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Bonn passé

Der Stichtag der Woche
Geschichte und Geschichten aus Bonn
Wolfgang Guting

Bonner Märtyrer werden umgebettet

Vor 820 Jahren: 2. Mai 1188
Der Bonner Propst Gerhard von Are lässt die Gräber der Märtyrer Cassius, Florentius und Mallusius öffnen.


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CassiusFlorentius.jpg

Anfang der Gereonslegende mit
den Märtyrern Gereon, Viktor,
Cassius und Florentius

Ausgangspunkt des Ganzen ist eine Legende. Diese besagt, dass um 300 unserer Zeitrechnung Maximian, Kaiser des Römischen Reiches, die sogenannte Thebäische Legion befehligte, eine Legion, die aus Theben in Ägypten stammte. Diese Legion soll gänzlich aus Christen bestanden haben, was zu erheblichen Konflikten führte. Denn Kaiser Maximian verehrte nicht nur einen Gott, sondern viele Götter und er verlangte von seinen Mannen, dass sie einem von ihm aufgestellten Götterbild ihre Opfergaben bringen. Aus verständlichen Gründen weigerten sich die Soldaten der Thebäischen Legion und Maximian ordnete ihre Hinrichtung an.

Zu den Opfern gehörten auch Cassius, Florentius und Mallusius. Auch sie mussten ihr Festhalten am christlichen Glauben mit dem Leben bezahlen. Die Schergen des unchristlichen Kaisers sollen alle drei am Fuße des Kreuzbergs enthauptet haben, an der Stelle, wo später die Endenicher "Mordkapelle" errichtet wurde. Die Gebeine der Ermordeten wurden an eine andere Stelle gebracht und beerdigt und über ihren Gräbern wurde eine "Cella memoriae", eine Gedächtnisstätte, errichtet.

Wenn auch die Existenz der Thebäischen Legion historisch umstritten ist, so gibt es doch archäologische Anhaltspunkte dafür, dass an der Stelle, wo sich heute das Bonner Münster befindet, im frühen 4. Jhd. eine Gedächtnisstätte für christliche Märtyrer errichtet wurde.

Jahrhunderte später war es Gerhard von Are, der eine neue Wende in die Geschichte der drei Bonner Märtyrer brachte.

Von Are wurde 1124 Propst des Bonner Cassius-Stifts, was für die Entwicklung der Stadt von großer Bedeutung war. Er verfügte über hervorragende Beziehungen zu Papst Innozenz II.  Als er den Ausbau der damaligen romanischen Stiftskirche "St. Cassius und Florentius" zum heutigen Münster vorantrieb, erhielt er immerhin elf Papsturkunden, die die Rechtsgrundlage seiner Aktivitäten festigten.

Im Rahmen der Ausbauarbeiten ließ von Are die Gruft öffnen, in denen er die Reliquien der drei Märtyrer vermutete. Sie wurden exhumiert und in einer feierlichen Prozession über den Bonner Münsterplatz geführt und schließlich in aufwendigen Schreinen auf den Hochaltar des heutigen Münsters verbracht. Während des Truchsessischen Krieges (1583-1588) wurden die Schreine geraubt und sind seitdem verschwunden. Die Reliquien aber wurden geborgen und in einfachen Behältnissen am Hochaltar weiterhin aufbewahrt.

In der Folgezeit gerieten die Reliquien nach und nach in Vergessenheit, bis sie 1887 bei einer Restaurierung des Münsters zufällig wieder entdeckt wurden. 1971 wurden sie in der Krypta des Münsters aufgestellt..

Cassius und Florentius wurden 1643 zu Bonner Stadtpatronen ernannt. Warum es Mallusius nicht zu dieser Ehre brachte, ist unbekannt.



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