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Bonn passé
Der Stichtag der WocheGeschichte und Geschichten aus Bonn
Wolfgang Guting
Ein Sängerleben
vor 134 Jahren: 15. Oktober 1874
In Köln geboren, in Endenich verstorben: Der Tenor Theodor Formes.
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In der damals noch selbstständigen Stadt Mühlheim, heute ein Stadtteil von Köln, wohnte die Familie Formes, an die heute noch die Formesstraße erinnert. Die Familie wurde mit dem Beinamen die "Sängerfamilie" belegt, weil sie mit Karl (1810-1889) und dem jüngeren Theodor, geboren am 29. Juni 1826, zwei weltweit bekannte Opernsänger hervorbrachte. Ohne Zweifel war Karl der berühmtere von beiden, schließlich schrieb Otto Nicolai eigens für ihn die Rolle des Falstaff in seine Oper "Die lustigen Weibern von Windsor".
Doch auch der 16 Jahre jüngere Theodor konnte auf eine beachtliche Karriere zurückblicken und folgte oft den Spuren des Bruders. Theodor erhielt seine Ausbildung in Wien, wo Karl seit 1845 am Hofoperntheater als Bass angestellt war. Auch Theodor begann seine Ausbildung als Bass, wurde aber schließlich Tenor.
Sein Debüt gab er 1846 als Sir Edgardo di Ravenswood in der Donizetti-Oper "Lucia di Lammermoor" zu Ofen, dem heutigen Buda von Budapest. Nach einem kurzen Gastspiel am Stadttheater von Olmütz ging er nach Wien an das Hofoperntheater und "trat hier unter fortwährend sich steigerndem Beifall auf", wie der Brockhaus zu berichten wusste. "Der Ton seiner Stimme ist voll Metall und Klang und dabei von der größten Ausdauer."
Als Theodor und Karl 1848 in Folge der politischen Wirren Wien verlassen mussten, waren für Theodor weitere Stationen Mannheim und Berlin. Daneben folgten Gastspiele in London und den deutschen Städten. Theodor war im Auftreten und im Aussehen genau das, was man sich unter einem Tenor vorstellte. Seine Eitelkeit ging gar so weit dass ein Kritiker einmal bemerkte, dass die Lackstiefel, die Theodor Formes in Donizettis Lucia trug, ein "glänzendes Hindernis der tragischen Wirkung" seien.
Seine Wirkung auf die Damenwelt verfehlte er allerdings nicht. Als Beweis sei hier eine Notiz von Bertha von Suttner angeführt: "Ich war an meinem elften Geburtstag zum erstenmal ins Theater geführt worden. Man gab die 'Weiße Dame'. Nein, dieser George Brown! ('welche Lust, Soldat zu sein!') Ja, das ist doch der schönste Stand - nächst dem Operntenorstand. Denn etwas Hinreißenderes als diesen Sänger - ich weiß sogar noch seinen Namen, Theodor Formes, der Eindruck muss also tief gewesen sein -, etwas Ritterlicheres hatte ich mir nie träumen lassen. So mußte der mir bestimmte Prinz aussehen. Er mußte nicht einmal Prinz sein, nur womöglich, wenn nicht Tenor - Herrn Formes hätte ich keinen Korb gegeben -, so jedenfalls Soldat."
1857 gingen Theodor und Karl nach Amerika, wo Karl ebenfalls eine veritable Karriere verfolgen konnte. Theodors Weg verlief allerdings von da ab, der große Erfolg in Amerika blieb aus, nicht mehr gradlinig. Zurück in Deutschland verlor er seine Stimme und er geriet fast gänzlich in Vergessenheit. Sein Bekanntheitsgrad fiel zumindest deutlich hinter dem seiner Gattin, der königlich preussischen Hofschauspielerin Auguste Formes, geborene Arens, zurück.
Nachdem er zeitweilig seine Stimme wieder erlangte absolvierte er ein formidables Gastspiel an der Berliner Krolloper, was ihm eine erneute Anstellung als erster Tenor am Berliner Opernhaus einbrachte. Doch das Schicksal meinte es anders mit dem Heldentenor. Nach noch nicht einmal einem Jahr zeigten sich Symptome einer Geistesstörung, die schließlich zu seiner Einweisung in die Irrenanstalt in Endenich führte. Hier verstarb Theodor Formes am 15. Oktober 1874.
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