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Bonn passé
Der Stichtag der WocheGeschichte und Geschichten aus Bonn
Wolfgang Guting
Ein Hopser auf der Wiese
Vor 99 Jahren: 17. Juli 1909
Das in der Ermekeilkaserne gebaute Aeroplan des Fritz Pullig (1887-1963) geht in die Luft.
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In der Ermekeilkaserne hauste 1909 das 2. Bataillon des 160. Infanterie-Regiments mit einer Belegschaft von ungefähr 600 Soldaten. In der Öffentlichkeit waren die Soldaten vorwiegend dadurch bekannt, dass sie Kaiser Wilhelm II. eskortierten, der ja 1877-1879 in Bonn innerhalb von vier Semestern 13 verschiedene Fächer studiert hatte. Einer der Soldaten der Ermekeilkaserne war der 1887 in Betzdorf im Westerwald geborene Fritz Pullig.
Er hatte 1909 seinen Militärdienst bereits absolviert. Bei Aufenthalten in Frankreich war er mit einigen der dortigen "Aviatiker", so hießen die Könige der Lüfte seinerzeit, bekannt geworden und beschloss, einen eigenen Flugapparat zu bauen. Als Ehemaliger erhielt er die Gelegenheit, dieses Vorhaben in der Exerzierhalle der Kaserne durchzuführen. Sein Plan war die Konstruktion eines Gleitflugzeuges, das sich nur vom Wind getrieben durch die Lüfte bewegen konnte. Pullig schleppte Holz und Klaviersaiten auf das Militärgelände und aus diesen Materialien entstand sein Segelflugzeug.
Am Samstag, den 17. Juli 1909, startete Pullig zu seinem zweiten Versuch, sich mittels eines von ihm gebauten Apparates in die Lüfte zu erheben. Ein erster Versuch im April des Jahres war gescheitert. Der Holm, an dem das Schleppseil befestigt war, war gebrochen und nach einem kurzen Sprung setzte der Gleiter unsanft auf. Die Trümmer des Flugapparates wurden von Schaulustigen aufgesammelt und als Souvenirs mit nach Hause genommen.
Jetzt aber sollte alles anders werden. Mit einem Pferdefuhrwerk transportierte Pullig seine zerlegte Konstruktion auf die Hangelarer Heide, die den Soldaten der Ermekeilkaserne als Exerzierplatz diente. Er benötigte drei Stunden, um die Teile zusammenzusetzen. Dann erhob sich der Gleiter von einem Automobil aus den Frankfurter Adler-Werken gezogen in die Luft. Er stieg auf eine Höhe von ca. sechs Metern und legte die damals sensationelle Weite von ca. 400 Metern zurück. Die Flugdauer betrug etwa 40 Sekunden. Pullig soll das Ereignis so beschrieben haben: "Trotzdem der Himmel nicht ganz so einladend war, beschloss ich doch zu starten. Nach 100 Metern versuchte ich vom Boden weg zu kommen, aber das Höhenruder reagierte noch nicht. Nach weiteren 200 Metern klappte es, es klappte sogar wunderbar."
Dieser Flug war nicht nur einer der ersten gelungenen Gleitflüge überhaupt, er war auch die Geburtsstunde des Hangelarer Flugplatzes, dem ältesten Flughafen Deutschlands. Pullig unternahm hier noch weitere Flugversuche, bis Ende des Monats das Flugzeug bei einem Unfall völlig zerstört wurde. Pullig kam mit leichten Verletzungen davon, baute jedoch kein weiteres Flugzeug mehr. Er zog sich in seine Heimat im Westerwald zurück.
Das Fliegen ließ er jedoch nicht. 1912 flog er in Motorfliegern und ab 1913 war er Fluglehrer. Seine neue Liebe wurden die Automobile. Er fuhr Autorennen und verdiente sein Brot als Autotester. Insgesamt testete er 345 Autotypen. 1963 ereilte ihn der Herztod in einer Garage in Mainz hinter dem Steuer seines Wagens.
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