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Geschichte und Geschichten aus Bonn
Wolfgang Guting

Bernhard Thiersch, Verfasser des „Preußenliedes“, wird geboren

Vor 214 Jahren: 26. April 1794
Johann Bernhard Thiersch, Dichter der "preußischen Nationalhymne", am 1. September 1855 in Bonn verstorben, erblickt in Kirchscheidungen bei Freiburg das Licht der Welt


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Wappen von Preußen 1701

Das peinliche Schicksal, nur durch den berühmteren Bruder, Friedrich Wilhelm Thiersch, einem Philologen, der in Bayern "Vater der humanistischen Bildung" tituliert wurde, bekannt zu sein, blieb Bernhard Thiersch letztlich erspart.

Darauf deutete anfangs nichts hin, denn seine Karriere bestand aus Stationen als Gymnasiallehrer in Gumbinnen, Lyck und Halberstedt, bis er schließlich 1833 Gymnasialdirector in Dortmund wurde. Ob er diesen Posten allerdings angemessen erfüllte, ist zweifelhaft. Schließlich wurde Thiersch 1855 veranlasst, in den Ruhestand zu treten

Seine zahlreichen Werke trugen jedenfalls nicht zu seinem Ruhm bei. Weder "Über das Schicksal der griechischen Tragödien" (Königsberg 1819), "Ueber das Zeitalter und Vaterland des Homer" (Halberstadt 1824), "Hugo und Brunhilde oder der sprechende Falke. Ein historischer Roman aus der deutschen Geschichte" (Königsberg 1826), "Hans Witsilbers Fehmgerichtsprocess" (Dortmund 1838) oder "Das schwedische Hauptquartier in Altranstädt oder der Drei-Veilchen-Brokat, ein historisch-romantisches Gemählde aus dem großen Nordischen Kriege" (Halberstadt 1830) sind heute noch mehr als einer Handvoll Menschen bekannt und sie fristen ein staubiges Dasein in Bibliotheken und Archiven.

1830 beschloss der Gymnasiallehrer den preußischen König Friedrich Wilhelm III. (1770-1840) mit einer selbstverfassten Hymne zu  beschenken, dessen erste Strophe wie folgt lautet:
"Ich bin ein Preuße, kennt ihr meine Farben?
Die Fahne schwebt mir weiß und schwarz voran;
dass für die Freiheit meine Väter starben,
das deuten, merkt es, meine Farben an.
Nie werd ich bang verzagen,
wie jene will ich's wagen
|: Sei's trüber Tag, sei's heitrer Sonnenschein,
Ich bin ein Preuße, will ein Preuße sein. :|"

Friedrich Wilhelm III. war dem Liedgut zugetan und zeitgenössische Berichte erzählen, dass der König am liebsten "Victoria, mit uns ist Gott, der stolze Feind liegt da" hörte, das die Schulkinder in Potsdam sangen, wenn Friedrich einher geritten kam. Eine gewisse Skepsis gegenüber bürgerlichem Liedgut hatte der König aber auch. Man konnte ja nie wissen, ob sich nicht irgendetwas Revolutionäres dahinter verbarg. Als ihm das siebenstrophige Epos in der Vertonung von Heinrich August Neithardt erstmals vorgetragen wurde, soll er sich etwas zurückgezogen haben. Nach Verklingen der ersten Strophe soll er aber wieder hervorgetreten sein.

Das Wohlwollen des Herrschers war für die Verbreitung des "Preußenliedes" von entscheidender Bedeutung. Die sich überall konstituierenden Gruppen von ehemaligen freiwilligen Jägern übernahmen das Lied und sangen es auf ihren Erinnerungsfesten. Es wurde zur Nationalhymne von Preußen.

Nachdem Thiersch 1855 in den Ruhestand getreten war, zog er zuerst nach Düsseldorf und dann nach Bonn, wo er nur wenige Wochen verbrachte und im gleichen Jahr verstarb.



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