Godesbergs mit den Worten: "Die Auswirkungen der nationalen Revolution vom 30. Januar werden erst die Kinder und Enkel ernten". Das werden die Opfer des Nationalsozialismus etwas anders sehen.  Denn Alef setzte die braunen Vorgaben in Godesberg unerschütterlich um. Der Bad Godesberger Entnazifizierungsausschuss bescheinigte ihm jedenfalls 1949: "Alef war echter Nationalsozialist, egoistisch und terroristisch", und: "Nach den von Alef vorgelegten Gutachten hat er in einzelnen Fällen aus gewissen Gründen eine Ausnahme gemacht; aber die in Godesberg alteingesessenen jüdischen Familien sind alle restlos ausgerottet worden und kein Alef hat sich darum gekümmert."

Mit Hitler verstand sich Alef prächtig. Hitlers Affinität zum Rhein, dem deutschen Strome, führte dazu, dass er immer wieder hierher kam. Dabei war Bonn allerdings in Ungnade gefallen, hatte doch das Hotel Königshof ihm vor der Machtergreifung die Unterkunft verweigert. So wurde das Rheinhotel Dreesen die Bleibe des Diktators, wenn er hier weilte. Bei seinem ersten Besuch 1926 trug er sich noch als "staatenloser Schriftsteller" ein. Insgesamt logierte Hitler über 70 Mal im Dreesen, das somit auch zu einem Tummelplatz von allerlei Nazi-Größen wurde. Alef ließ es sich nicht nehmen, sich bei diesen Gelegenheiten mit diversen der Braunen ablichten zu lassen.

So wie Alef bei all diesen Gelegenheiten präsent war, so war er in der Stunde der Wahrheit ... weg. Als die Amerikaner am 6. März 1945 kurz vor Bonn standen, diktierte Alef seinem stellvertretenden Bürgermeister Ditz: "Die Städte Bonn und Bad Godesberg werden bis auf den letzten Mann verteidigt", was im Klartext bedeutete, in der Stadt solle schließlich kein Stein mehr auf dem anderen stehen. Alef selber, so teilte er weiter mit, werde die Stadt am folgenden Tag verlassen, was a) "nicht aus Feigheit, sondern aus Selbsterhaltungstrieb" geschehe, b) schon allein deshalb unumgänglich sei, weil er ja noch gebraucht werde und c) im Übrigen ein Befehl von höchster Stelle sei.

Doch es kam anders. Nach der Flucht Alefs konnte Ditz den kommandierenden General Schimpf zur Kapitulation überreden. Bad Godesberg wurde den Amerikanern am 8. März Mittags kampflos übergeben.

Alefs politische Karriere war damit mitnichten zu Ende. In den 50er Jahren war er in der FDP im Landkreis Altena aktiv und Kreistagsmitglied in Meinerzhagen. Er klagte auch noch auf eine Pension aus seiner Tätigkeit als Bürgermeister von Bad Godesberg, das er in Schutt und Asche legen lassen wollte. Doch das wurde ihm letztinstanzlich vom Bundesverwaltungsgericht verwehrt. Sein Leben endete am 29. September 1966 bei einem Autounfall in der Nähe von Unna.


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