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Geschichte und Geschichten aus Bonn
Wolfgang Guting

Dachdecker kauft Schloss

Vor 204 Jahren: 7. Juni 1804
Der Bonner Dachdecker Peter Lander kauft das Schloss "Herzogsfreude" in Röttgen und lässt es abreißen.


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Schloss Herzogsfreude auf einem Bild von Johann Ziegler 1792

Bereits in einer Urkunde aus dem Jahre 973 ist belegt, dass der Kottenforst ein altes Jagdgebiet ist und hauptsächlich von hochherrschaftlichen Menschen zu eben diesem Zwecke genutzt wurde. Im 12. Jahrhundert fiel das Gebiet an die Abtei Siegburg und wurde 1549 an den Erzbischof von Köln verkauft. So geriet der Kottenforst schließlich in die Hand des Kölner Kurfürsten Clemens August (1700-1761).

Clemens August war ein leidenschaftlicher Jäger. Seiner Passion ging er gerne im Kottenforst nach, wobei er die Parforcejagd, bei der eine berittene Jägerschar einer Hundemeute folgt, die - vorzugsweise - einen Hirsch hetzt, besonders liebte. Überliefert ist auch, dass die Sauhatz ein beliebter Zeitvertreib des Fürsten gewesen ist und bei einer solchen wurde Clemens August von einem Eber angegriffen und erheblich verletzt.

Für eine Parforcejagd braucht man Platz, viel Platz. Deshalb ließ der Kurfürst im Kottenforst ein Wege- und Schneisensystem anlegen, das noch heute existiert. Da sich die höfischen Reiter mit ihrer Beute aber auch den Damen der Gesellschaft präsentieren wollten, braucht es noch mehr Platz. So ergab es sich, dass in Clemens August der Plan reifte, in der Mitte des heutigen Bonner Ortsteils Röttgen, wo sich die sternförmig angelegten Jagdwege trafen, ein Jagdschloss zu errichten. Dieser Plan wurde nach jahrzehntelanger Planung mit dem Baubeginn 1753 in die Tat umgesetzt. Der Name des Schlosses war treffender Weise "Herzogsfreude".

Ob der Bau auch zur Freude der damaligen Röttgener gereichte, sei dahingestellt, denn den Plänen des Kurfürsten mussten alle anderen Strukturen weichen. So auch der traditionelle Verbindungsweg von Röttgen nach Meckenheim, auf den das Schloss gebaut wurde. Die gewaltige Anlage, allein der Mitteltrakt hatte eine Länge von 70 Metern, war in Richtung Bonn geöffnet. Die Innenausstattung soll mit ihren Wandbemalungen und -vertäfelungen, kostbaren Möbeln, Gemälden und Porzellangegenständen ausgesprochen prächtig gewesen sein.

Doch häufig kommt es anders als man denkt. Clemens August stirbt 1761 überraschend, ohne dass auch nur eine einzige der von ihm geliebten Parforcejagden in Herzogsfreude stattgefunden hatte. Das Schloss, das nie bewohnt wurde und von den Nachfolgern des Kurfürsten nie betreten wurde, hatte bis zum Tode von Clemens August allein für den bloßen Bau ohne die Innenausstattung 130 000 Taler verschlungen. Die endgültige Besiegelung seines Schicksals erfuhr der Bau, als in Folge der Französischen Revolution die Revolutionstruppen Bonn eroberten und der Wert von adeligem Besitz schlagartig abnahm. Der Kottenforst und fast alle hochherrschaftlichen Gebäude gingen in den Besitz der französischen Besatzungsmacht über. Der Kottenforst wurde weitgehend gerodet, das Holz verkauft. Denn man brauchte Geld, um die immensen Rüstungsausgaben der französischen Armee zu bestreiten.

Auch Herzogsfreude stand zum Verkauf und wurde auf einer Auktion feilgeboten. Am 7. Juli 1804 erfolgte der Zuschlag, den der Bonner Dachdecker Peter Lander erhielt. So wechselte für ganze 3550 Francs das Schloss seinen Besitzer und ging von adeligen Händen in die eines einfachen Handwerkers über, der mit Parforcejagden nichts im Sinn hatte. Lander machte aus dem Bau eine Abbruchruine, von der das Kupferdach, die Bleirohre und zehntausende von Feldbrandziegeln einen ordentlichen Profit versprachen. Überliefert ist, dass einige der Ziegel in Düsseldorf wiederum für einen Schlossbau verwendet wurden; anderes ging nach Wesel und sicher sind auch einige der Materialien in der Bonner Region verwendet worden. Geblieben ist von dem Schloss jedenfalls nichts, außer ein paar Kellergewölben, die heute von Privatbauten überbaut sind.

Seit 1982 steht auf dem Schlossplatz in Röttgen ein kleines Bronzemodell, das an das ehemalige Schloss erinnert.



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