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Bonn passé

Der Stichtag der Woche
Geschichte und Geschichten aus Bonn
Wolfgang Guting

Götterdämmerung in der Rheinaue

vor 108 Jahren: 18. Januar 1901
In der Gronau wird der Bismarckturm eingeweiht.


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Bismarckturm_Gronau.jpg

Der Bismarckturm in der Gronau
auf einer Ansichtskarte von 1905

1890 entließ Kaiser Wilhelm II. den Reichskanzler Otto von Bismarck (1815-1898) aus seinem Amt. Der bei dem Kaiser in Ungnade gefallene Ex-Kanzler erfreute sich aber bei großen Teilen der Bevölkerung einer immensen Popularität. Davon geben zahlreiche Benennungen Zeugnis, wie z. B. der Bismarck-Hering, der noch heute so heißt, aber auch über 550 Bismarck-Denkmäler und 240 gezählte Bismarck-Türme. An Türmen waren sogar über 410 geplant, deren Bau durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges verhindert wurde.

Einer der ersten Bismarcktürme, einer von 15, die noch zu Lebzeiten des Geehrten errichtet wurden, war ein 15,3 Meter hoher Holzturm, der von dem Kommerzienrat Ernst Rolffs aus Poppelsdorf 1894 in Kessenich errichtet wurde. Er diente als Aussichtsplattform für einen Blick ins Rheintal. Heute steht er nicht mehr und das Datum seines Abrisses ist unbekannt.

Federführend bei Planung des Baus von Bismarcktürmen war die Bonner Burschenschaft, allen voran die Burschenschaft Alemannia zu Bonn. Zum 78. Geburtstag des Fürsten machte sich eine Deputation von Bonn nach Gut Friedrichsruh auf, wo sie von Bismarck freundlich begrüßt wurde. Die Studenten überreichten eine kostbare Mappe mit vergoldeten Beschlägen. Inhalt waren 30 Blätter mit einer Widmung und den Unterschriften der Studenten. Beeindruckt von dieser Begegnung planten die Studenten, am 80. Geburtstag Bismarcks eine Kundgebung an allen deutschen Hochschulen zu veranstalten.

Zur Planung des Unternehmens wurde am 15. Dezember 1894 eine Versammlung in Berlin einberufen, die unter der Leitung des Bonner Alemannen Alexander Pflüger die Huldigung organisieren sollte. So machten sich am 1. April 1895 6.000 Studenten, die mit Sonderzügen aus allen Teilen des Reiches herbeigekarrt worden waren, nach Aumühle auf, wo der Ex-Kanzler verweilte.

Diesmal wurde Bismarck ein Holztisch überreicht, in dessen Mitte, umrahmt von den Wappen der Universitäten und einem Emaillebildnis des Geehrten, ein Fass Bier Platz hatte. Auch ein eigens in einem Wettbewerb gekürtes Lied, "Horch, Sturmesflügel rauschen", wurde dargebracht. Gleichzeitig wurde Bismarck in 394 Städten des deutschen Reiches zum Ehrenbürger ernannt. Es soll aber nicht unerwähnt bleiben, dass es gegen diese Verehrungsorgien auch durchaus Protest gab, vornehmlich aus den Reihen der katholischen Kirche und der Sozialdemokratie.

O. Oppermann, ein Chronist der Burschenschaft Alemannia, brachte den Eindruck, den die Begegnung mit Bismarck auf sie gemacht hatte, auf den Punkt: "Für die deutsche Studentenschaft bedeutet der 1. April 1895 den Beginn einer neuen Epoche. Zum ersten Mal seit dem Wartburgfest von 1817 war sie mit einer vaterländischen Kundgebung großen Stils hervorgetreten."

Als 1898 der "Abgott der deutschen Jugend" starb, rief die Bonner Alemannia zu einer Versammlung aller Universitäten in Hamburg ein. Ziel war es, "dem großen Altreichskanzler einen bleibenden Gedenktag der deutschen Studentenschaft zu weihen". Ein Vorschlag des Aachener Bildhauers Christian Lehr lautete, eine ganze Serie von Monumenten zu errichten, von "deren Spitzen an dem geplanten Gedenktage mächtige Feuerflammen weithin durch die Nacht lodern sollten". Damit war die Idee der Bismarcksäulen geboren.

In einem Wettbewerb wurde ein entsprechendes Modell für die Säulen gesucht und in dem Vorschlag von Wilhelm Kreis gefunden. Das Besondere an diesem wuchtigen Gebilde war die Feuerschale auf dem Kopf des Turmes. Hier sollten an einem bestimmten Tag im ganzen Reich die Flammen zu Ehren Bismarcks lodern. Doch ein Problem war der Termin. Sowohl der Geburtstag des Altkanzlers, der 1. April, wie auch der Todestag, der 30. August, fallen in die Semesterferien und die Studenten sahen sich außer Stande, in ihrer "Freizeit" das Feuer zu entfachen.

Trotz solcher kleiner Unstimmigkeiten machte man sich in Bonn an die Errichtung einer Feuersäule. Als Ort wurde ein städtisches Grundstück in der Gronau ausgewählt, der heute in der Rheinaue nahe des Schiffchensees liegt. Das Grundstück wurde von der Stadt kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Grundsteinlegung erfolgte am 21. Juni 1900.

Nach dem Vorbild des Entwurfes von Wilhelm Kreis wurde von den Firmen J. Spettmann und J. Runge hier der 13 Meter hohe Turm aus Basaltlava errichtet. Zur Rheinseite hin brachte man ein Relief mit dem Reichsadler und dem Wappen derer von Bismarcks an. Durch eine Tür in der Rückseite gelangt man in das Innere des Gebäudes, von wo aus man über Steigeisen bis zu dessen Spitze klettern kann. Hier befindet sich die seinerzeit 660 Mark teure, fest eingemauerte, schmiedeeiserne Feuerschale.

Am 18. Januar 1901 erfolgte die öffentliche Einweihung. Die erste Befeuerung wurde mit einer Mischung aus Holz, Teer und Petroleum vorgenommen. Bei späteren Gelegenheiten verfeuerte man mit Gasöl getränktes Holz, was eine Brenndauer von vier bis fünf Stunden garantierte.

Nach der Fertigstellung wurde der Turm der Stadt Bonn mit der Verpflichtung übertragen, für seine Instandhaltung zu sorgen. Eine Sanierung fand zuletzt aus Anlass der 2000-Jahr-Feier der Stadt 1989 statt. Ein weiterer Bismarckturm auf Bonner Stadtgebiet, eingeweiht 1902, befindet sich in Bad Godesberg.



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