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Bonn passé
Der Stichtag der WocheGeschichte und Geschichten aus Bonn
Wolfgang Guting
Der Sannyasin
Vor 114 Jahren: 30. Juni 1894
Antonius Maria Bodewig (1839-1915) erhält vom Vatikan ein Empfehlungsschreiben für die Gründung seiner Missionsgesellschaft.
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In Bonn am 2. November 1839 als Sohn der Eheleute Constantin und Elisabeth Bodewig geboren, widmete Antonius Maria sein Leben schon früh dem christlichen Glauben. Mit 17 Jahren trat er in den Jesuitenorden ein. 1872 wurde er nach Indien versetzt, wo er 1874 mit der Mission im Nordwesten Indiens, betreut wurde.
Bodewig war von der indischen Kultur tief beeindruckt. Er lernte Englisch, Marathi und Sanskrit und beschäftigte sich mit indischer Mythologie und hinduistischer Philosophie. Sein großes Vorbild war der italienische Jesuit Roberto de Nobili (1577-1656), der ebenfalls in Indien missioniert hatte. Um die höheren Kasten und Brahmanen zum christlichen Glaube zu bekehren, lebte de Nobili wie ein Sannyasin, d. h., er hatte der Welt entsagt und lebte in Besitzlosigkeit. De Nobili wurde wegen seiner Lebensweise von seinen Glaubensbrüdern, die wenig Verständnis für diese Art zu leben aufbrachten, angeklagt und musste seine Missionsarbeit auf Jahre aussetzen. Auch Bodewig erlebte ein ähnliches Schicksal, denn selbst 250 Jahre nach de Nobili stieß er mit der Praxis des "christlichen Sannyasin" auf Unverständnis. Er bat schließlich um seine Versetzung und wurde 1876 wieder nach Deutschland geschickt.
Die folgenden Jahre sahen ihn im Einsatz in Feldkirch (Österreich), Kopenhagen (Dänemark), Lancashire (England), Wakefield (England), Exaeten (Holland), Buffalo (USA), New York (USA) und Philadelphia (USA). Doch egal, wo er war, seine Vision ließ ihn nicht mehr los. Er wollte weiterhin für die Missionierung Indiens tätig sein und mittels Verständnis für die Kultur Indiens dort die Christianisierung erreichen. Die Missionare sollten sich der indischen Kultur und Lebensform anpassen. Die weiblichen Mitglieder sollten als Krankenschwestern, Ärtzinnen und Lehrerinnen den Zutritt zu den Frauen erlangen und die Bildung der Mädchen fördern.
Den Jesuitenorden hatte Bodewig inzwischen verlassen, da er hier keine Unterstützung für seine Ideen fand. 1892 wurde er vom Pfarrdienst befreit und gründete in Köln die Missionsgesellschaft der Unbefleckten Empfängnis für die Bekehrung der Heiden Indiens. Niederlassungen wurden in Bonn und München eröffnet. Bodewig warb unermüdlich mit Reden, Broschüren und dem Buch "Indien und seine Heiden-Mission" (1894) für seine Ziele. 1894 antichambrierte er im Vatikan und erhielt schließlich am 30. Juni ein Empfehlungsschreiben der Kongregation für die Evangelisierung der Völker (Congregatio pro Gentium Evangelizatione), die die missionarische Tätigkeit der katholischen Kirche koordiniert.
Bodewig wähnte sich am Ziel seiner Träume. Er ließ das Schreiben verbreiten und eine erste Gruppe von 8 Brüdern und 14 Schwestern unter der Leitung das aus Bonn stammenden Nicholas Ludwig Hohn traf 1886 mit dem Schiff in Indien ein. Doch das Schreiben des Vatikans war von der Zustimmung des zuständigen Bischofs abhängig und der in diesem Fall zuständige Kardinal Kerentz versagte die Anerkennung der neuen Gesellschaft. Da Bodewig sich weigerte, seine Gesellschaft aufzulösen, wurde das Vermögen der Gemeinde konfisziert und Bodewig vom Priesteramt suspendiert. In Indien wollte kein Bischof die gelandeten Mitglieder einer verbotenen Gemeinschaft aufnehmen. Sie traten daher anderen Ordensgemeinschaften bei.
Den Rest seines Lebens bemühte sich Bodewig um seine eigene Rehabilitierung und die Anerkennung seines Ordens. Ab 1913 durfte er in der belgischen Gemeinde Mechelen wieder als Priester arbeiten. Für den 9. Januar 1915 hatte er einen Audienz-Termin bei Papst Benedikt XV. erreicht. Er hoffte, hier doch noch den Segen für seine Pläne zu erhalten. Dazu kam es jedoch nicht, da Bodewig einen Tag zuvor in Rom verstarb.
Allen Hindernissen zum Trotz und ohne die kirchliche Genehmigung konnte sich die kleine Gemeinschaft noch zu Lebzeiten ihres Gründers in Italien und Österreich ausbreiten. 1923 gründeten Mitglieder der Gemeinde mit Unterstützung des damaligen Universitätsprofessors Theodor Innitzer und des Kardinals Friedrich Gustav Piffl die noch heute bestehende Missionskongregation der Schwestern "Königin der Apostel", die sich auf Bodewig als Gründer beruft.
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