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Bonn passé

Der Stichtag der Woche
Geschichte und Geschichten aus Bonn
Wolfgang Guting

Bonner Hunde

vor 190 Jahren: 9. Oktober 1818
Per Regierungsverordnung werden die Bonner Hundehalter angewiesen, ihre Tiere mit Hundemarken zu versehen.


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Georg_Muehlberg_-_Ein_flotter_Bursche.Student_um_1900.jpg

„Ein flotter Bursche“,
Student in Vollcouleur
(Georg Mühlberg, um 1900)

Und es empfahl sich auch, dies zu tun. Denn Hunde ohne Marke, Leine oder Maulkorb, also ohne Kennzeichen, die auf einen Besitzer hinwiesen, galten als herrenlos. Als solche konnten sie Beute eines Hundefängers werden, der die Tiere entweder an eine Fabrik zur Herstellung von Leim oder zu Versuchszwecken an eine Klinik verkaufte. Die wirtschaftlichen Verhältnisse mancher Menschen dieser Zeit waren nicht so, dass man sich einen solchen Nebenverdienst entgehen lassen konnte.

Reglementierungen, die die Haltung von Hunden betreffen, lassen sich bereits für das 17. Jahrhundert nachweisen. Schon damals gab es einen Leinenzwang und das Gebot, scharfe und große Hunde bis auf Ausnahmen eingesperrt zu lassen. Die Regelungen von 2002 zum Leinen- und Maulkorbzwang haben also durchaus ein über 300 Jahre altes Vorbild.

Das Leben der Hunde in Bonn war nicht immer ungefährlich. So schreibt z. B. Heinrich Heine (1797-1856): "Wie mein Universitäts-Freund Diefenbach, als wir in Bonn studirten, überall, wo er einen Hund oder eine Katze erwischte, ihnen gleich die Schwänze abschnitt, aus purer Schneide-Lust, was wir damals, als die armen Bestien gar entsetzlich heulten, so sehr verargten, später aber ihm gern verziehen, da ihn diese Schneide-Lust zu dem größten Operateur Deutschlands machte ..."

Überhaupt scheint es so, dass Bonner Studenten sich zwar gerne Hunde hielten, sie aber nicht unbedingt pfleglich behandelten. Dafür spricht zumindest ein Verbot der Universität von 1823, Hunde mit in Vorlesungen zu nehmen. Überliefert sind auch die so genannten "Nachtskandale", bei denen sich trunkene Studenten lautstark in Handgemenge verzettelten. Bei diesen Raufereien waren fast immer Hunde dabei, die sich, Partei für ihre "Herrchen" ergreifend, auf die jeweils "feindlichen" Tiere stürzten. Sie trugen so nicht unwesentlich zum Lärmpegel bei.

Ein besseres Leben hatten wohl die Hunde zu Hofe. Viele von ihnen waren aus England importiert und dienten als Meutehunde bei der Parforce-Jagd. Kurfürst Clemens August (1700-1761) nahm immer seine ganze Schar an Hunden von Bonn mit ins Emsland, wenn er sich zur Jagd auf sein Schloss Clemenswerth begab. Er selbst, ein "dreister Reiter", mokierte sich gerne über die Reitkünste seiner Gäste, die es nicht schafften, der Meute zu folgen: "Es gibt hier genug Liebhaber von dieser Jagd, wenig aber, die sich lernen, den Hunden zu folgen, dahero bleiben sie meistens auf dem Kommisari-Weg stehen, ihr Glück erwartend, ob sie etwas von der Jagd zu sehen bekommen."

Doch kommen wir nun zu den wohl zwei berühmtesten Hunden von Bonn. Der eine dürfte der sein, von dem wir keinen Namen kennen und auch sonst nicht viel wissen, außer dass er domestiziert gewesen sein muss. Darauf weist der gut erhaltene Unterkiefer des Skelettes des Tieres hin, dem zwei Vorbackenzähne fehlen. Diese Zahnlücke kommt bei wilden Hunden nicht vor.

