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Geschichte und Geschichten aus Bonn
Wolfgang Guting

Bonner Königin der Lüfte

Vor 56 Jahren: 23. Juni 1952
Rita Maiburg, erster "weiblicher Flugkapitän" eines Linienflugzeugs, wird in Bonn geboren.


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Ein Flugzeug vom Typ Twin Otter

Es geschah auf dem Flug von Saarbrücken nach Frankfurt. Das Flugzeug war eine aus der Produktion der  kanadischen Firma de Havilland stammende DHC-6 Twin Otter, die normalerweise 18 bis 20 Passagiere befördert. Die Stewardess machte die Ansage "Im Namen von Frau Flugkapitän Rita Maiburg heiße ich Sie ... willkommen." Diese Ansage sollte es nur einmal geben, denn die Stewardess wurde am folgenden Tag zur Geschäftsleitung zitiert, wo ihr aufgegeben wurde, die Ansage künftig mit "Im Namen von Flugkapitän Maiburg heiße ich Sie ... willkommen" vorzunehmen. Es war der Geschäftsleitung offenbar viel daran gelegen, die Tatsache, dass die Maschine von einer Frau geflogen wurde, zu verschweigen. Allerdings formulierte Christian von Kaltenborn-Stachau, damals Geschäftsführer der Deutschen Lufttransport (DLT), die Begründung ein wenig anders: Frau Maiburg versehe wie die anderen 70 Angestellten der Firma ihren Dienst und sie müsse nicht extra als Frau erwähnt werden.

Am 23. Juni 1951 kam Rita Maiburg als erstes von vier Kindern des Ehepaars Alois und Gertrud Maiburg in Bonn zur Welt. Nach dem Besuch der Grundschule von 1957 bis 1961 besuchte sie anschließend bis 1968 die Ursulinenschule in Hersel, die sie nach Erlangen der mittleren Reife verließ. Bereits 1967 war sie einem Segelfliegerverein beigetreten, wo sie ihre A-, B- und C-Prüfung ablegte. 1969 erwarb sie an der Luftfahrerschule Nordrhein-Westfalen in Bonn-Hangelar die Privatpilotenlizenz (PPL). Von 1969 bis 1970 absolvierte sie eine Ausbildung an der Bundesanstalt für Flugsicherung auf dem Köln/Bonner Flughafen und von 1971 bis 1972 wurde sie an der Fachschule für Verkehrsluftfahrt in Mülheim/Ruhr zur Berufspilotin ausgebildet.

Ihre erste Anstellung bekam Rita Maiburg bei einer Münchner Firma, wo sie neben ihrer Beschäftigung als Bürokraft auch als Copilotin des firmeneigenen Flugzeugs fungierte. Als die Firma das Flugzeug verkaufte, verlor sie diesen Job und sie meldete sich beim Arbeitsamt Brühl arbeitslos. Die Arbeitslosigkeit sollte zwei Jahre andauern und Rita Maiburg verklage in dieser Zeit die Bundesrepublik Deutschland und die Lufthansa, die damals weder Frauen zur Ausbildung als Pilotin zuließ, geschweige denn Frauen als Pilotin einstellte. Die Klage wurde im August 1976 in zweiter und letzter Instanz vom Oberverwaltungsgericht Münster abgewiesen.

In gewisser Weise war das Urteil aber zu diesem Zeitpunkt bereits überholt, denn Rita Maiburg hatte kurz zuvor eine Anstellung als Copilotin bei der DLT angetreten, die ihr das Arbeitsamt Brühl vermittelt hatte. Die DLT wurde ab Ende 1975 von der Lufthansa für Inlandflüge eingesetzt und so arbeitete Frau Maiburg indirekt für die Lufthansa. Als sie ab 1976 nicht nur als Copilotin, sondern auch als Kapitän eingesetzt wurde, war sie weltweit der erste und einzige weibliche Kapitän im Liniendienst für Passagiere.

Von einer Gleichstellung mit den männlichen Kollegen der Lufthansa konnte allerdings keine Rede sein. Rita Maiburg bezog ein Bruttogehalt von 2.700 DM, von denen 300 DM für den Kredit zu leisten waren, den sie für ihre Ausbildung zur Pilotin aufgenommen hatte. Die Ausbildung hatte insgesamt 38.000 DM gekostet. Bei der Lufthansa wurde die Ausbildung zum Piloten von der Firma finanziert. Ein Copilot im Alter Von Rita Maiburg hätte mit einem monatlichen Gehalt von 4.200 DM rechnen können, ein Jumbo-Kapitän konnte sogar monatlich 14.200 DM einstreichen - das höchste Gehalt, das seinerzeit von der Lufthansa an Piloten gezahlt wurde. Die Lufthansa ließ erst ab 1986 Frauen für die Cockpitausbildung zu.

Rita Maiburg wurde fast ausschließlich auf nationalen Flügen eingesetzt. Sie flog nur einmal Brindisi in Italien und einmal Belfast in Nordirland an. Ihre Karriere als Pilotin war auch nicht von langer Dauer. Als sie am 2. September 1977 morgens um 6:30 Uhr in dichtem Nebel mit ihrem Auto zur Arbeit zum Flughafen Münster-Osnabrück fuhr, stieß sie in Folge der schlechten Sichtverhältnisse frontal mit einem Milchtankwagen zusammen. Sie wurde auf die Intensivstation des Krankenhauses in Greven gebracht, wo sie am 9. September 1977 im Alter von 26 Jahren an einer Lungenembolie verstarb. Ihre letzten Worte sollen "Ich muss hier raus, die haben doch keinen Ersatz für mich" gewesen sein.



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