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Geschichte und Geschichten aus Bonn
Wolfgang Guting

Am Ende die Guillotine

vor 217 Jahren: 7. Juli 1791
Eulogius Schneider (1756-1794) wird als Professor der Bonner Universität entlassen.


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eulogiusschneider.jpg

Eulogius Schneider, auf dem
„Paradeplatz“ in Straßburg an die
Guillotine gebunden.

Schon bevor Schneider von Kurfürst Maximilian Franz von der Bonner Universität vertrieben und der Stadt verwiesen wurde, war er ein gebranntes Kind und hatte etliche Maßregelungen über sich ergehen lassen müssen.

Johann Georg Schneider, so der Taufname, wurde am 20. Oktober 1756 als elftes Kind armer Weinbauern in Wipfeld am Main geboren. Seine Eltern sahen ihn für den Beruf eines Geistlichen vor und schickten ihn auf das Gymnasium in Würzburg, wo er von Jesuiten unterrichtet wurde. Doch der den Freuden des Lebens nicht feindliche junge Mann wurde wegen "vorehelicher copulation" zu einer Strafe von 2 Reichstalern verurteilt und sein Ruf in Würzburg war dahin.

So führte ihn sein Weg nach Bamberg, wo er 1777 dem Franziskanerorden beitrat und den Namen Eulogius annahm, was man, frei aus dem Griechischen, als "Wortgewandter" übersetzen kann. Denn reden konnte Herr Schneider sehr gut; so gut dass seine Predigten eine große Popularität genossen. Von Bamberg führte der Weg nach Salzburg, wo Schneider die Priesterweihe empfing, und weiter nach Augsburg, wo er 1786 von Herzog Karl Eugen zum Hofprediger befördert wurde. Eulogius, der inzwischen mit den Ideen der Aufklärung vertraut war, geriet darüber mit seinem Herzog in Streit. Der drohenden Zurückversetzung ins Kloster konnte Schneider 1789 durch den Ruf des als "aufklärerisch" bekannten Bonner Kurfürsten Maximilian Franz an die hiesige Universität entgehen.

Hier wurde er Professor für Literatur und Schöne Künste und seine Redekunst sorgte für einen regen Besuch seiner Vorlesungen. Zu den Hörern Schneiders gehörte auch der junge Beethoven. Als in Österreich am 20. Februar 1790 Kaiser Joseph II. starb, den man als Freund der Aufklärung ansah, regte Schneider an, dass die Bonner Lesegesellschaft eine Gedenkfeier für den toten Kaiser veranstalten solle. Der Gedanke wurde von dieser in der Tat aufgegriffen und man beauftragte den 19-jährigen Beethoven mit der Komposition einer Kantate. Thema sollte der Kampf Josephs mit dem "Ungeheuer Fanatismus" sein, ganz im Sinne Schneiders, der die religiöse Toleranz Josephs rühmte und als wesentlich für die Emanzipation des Judentums ansah. Aus ungeklärten Gründen kam es jedoch nicht zur Aufführung der Kantate. Die Thematik allerdings sollte später in Beethovens Oper Fidelio wieder auftauchen.

Schneider verfasste in Bonn Gedichte und Traktate für den Geist der Aufklärung, für die Ideen der Französischen Revolution, gegen den Papst und z. T. auch erotische Literatur. Das allein sorgte für beträchtliches Aufsehen. Das endgültige Aus für den Professor in Bonn kam mit der Schrift "Katechetischer Unterricht in den allgemeinsten Grundsätzen des praktischen Christenthums" (1790), in dem er u. a. ein "schönes Leben" (Eudämonismus) als Ziel menschlicher Existenz beschrieb. Der schon seit längerer Zeit gegen das fortschrittliche Bonn agierende konservative Kölner Klerus erwirkte bei einer Strafe von 100 Goldgulden ein Verkaufsverbot gegen das Werk. Schneiders öffentlicher Protest gegen diese Zensur führte dann am 7. Juli 1791 zu seiner Entlassung.

Die letzte wichtige Station in Schneiders Leben war Straßburg, wohin er von Bonn aus floh. Hier war er in verschiedenen Ämtern und Funktionen tätig. U. a. war er Ankläger beim Revolutionstribunal und verhängte 29 oder 31 Todesurteile, die Zahl ist nicht gesichert, gegen Gegner der Revolution. Die Zeit in Straßburg, beschreibt der Brockhaus 1809 so: "Anfänglich betrug er sich gut, und wurde wegen seiner Kenntnisse und seines Patriotismus allgemein geschätzt: aber bald entwickelte sich sein unruhiger und verderbter Charakter auch hier; er ward anmaßend, erlaubte sich unzählige Bedrückungen gegen seine Mitbürger und kränkte jeden Rechtschaffenen durch sein trotziges, absprechendes Betragen."

Schneider besiegelte sein Schicksal 1793, als er Sara Stamm ehelichte, denn er ließ es sich nicht nehmen, zu diesem feierlichen Anlass mit einer sechsspännigen Kutsche vorzufahren. Solcher Prunk war den tugendhaften Wächtern der Revolution zu viel. Schneider wurde nach wenigen Stunden seines Daseins als Ehemann verhaftet und auf dem Straßburger Paradeplatz an eben jene Guillotine gebunden an den Pranger gestellt, mit der etliche Köpfe auf seine Veranlassung hin ins Rollen gebracht worden waren. Danach wurde er nach Paris überführt, wo er am 1. April 1794 guillotiniert wurde.

Wer sich näher mit dem Leben Schneiders beschäftigen möchte, dem sei der biographische Roman "Der Traum der Vernunft - Roman eines deutschen Jakobiners" (2002) von Michael Schneider empfohlen.


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