Der Fund stammt aus dem Doppelgrab von Oberkassel, das nach heutigem Wissensstand ca. 12.000 bis 14.000 Jahre alt ist, also in die beginnende Mittlere Steinzeit datiert. Der Hundeunterkiefer dient der Wissenschaft als Beweis, dass schon damals Hunde domestiziert wurden. Der Fund ist bis heute der älteste Fund eines Haustieres überhaupt.

Der andere berühmte Hund von Bonn war niemand geringeres als der Teufel selbst. Zumindest behaupteten dies die Gegner seines Herren, Agrippa von Nettesheim (1486-1535). Agrippa hatte nicht wenige Feinde, u. a. die wütenden Kommissare der Hexenverfolgung, denen er sich bei mehreren Gelegenheiten mutig entgegenwarf und hier und da ein Opfer entreißen konnte. Nach der Logik der Hexenkommissare war jeder Zweifler an der Existenz der Hexen selbst vom Teufel beherrscht.

Ein Urteil, dem auch Agrippa nicht entgehen konnte. Als Beweis diente eben jener Hund, der "schwarze Hund", von Agrippa schlicht "Monsieur" gerufen. Selbst die Namensgebung, von Agrippa vielleicht mit einem Augenzwinkern vorgenommen, wurde gegen den Universalgelehrten ins Feld geführt. Denn wenn ein Mensch einen Hund zum "Herrn" macht, so kann dieser "Herr" nur der Teufel sein.

Und schaurig ist auch das Ende des Mannes und seines Hundes, zumindest so, wie es einige seiner Gegner darzustellen versuchten: Auf dem Sterbebett in Grenoble, bis wohin "Monsieur" seinem Herrn von Bonn gefolgt war, soll Agrippa das Tier mit einem Fluch fortgeschickt haben. Das Tier sprang in die Fluten der Isère und zur gleichen Stunde fuhr Agrippas Seele in die Hölle.

Doch lassen wir zum Ende Doktor Johann Weyer (1515-1588), den Schüler Agrippas in Bonn und Poppelsdorf, zu Wort kommen, der den Sachverhalt ein wenig nüchterner beschreibt: "Bei dieser Gelegenheit muss denn auch der Wahrheit die Ehre gegeben werden betreffs der Erzählung einiger Schriftsteller, Agrippa habe bis zum letzten Atemzuge den Teufel in Gestalt eines Hundes mitgeführt, der dann, ich weiss nicht wie, verschwunden sei. Nicht genug muss ich darüber erstaunen, dass Männer von hoher Bedeutung so fades Zeug reden, denken und schreiben, und zwar auf ganz dummen Volksklatsch hin. Wenn irgend jemand den schwarzen mittelgrossen Hund, der den französischen Namen Monsieur hatte, gut kannte, so war ich das. Sehr oft habe ich ihn, wenn er dem Agrippa folgte, am Strick geführt. Es war ein ganz natürlicher männlicher Hund, dem er übrigens eine Hündin von fast gleicher Farbe und ähnlichem Aussehen während meines Aufenthaltes in Bonn zugesellt hatte, die er mit dem französischen Namen Mademoiselle belegte. Veranlassung des ganzen unsinnigen Geredes war, wie mir scheint, die fast kindische Liebe Agrippas zu diesem Hunde, wie das so mancher Menschen Sitte ist. Er küsste ihn zuweilen, hatte ihn bei Tisch an seiner Seite sitzen und bei sich im Bette liegen. ... Vielleicht ist das Geschrei auch deswegen entstanden, weil mein Hausherr beständig in seiner warmen Stube steckte, zuweilen alle acht Tage einmal ausging und dennoch alles wusste, was in der Welt geschah. Das haben einige unverständige Menschen schon damals, als ich doch dabei war, dem Hunde als einem bösen Dämon zugeschrieben; in Wirklichkeit verhielt sich die Sache so, dass Agrippa täglich von allen Seiten her Briefe der gelehrtesten Männer empfing."


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