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Bonn passé

Der Stichtag der Woche
Geschichte und Geschichten aus Bonn
Wolfgang Guting

Erstes bedeutendes Datum deutscher Geschichte

vor 1088 Jahren: 7. November 921
Auf dem Rhein treffen sich die Könige Karl III. und Heinrich I. und beschließen den Vertrag von Bonn.


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Heinrich_u_Karl.jpg

Begegnung Heinrichs I.
mit Karl III. von Frankreich
in Bonn 921. Gemälde von
Ferdinand Keller.

Schon seit dem 4. November liegen sich auf Bonner Seite die Truppen des „französischen“ Königs Karl III. und auf Beueler Seite die des „deutschen“ Königs Heinrich I. gegenüber. Man beäugt sich misstrauisch. Zwar ist man gekommen, um einen Friedensvertrag zu schließen, doch man weiß ja nie...

Heinrich, mit dem Beinamen „der Vogler“, war erst seit ca. 2 Jahren im Amt. Die Legende will, dass man ihm die Nachricht seiner Wahl zum König des ostfränkischen Reiches überbrachte, als er nahe Quedlingburg vor einer Scheune sitzend einen Fang Singvögel aus einem Netz holte. Daher der Beiname „der Vogler“. Wahrscheinlicher aber ist, dass der Name von der Jagd mit Greifvögeln, der Beizjagd, stammt, die sich im Mittelalter ausgesprochener Beliebtheit erfreute. Auch Karl hatte einen Beinamen, „der Einfältige“. Dieser wurde ihm allerdings erst posthum verliehen, angeblich deswegen, weil er sich in Bonn von Heinrich über den Tisch ziehen ließ.

Zur Debatte stand das Erbe Karls des Großen. Das von ihm hinterlassene riesige Reich war durch Erbfolgen inzwischen in den west- und ostfränkischen Teil zerfallen und dazwischen lag als dritter Teil Lothringen, zu dem auch Bonn gehörte. Doch es gab andauernde Streitigkeiten besonders zwischen dem Osten und den Westen. Zudem gab es immer wieder Herzogtümer, die aufmuckten. Insbesondere ist hier das widerspenstige Bayern unter Herzog Arnulf „dem Bösen“ zu nennen, der Heinrich sogar zum Zweikampf herausgefordert hatte. Zu diesen „innenpolitischen“ Querelen gesellten sich noch „außenpolitische“. Alle Teile des Frankenreiches litten unter den sporadischen Einfällen der Normannen, die hier gerne auf Beutezug gingen. Heinrich hatte darüber hinaus noch die Magyaren am Hals, die ihrerseits gerne zwecks Plünderung ins Ostfrankenreich einfielen. Was Wunder also, dass Heinrich, dem man großes diplomatisches Geschick attestierte, auf den Gedanken kam, zumindest einen der Unruheherde zu eliminieren. Ein Frieden mit dem Westen würde ihm die Gelegenheit geben, sich auf die anderen Aufgaben zu konzentrieren. Ähnliche Überlegungen dürften auch Karl dazu bewogen haben, dem Treffen zuzustimmen.

Nachdem man sich also nun in Bonn, durch den Rhein getrennt, schon drei Tage gegenüberlag und es zu keinerlei feindlichen Handlungen gekommen war, stand dem Treffen nichts mehr im Wege. Natürlich an einem neutralen Ort! Der Rhein galt als neutral und man verankerte ein Schiff im Norden des Ortes, ungefähr da, wo einst der Römerhafen war. Wie genau das Treffen ausgesehen hat, weiß man nicht. Der deutsche Heinrich allerdings war als trinkfest bekannt und es gibt Spekulationen, dass er den französischen Regenten schlichtweg unter den Tisch gesoffen habe. Andere wiederum behaupten, dass Karl, der eigentlich in der stärkeren Position war, einfach umsichtig und friedfertig gewesen sei und daher dem Vertrag zugestimmt habe.

Der Vertrag besiegelte jedenfalls unter den Augen von kirchlichen und weltlichen Fürsten beider Teile des Reiches die Freundschaft zwischen Karl und Heinrich, was einem Nichtangriffspakt gleichkam. Die de facto existierende Trennung wurde vertraglich besiegelt. Oder anders ausgedrückt: Frankreich und Deutschland erkannten sich ohne Ansprüche auf das Gebiet des Anderen an, wobei der Rhein als natürliche Grenze galt. Es gibt Stimmen die diesen als „Vertrag von Bonn“ oder „Bonner Vertrag“ in die Geschichte eingegangenen Pakt  als das erste bedeutende Datum in der deutschen Geschichte bezeichnen.

So ganz waren die Querelen allerdings noch nicht beigelegt. Das linksrheinische Bonn gehörte ja nach dem Vertrag zu Frankreich und der rechtsrheinische Teil des heutigen Bonn zu Deutschland. Nur vier Jahre später, 925, wurden das Rheinland endgültig dem werdenden Deutschen Reich zugeschlagen.


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