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Geschichte und Geschichten aus Bonn
Wolfgang Guting

Balduin Möllhausen stirbt in Berlin

Vor 103 Jahren: 28. Mai 1905
Der in Bonn geborene Abenteurer und Schriftsteller Möllhausen, dessen Figuren Karl May beeinflussten, stirbt mit 80 Jahren in Berlin.


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Wie viele der Figuren Karl Mays ohne Möllhausens Schriften ausgesehen hätten, ist spure Spekulation. Gewiss ist aber, dass viele der Mayschen Indianer- und Wildwest-Charaktere zu einem großen Teil auf die Personen zurückzuführen sind, die Möllhausen in seinen Expeditionsberichten und Romanen geschildert hat.

Zum Beispiel Winnetous Schwester Nscho-tschi. Vorbild war wohl das hübsche Halbblutmädchen Amalie, oder Emily, Papin. Mit dem 14jährigen Mädchen hatte Möllhausen auf der Pelzhandelsstation Bellevue eine heftige Liebesaffäre und er machte sie zu seiner Verlobten. Zur Heirat kam es dann aber nicht, weil Amalie dann doch einen anderen Mann vorzog. Möllhausen blieb aber nicht ledig. Er heiratete später Karoline Seifert, die offizielle Tochter des Kammerdieners von Alexander von Humboldt. In Wahrheit war sie aber, das gilt heute als gesichert, die illegitime Tochter Humboldts.

Oder Winnetou selbst. Möllhausens Halbindianer Joseph aus dem gleichnamigen Roman hat in der Hautfarbe einen "leichten Bronzeanflug", Winnetou einen leisen Bronzehauch; Joseph hat große dunkle Augen, Winnetou hat ernste, dunkle Augen; Joseph hat "schlichte, schwarze Haare", Winnetou blauschimmerndes, schwarzes Haar; Joseph hat "etwas Mädchenhaftes", Winnetou könnte von mancher Dame um sein Haar beneidet werden; beide sind ohne Bartwuchs, wohl erzogen, furchtlos und stolz. Viele der Motive und Landschaften, die in Mays Werken auftauchen, sind bereits vorher in den Schriften Möllhausens vertreten.

Im Gegensatz zu May wusste Möllhausen aus erster Hand, wovon er schrieb. In den Jahren 1850-1852, 1853-1854 und 1857-1858 unternahm er drei Expeditionen in den Wilden Westen, in den Teil des Westen, der noch nicht von den Weißen "zivilisiert" worden war. Es gab wohl keinen zweiten deutschen Schriftsteller, der die Indianer jener Zeit und ihr Leben hautnah erfahren hat. Er wurde dabei zu einem Freund der Indianer. Er erlebte dabei auch den mörderischen Umgang der "Zivilisierten" mit den ursprünglichen Inhabern des Landes. Diese Erfahrungen führten dazu, dass er zeitlebens Partei für die Indianer ergriff und die Kolonisation, Rassismus und Sklaverei geißelte.

Möllhausen wurde am 27. Januar 1825 im Bonner Norden geboren. Hier besuchte er bis 1840 das Gymnasium, das er aus Geldnot verlassen musste, als beide Eltern gestorben waren und er zu einer Pflegefamilie kam. Trotz dieser eher betrüblichen Aspekte seiner Jugend, hat er Bonn wohl in guter Erinnerung behalten. In seinem stark autobiographischen Roman "Die Mandanenwaise", in dem er selbst ausgeprägte Züge des Bonner Revolutionärs Gottfried Kinkel (1815 - 1882) annahm, schreibt er dazu: "Mögen die Bilder aber eine Färbung tragen, welche sie wollen, bei allen tritt in den Vordergrund der erste Genosse meiner Jugend, der liebe, rebenbekränzte, alte Vater Rhein, der Rhein mit seinen anmuthigen Thälern und alterthümlichen Städten mit seiner malerischen Felseinfassung und den grauen Ritterburgen, der Rhein endlich mit seinen schönen Sagen und den edlen Weinen, und vor Allem mit der heiteren, warmherzigen Bevölkerung, welche den majestätischen Strom mit Stolz ihren Vater nennt. Ja, am Rhein bin ich geboren, und zwar an einem Punkte, der sich, hinsichtlich seiner romantischen Schönheit, kühn mit allen hervorragenden Stellen seiner Ufer in einen Vergleich einlassen darf."

Möllhausen musste Bonn später verlassen, um bei Verwandten in Mecklenburg und Pommern eine Landwirtschaftsausbildung zu vollenden. Er absolvierte in Stralsund seinen Militärdienst, bis es ihn schließlich nach Amerika zog. Die bedeutendste Veröffentlichung, die seine Expeditionen ins Indianerland beschreiben, ist das zweibändige "Reisen in die Felsengebirge Nordamerikas bis zum Hochplateau von Neu-Mexiko" (Leipzig 1861), das er mit zahlreichen Zeichnungen und Aquarellen selbst illustrierte.

In Potsdam sesshaft geworden, veröffentlichte Möllhausen eine immense Zahl an der damals so populären Reise- und Abenteuerliteratur, die in Zeitschriften oder als Bücher veröffentlicht wurden. Zusammen mit Friedrich Gerstäcker galt er als der populärste deutsche Schriftsteller des Abenteuerroman-Genres.

Balduin Möllhausen verstarb am 28. Mai 1905. Auf eigenen Wunsch wird er in seinem ledernen Jagdrock beerdigt. Der Grabstein trägt die Inschrift: "Mein Leben war Köstlich, Denn es war Mühe und Arbeit".




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