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Bonn passé

Der Stichtag der Woche
Geschichte und Geschichten aus Bonn
Wolfgang Guting

Die Äbtissin

vor 994/991 Jahren: 5. Februar 1015/1018
Adelheid von Vilich (ca. 970-1015/1018) stirbt in Köln.


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Adelheid.jpg

Auszug aus einem Pilgerblatt
mit Adelheid von Vilich
vor den Wallfahrtsstätten
in Pützchen und Vilich,
Kupferstich, Köln 1718

Der Weg der jungen Adelheid wurde bereits von den Eltern vorgezeichnet und vorbereit. Vater Meginhard IV. von Hamaland, auch als Megingoz von Geldern (ca.920-998/999) bekannt, wurde 944 aktenkundig. Aus diesem Jahr stammt eine Urkunde des Königs Otto I. (912-973), die besagt, dass Megingoz Teilnehmer an einer Verschwörung Heinrichs I. (919/922-955), dem Bruder von Otto I., teilnahm. Ziel war der Sturz des Königs. Das Unternehmen misslang jedoch gründlich und die Konspiranten Heinrichs I. wurden mit Ächtung, Enthebung aus allen Ämtern  und der Konfiszierung ihres Eigentums bestraft.

944 wurde Megingoz begnadigt. Es mag sein, dass die Ehe von Megingoz mit Gerberga, einer Tochter von Gottfried von Jülich und über mehrere Ecke mit König Otto I. verwandt, dazu beitrug. Das genaue Ausmaß der Begnadigung ist unbekannt. Sicher ist jedoch, dass zumindest ein Teil der Besitztümer an Megingoz zurückfiel. Und dieser Umstand sollte für das Leben von Adelheid nicht ohne Bedeutung sein.

Der Ehe von Megingoz und Gerberga entstammten die Töchter Irmentrud, Adelheid, Albrada und Bertrada, sowie als Stammhalter Sohn Gottfried. Als Stammsitz der Familie wird die alte Burg bei Pont an der Niers, einem heutigen Stadtteil von Geldern, angenommen. Hier soll Adelheid geboren worden sein und ihre Kindheit verbracht haben. Megingoz verwaltete von hier aus seine Ländereien und bei der Bevölkerung soll er als "erfahren" und "verantwortungsvoll" bekannt gewesen sein. Adelheid wurde alsbald an das Stift St. Ursula in Köln übergeben, wo sie eine fromme Erziehung genoss.

Sohn Gottfried suchte dagegen sein Glück als Ritter im Gefolge von Kaiser Otto II. (955- 983). In einem Feldzug gegen die Böhmen wurde jung Gottfried 978 von einem Pfeil am Kopf getroffen. Die Verletzung des Ritters erwies sich als tödlich und sein Leichnam wurde unter vielen Mühen in die Heimat überführt, um in der Nähe der Seinen eine letzte Ruhestatt zu finden.

Megingoz und Gerberga kamen über den Verlust ihres einzigen Sohnes nicht hinweg. Mit ihm war der angestammte Erbe des Familienbesitzes und somit auch die weltliche Zukunft der Familie gegangen. Der Überlieferung nach, soll Megingoz beschlossen haben, dass Gott, der ihnen den Sohn genommen hat, nun auch seinen Erbteil erhalten soll. Sie verzichteten fortan auf die eheliche Gemeinschaft. In Vilich, das mit zu ihren Besitztümern gehörte, erbauten sie eine neue Kirche und ein Kloster, in das sich Gerberga zurückzog, während Megingoz in Geldern blieb und seine Verwaltungsaufgaben wahrnahm. Gerberga persönlich überwachte den Bau des Klosters in Vilich. Sie stirbt um 995 und wird in Vilich begraben, wohin auch der Leichnam von Megingoz, der drei Jahre später ebenfalls verschied, überführt wurde. Auch der Körper von Sohn Gottfried fand dort schließlich seine letzte Ruhe.

Adelheid war derweil von den Stiftsdamen in Köln auf den Stand der Frauenbildung der Zeit gebracht worden. Auch als sie schließlich Äbtissin des Klosters in Vilich wurde, war sie den Wissenschaften und den Künsten gegenüber aufgeschlossen. Dem Kloster war eine Schule angeschlossen, an dessen Unterricht sie selbst des Öfteren teilnahm, um sich von den Fortschritten der Schülerinnen zu überzeugen. Eine der Schülerinnen, Berta, ist Autorin des in lateinischer Reimprosa verfassten Buches "Vita Sanctae Adelheydis Virginis" (1057), aus dem wir das Meiste über das Leben von Adelheid wissen.

Adelheid genoss bei der Bevölkerung wohl ein großes Ansehen. Die Legende will, dass sie während einer großen Dürre um das Jahr 1000 in Pützchen unterwegs war, um Essen an die hungernde Bevölkerung zu verteilen. Als die Menge sie anflehte, sie von ihrem Unglück zu befreien, schickte Adelheid Stoßgebete zum Himmel und schlug mit ihrem Äbtissinnenstab auf den Boden. An dieser Stelle schoss ein Wasserstrahl empor. Das ist die Entstehung der Adelheidisquelle. Das Wasser der Quelle galt als Heilmittel  gegen Augenleiden. Bis heute ist die Quelle Ziel von Wallfahrten. Durch diese Wallfahrten entstand auch das heute noch existierende größte Volksfest der Region, "Pützchens Markt".

Nach ihrem Tod am 5 Februar 1015 oder 1018 wurde sie in der Vilicher Stiftskirche begraben. Der Sarkophag ist allerdings leer. Man vermutet, dass die Gebeine bereits während des Truchsessischen Krieges um 1650 geraubt wurden. Vorhanden sind nur noch einzelne Reliquien, wie z.B. ein Armknochen, der jedes Jahr am Adelheidisfest gezeigt wird.

Papst Paul VI. sprach Adelheid von Vilich am 27. Januar 1966 heilig. Der 5. Februar ist heute ihr Gedenktag.

Eine der von Karl Simrock aufgezeichneten Rheinsagen befasst sich mit Adelheid. Sie mag als Beweis für die Popularität der Äbtissin dienen:

Adelheid von Geldern.

Steht bei Bonn am alten Rhein
Ein verfallen Klösterlein,
Das der edle Graf von Geldern
Reich bedacht mit Gut und Feldern,
Seine Tochter Adelheid
Zur Aebtissin eingeweiht.

Das war eine fromme Frau,
War die Frömmst' im ganzen Gau,
Hatte freudig hingegeben
Irdisch Gut und junges Leben
Gott und Frau Cäcilia,
Die sie oft im Traume sah.

Einer Nonne, jung und hold
Prangend in der Locken Gold,
Wollte kein Gesang gelingen;
Strafe mocht es nicht erzwingen:
Immer blieb es ein Geschrei

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